Kostenfaktor Reinigung

Bei den Betriebskosten spielt auch die Reinigung eine große Rolle.Ein reiner Kostenvergleich hinkt aber, sind doch die Anforderungen von Auftraggeber zu Auftraggeber verschieden.
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Viele Firmen achten nicht genau auf die Kosten für die Reinigung.
Viele Firmen achten nicht genau auf die Kosten für die Reinigung.
SN/sn / bilderbox 168258

Nicht erst seit der Diskussion über Mängel bei der Spitalsreinigung vor wenigen Wochen ist das Thema "Reinigung" wieder mehr in den Vordergrund gerückt. Doch viele Firmen schauen nach wie vor nicht so genau drauf, wie die Qualität der Dienstleistung mit dem Preis zusammenstimmt. "Bei durchschnittlichen Reinigungsleistungen in einer modernen Bürofläche kann man einen Durchschnittswert von 2,60 Euro pro Quadratmeter und Monat annehmen", nennt Christian Höger, Sachverständiger für Gebäudereinigung, einen Richtwert für die tägliche Unterhaltsreinigung. "Reinigung ist als Thema nicht sexy und den Unternehmen nicht wichtig genug. Aber das kann zu einem Trugbild führen."

Rechnet man nämlich die 2,60 auf ein Büro mit 3500 Quadratmetern hoch, wird schnell ersichtlich, dass die Reinigung mit fast 110.000 Euro oder auch mehr im Jahr zu Buche schlägt. Freilich sind diese Angaben alle nur Orientierungspunkte. "Nach unten hin gibt es Limits, schon allein aus kollektivvertraglichen Gründen", erklärt Höger. Außerdem sei natürlich die Art der Immobilie relevant, es mache einen Unterschied, ob es sich um ein Büro, ein Einkaufszentrum oder eine Ausbildungsstätte handelt. Ein WC muss zum Beispiel in einem Einkaufszentrum häufiger und intensiver als in einem Büro gereinigt werden.

So viel darf die WC-Reinigung ausmachen:

im Büro: drei bis sechs Prozent,

im Einkaufszentrum: 0,7 bis 1,5 Prozent,

in Ausbildungsimmobilien: 1,3 bis drei Prozent (Prozentangaben beziehen sich auf den Anteil der Gesamtreinigungskosten).

Aber auch innerhalb einer Kategorie sind Unterschiede logisch: "Es gibt nur eine Bandbreite und keinen richtigen oder falschen Preis", ist es Höger wichtig zu betonen. Ein Beispiel: Ein Bürohaus mit 3500 Quadratmetern Nutzfläche kostet einmal 1,40 Euro pro Quadratmeter im Monat und ein anderes Mal 3,80 Euro. Beide Preise haben ihre Berechtigung. Warum? In beiden Häusern sind die Kunden zufrieden, im ersten Fall sind die Leistungen der Reinigung knallhart aufs Mindeste reduziert, im anderen Preis sind zahlreiche Leistungen für die Mitarbeiter wie frisches Obst inkludiert, ebenso sind die Reinigungskräfte acht Stunden anwesend, was auch einer sozialen Verantwortung entgegenkommt. Sie pflegen die Pflanzen, versorgen die Mitarbeiter mit Getränken, die Kaffeemaschinen werden entkalkt und nicht nur abgewischt, die Toiletten werden drei Mal am Tag gereinigt, der Geschirrspüler wird aus- und eingeräumt etc.

"Freilich ist nicht alles ist in Zahlen messbar, etwa die Demotivation der Mitarbeiter, wenn sie ihr Geschirr selbst in den Geschirrspüler räumen müssen, was meist ohnehin nicht funktioniert", erklärt der Experte. Er weiß aus der Praxis: "Erledigt das die Reinigungskraft, ist nicht nur für eine bessere Stimmung, sondern auch für mehr Produktivität gesorgt, denn eine Reinigungskraft kostet weniger als der Mitarbeiter, der seine Zeit für Projekte aufwenden soll."

Wenn die Kosten zu den eigenen Mitarbeiter verschoben werden, verschwinden sie ja nicht, die Kosten sind nur unsichtbar geworden und können nicht mehr gemessen werden.

Dieser Artikel ist aus der gedruckten Ausgabe der "Salzburger Nachrichten".
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