Die Küche rückt ins Zentrum

Anspruch und Erwartungen an eine Küche ändern sich. Viele Österreicher wünschen sich eine neue Küche, die alle "Stückerl" spielt.bernhard Schreglmann
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Eine Kochinsel steht auf der Wunschliste ganz oben. EWE
Eine Kochinsel steht auf der Wunschliste ganz oben. EWE
SN/sn / ewe

Die Küche hat in den vergangenen Jahren einen regelrechten Imagewandel durchgemacht. Früher war sie meist ein nicht allzu großer, abgeschlossener Raum, der vom restlichen Wohnbereich getrennt war. Inzwischen sind offene Küchen gang und gäbe, die Küche ist selbst zum Wohnraum geworden. Das liegt auch an den veränderten Verhaltensgewohnheiten der Österreicher. Denn kochen liegt im Trend, zwar nicht täglich, aber gerne für Familie, Freunde und Verwandte. Da darf es kulinarisch dann ruhig ein bisschen anspruchsvoller zugehen. Die zahlreichen Kochshows im Fernsehen beweisen das Interesse. Gestützt wird dies auch durch den Trend zu gesundem Essen mit möglichst biologischen Zutaten aus regionalem Anbau. Auch hier zeigt ein Blick in die Supermarktregale, wie stark die Nachfrage inzwischen ist.

Doch die Ausstattung der eigenen Küche spiegelt die geänderten Ansprüche oft nicht wider. Eine Market-Studie im Auftrag von Strasser Steine belegt die Unzufriedenheit vieler Österreicher mit ihrer derzeitigen Küchensituation. Nur ein Drittel der Österreicherinnen und Österreicher ist demnach mit seiner Küche sehr zufrieden. "In Österreich ist also sowohl für ein Upgrade der Küche als auch für eine komplette Neuausstattung noch allerhand Potenzial vorhanden", interpretiert Johannes Artmayr, Geschäftsführer Strasser Steine, die Studie. "Bei 89 Prozent der Bevölkerung hat eine gut ausgestattete Küche einen hohen Stellenwert." Nur bei elf Prozent habe sie "weniger hohen oder keinen hohen Stellenwert". Die Studie unterstreicht, dass der Küchenboom auch weiterhin anhalten wird.

"Die sehr zufriedenen Küchenbesitzer finden sich in Niederösterreich und im Burgenland (38 Prozent), während es in Wien nur 27 Prozent sind", erklärt Angela Beutelmeyer, Senior-Researcher Market-Institut. Mit steigender Ausbildung nimmt ebenfalls die Zufriedenheit mit der eigenen Küche ab: So sind 35 Prozent bzw. 34 Prozent der Befragten mit Pflichtschulabschluss bzw. Lehre mit ihrer Küche zufrieden, während es bei jenen mit Matura oder Universitätsabschluss nur mehr 29 Prozent sind.

49 Prozent der Bevölkerung haben "am meisten" bzw. "am ehesten" in diesen Wohnraum investiert, an zweiter Stelle folgt das Wohnzimmer (32 Prozent), weit vor dem Badezimmer mit sieben und dem Schlafzimmer mit fünf Prozent.

Viele der Befragten haben auch vor, in den nächsten Jahren in eine neue Küche zu investieren. Durchschnittlich werden Ausgaben von 11.000 Euro eingeplant. Insbesondere in Salzburg, Tirol und Vorarlberg (14.755 Euro) werden in den kommenden Jahren größere Summen für eine neue Küche ausgegeben. "Aufgrund dieser Zahlen wird klar ersichtlich, dass die Küche auch in Zukunft an Bedeutung in den österreichischen Haushalten gewinnen wird, oder zumindest wird die gegenwärtige hohe Bedeutung gleich bleiben", betont Artmayr.

Ihre Traumküche stellen sich die Befragten groß, hell und freundlich mit genügend Platzangebot (67 Prozent) und hochwertigen Arbeitsplatten (63 Prozent) aus natürlichen Materialien vor. Ebenfalls wichtig ist eine große Kücheninsel (40 Prozent), eher weniger wichtig sind eine eigene Bar (16 Prozent) und dunkle Farben (5 Prozent). 67 Prozent der Österreicher wünschen sich für ihre nächste Küche Arbeitsplatten aus Naturstein. Holz folgt mit 22 Prozent vor Quarzkomposit (16 Prozent) sowie Keramik mit 13 Prozent. Lediglich sieben Prozent können sich Glas vorstellen. "Die Kunden wünschen hauptsächlich Pflegeleichtigkeit, Langlebigkeit, robustes Material und Hitzebeständigkeit", sagt Beutelmeyer. Grau (45 Prozent) und ruhige Strukturen (37 Prozent) liegen derzeit besonders im Trend. Anzumerken ist, dass die Käufer für Natursteinplatten sogar einen Aufpreis von durchschnittlich 23 Prozent zahlen würden.

Laut der Umfrage ist gutes Wohnen an sich in den vergangenen Jahren generell wichtiger geworden, vor allem für die Altersgruppe zwischen 15 und 49 Jahren, mit Matura und/oder Universitätsabschluss. Definiert wird gutes Wohnen vorrangig durch eine ausreichende Größe der Wohnung (88 Prozent), durch die Lage (82 Prozent) und einen eigenen Parkplatz (60 Prozent). Aber eben auch eine perfekt ausgestattete und eingerichtete Küche spielt für 47 Prozent der Befragten eine große Rolle.

Dieser Artikel ist aus der gedruckten Ausgabe der "Salzburger Nachrichten".
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