Bauen & Wohnen

Der Traditionsbaustoff Holz erobert die Zukunft

"Das 19. war das Jahrhundert des Stahls, das 20. das des Betons. Das 21. wird das des Holzes werden", sagt der Materialforscher Timothée Boitouzet.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das 84 Meter hohe Bürogebäude, an dem in der Wiener Seestadt Aspern gebaut wird, nur unwesentlich von einem "normalen" Hochhaus: Dennoch ist es ein Prototyp. Einmal fertiggestellt, wird das "HoHo" mit seinen 24 Stockwerken nämlich zu den höchsten aus Holz errichteten Gebäuden weltweit zählen.

Ressourcenschonendes Bauen

Rund um den Globus entstehen derzeit Geschoßbauten aus Holz, die einander in jeder Hinsicht "überragen" wollen: Eine ganze Serie von Projekten rittert - von Norwegen bis Chicago - um den Titel des höchsten Holzhauses. Weit hinaus wollen die Architekten und Konstrukteure aber nicht nur aus purer Freude an neuen Rekordhöhen, ihr Anspruch geht viel weiter: Sie möchten zeigen, welches Potenzial der moderne Holzbau hat und wie sich ökologisches, ressourcenschonendes Bauen auch in zeitgemäße architektonische Formen übersetzen lässt.

Holz wächst über sich hinaus

Wie sind diese Höhen technisch möglich? "Eine Schlüsseltechnologie, die diese Entwicklung und vor allem diese Höhen (bei reinen Holzbauten) möglich macht, nennt sich CLT", erklärt Simon Speigner, Architekt aus Thalgau: "Kreuzlagenholz oder auch Brettsperrholz (auf Englisch Cross-Laminated Timber - CLT) besteht aus mehreren Lagen Holz, die jeweils quer zueinander verleimt werden. Auf diese Weise werden dicke Massivholzplatten hergestellt, die aufgrund ihrer statischen Belastbarkeit Dimensionen eröffnen, die lange Zeit nur der Stahlbetonbauweise vorbehalten blieben." Auf Basis dieser Technologie konstruierte Gebäude haben kein Holzgrundgerüst wie etwa ein Fachwerkhaus: Der Bau wird von den Massivholzwänden getragen. Das bringt auch im Brandfall Vorteile: Die massiven CLT-Platten brennen und verkohlen nur außen, wodurch das Holz im Innern geschützt wird und seine Festigkeit bewahrt.

Holz ist Nachhaltig und innovativ

Mit welchen Vorzügen kann der Holzbau gegenüber traditionellen Betonkonstruktionen punkten? "Das Hauptargument bleibt natürlich das ökologische, aber auch der hohe Vorfertigungsgrad bringt enorme Vorteile", erklärt Speigner, der selbst ein mehrgeschoßiges Wohnbauprojekt in Graz realisiert hat. "Holzbauten können in der Halle fix vorgefertigt, dann in Modulen zur Baustelle transportiert und dort innerhalb kurzer Zeit montiert und aufgebaut werden."

Holz im urbanen Bereich

Dass sich der Trend zum Holzbau gerade im urbanen Bereich fortsetzt, bestätigt auch Alexander Petutschnigg vom Holztechnikum Kuchl: "Vor allem in der städtischen Nachverdichtung wird immer mehr mit Holz gearbeitet. Das macht nur Sinn, weil Holz leicht, trocken und auch extrem praktikabel in der Verarbeitung ist. Es qualifiziert sich durch sehr viele Merkmale als Werk- und Baustoff und ist eben ein biogenes, natürliches Material."

Holz ist der Baustoff der Zukunft

Wird Holz Beton als Baustoff eines Tages zur Gänze ersetzen können? "Es gibt verschiedene Entwicklungsansätze: Was die Materialentwicklung betrifft, kann damit gerechnet werden, dass die Qualität des CLT sich laufend weiter verbessert, da ist noch einiges möglich", sagt Petutschnigg: "Auch die Hybridbauweisen werden weiter optimiert werden, wobei das Augenmerk darauf liegt, die positiven Eigenschaften der jeweilig verwendeten Werkstoffe noch besser zu nutzen und zu kombinieren." Ein dritter Bereich sei auch die Fertigungstechnik, in der sich künftig viel verändern werde. "Holz wird als Baumaterial der Zukunft sicher noch stärker in den Vordergrund treten."

Aufgerufen am 15.08.2022 um 11:20 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/bauen-wohnen/der-traditionsbaustoff-holz-erobert-die-zukunft-68627899

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