Garten & Energie

Die Energiezukunft der Baubranche

Schwieriger Weg in die Energiezukunft. Photovoltaik, Solarthermie, Wärmepumpen: Wer erfüllt die Erwartung?

Die Kraft der Sonne wird wegen unattraktiver Rahmenbedingungen zu wenig genutzt.  SN/bernhard schreglmann
Die Kraft der Sonne wird wegen unattraktiver Rahmenbedingungen zu wenig genutzt.

Der Weg zur Dekarbonisierung des Gebäudesektors ist offenbar schwieriger als erhofft. Zumindest in Österreich und soweit es die emissionsfreie Energieerzeugung betrifft. Denn abgesehen von Windkraft wächst in Österreich nur die Nachfrage nach Wärmepumpen robust. Das zeigt eine Analyse des "Branchenradar". Das Geschäft mit Photovoltaik und thermischen Solarkollektoren entwickelte sich demnach auch im Jahr 2019 rückläufig. Infolgedessen tritt der Markt für emissionsfreie Energieerzeugung (ohne Windkraft) bereits das zweite Jahr in Folge auf der Stelle. Die Erlöse der Hersteller von Wärmepumpen, Photovoltaikpaneelen und thermischen Solarkollektoren stagnieren am österreichischen Markt bei knapp 240 Mill. Euro.

1. Photovoltaik

"Besorgniserregend ist die Lage in der Photovoltaik", meint Andreas Kreutzer von Branchenradar-Marktanalyse. Der Herstellerumsatz mit Photovoltaik-Paneelen reduzierte sich im Jahr 2019 um knapp vierzehn Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 73,5 Millionen Euro. Der Rückgang ist zum einen auf die um drei Prozent sinkende Nachfrage zurückzuführen. "Die Lust auf eine Photovoltaikanlage ist insbesondere bei privaten Haushalten weiter im Abklingen", meint Kreutzer. Zum anderen sei man mit einem ungebremsten Preisverfall bei PV-Modulen konfrontiert. Denn obwohl auf asiatische Paneele Strafzölle eingehoben werden, drücken deren Realpreise das Preisniveau gewaltig. Im Durchschnitt schrumpfte 2019 der Preis pro KW-peak um rund elf Prozent gegenüber dem Vorjahr.

2. Solarthermie

In der Solarthermie habe sich die Nachfrage im Jahr 2019 zwar endlich - nach einer zehnjährigen Kontraktion - bei etwa dreißig Prozent des ursprünglichen Absatzvolumens konsolidiert, wachsende Importe in der Preiseinstiegslage sorgen jedoch auch hier für fallende Durchschnittspreise. Infolgedessen gaben die Herstellerumsätze bei thermischen Solarkollektoren um knapp drei Prozent gegenüber dem Vorjahr nach und schließen bei nur noch 15,1 Millionen Euro.

3. Wärmepumpen

"Die hochgesteckten Erwartungen erfüllt daher nur der Markt für Wärmepumpen", sagt Kreutzer. Gegenüber 2018 erwartet die Branchenradar-Marktanalyse im Jahr 2019 ein Absatzplus von elf Prozent, die Erlöse legen voraussichtlich um neun Prozent auf knapp 151 Millionen Euro zu. Angeschoben wird der Markt im Wesentlichen vom steigenden Bedarf an Heizungswärmepumpen, insbesondere für Eigenheime. Für Andreas Kreutzer ist diese Entwicklung leicht nachvollziehbar: "Wärmepumpen sind zweifelsohne die umweltfreundlichste aller Heizformen. Im Gegensatz zu klassischen Heizkesseln ist die mittels Wärmepumpen erzeugte Energie emissionsfrei und infolge des hohen Ökostromanteils in Österreich weitgehend regenerativ. Zudem befeuert der irreversible Trend zu energetischen Bauweisen - unterstützt durch neue Förderbestimmungen - den Markt." Mittlerweile werden in rund 85 Prozent aller neu errichteten Eigenheime Wärmepumpen installiert.

Auch in den beiden kommenden Jahren ist mit keinem signifikanten Aufschwung bei Photovoltaik und Solarthermie zu rechnen.

Veränderung der Solarenergie

Um auch den Markt für Solarenergie anzukurbeln, bedarf es laut Kreutzer einer Reihe von strukturellen Änderungen. Bei Photovoltaik sei beispielsweise bei den Rahmenbedingungen zur Einspeisung ins Leitungsnetz und den Einspeistarifen selbst anzusetzen. Thermische Solaranlagen sollten wiederum stärker als bisher zur Warmwasserversorgung im großvolumigen Wohnbau eingesetzt werden. Wenn notwendig, könnten dafür auch die entsprechenden Bauordnungen adaptiert werden. In jedem Fall besteht in beiden Feldern Handlungsbedarf. Nur zum Vergleich: In Deutschland wird allein mit Photovoltaik genauso viel elektrische Energie erzeugt, wie in Österreich mit Wasserkraft, Windkraft und Photovoltaik zusammen.

Aufgerufen am 09.07.2020 um 04:51 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/garten-energie/die-energiezukunft-der-baubranche-84082528

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