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Bestimmender Faktor Raumklima

Das Ranking jener Faktoren, die für die Menschen beim Wohnen wichtig sind, ändert sich. Das Thema Raumklima wird dabei immer wichtiger. Damit stellt sich aber die Frage nach den Baustoffen und deren Wirkung. Im Viva Forschungspark in Wopfing wurden verschiedene Materialien getestet.

Das Thema Bauen und Baustoffe bewegt viele Österreicher. Viele Studien zeigen, welche Faktoren dabei am wichtigsten sind. Inzwischen nennen 68 Prozent der Österreicher "Gesundes Bauen und Wohnen" als wesentliches Kriterium, bei jenen, die gerade in der Planungsphase sind, steigt der Wert sogar auf 80 Prozent. Gesundheit in Innenräumen hat viel mit der Raumluft zu tun, die wiederum stark von den Materialien abhängt. Auf Initiative des Baustoffherstellers und -lieferanten Baumit entstand am Stammsitz in Wopfing der Viva Forschungspark. Dort wurden 2014 zehn baugleiche Häuser, jedoch mit verschiedenen Materialien errichtet. Die Bauten wurden mit jeder Menge Sensoren ausgestattet, die Daten werden von einem externen Wissenschafterteam ausgewertet. Nun liegen erste Ergebnisse auch in Buchform vor, wie Baumit-Miteigentümer Robert Schmid erläutert.

Bedeutet gesundes Bauen nicht automatisch teuer bauen? Robert Schmid: Nein, keineswegs. Gesund bauen bedeutet bewusst bauen. Je besser ich über das Zusammenwirken einzelner Baustoffe Bescheid weiß, desto gesünder kann ich bauen, das bedingt nicht unbedingt teure Baustoffe. Das zeigt sich auch in den wissenschaftlichen Ergebnissen im Viva Forschungspark. Wichtig ist es außerdem, neben den passenden Baustoffen auch auf schadstofffreie Baunebenprodukte, wie Kleber oder Lacke, zu achten, um sich keine versteckten Schadstoffquellen ins Haus zu holen.

Wieso kommt dem Raumklima eine immer größere Bedeutung zu? Wir halten uns mittlerweile mehr als 90 Prozent der Zeit in Innenräumen auf. Da ist es nachvollziehbar, dass die Raumluft, die uns umgibt, stärker in den Fokus rückt. Durch die Wahl unserer Baustoffe können wir unsere Raumluft dauerhaft beeinflussen. Ein ausgewogenes Raumklima sorgt für Behaglichkeit und hat damit einen entscheidenden Einfluss auf unsere Gesundheit.

Wie kann man als Laie erkennen, welcher Baustoff tatsächlich gesund ist und auch bautechnische Ansprüche erfüllt? Ein Haus, das den österreichischen Baunormen entspricht, hat grundsätzlich einen hohen Baustandard. Dennoch verfügt jede Bauweise über individuelle Eigenschaften, die je nach Lebenssituation des Bauherrn relevant sind.

So kann für jemanden, der sehr empfindlich ist, die mögliche hohe Terpenekonzentration (Naturstoffe pflanzlicher und selten tierischer Herkunft. Terpene finden sich beispielsweise in ätherischen Ölen pflanzlicher Herkunft, Anm.) eines Vollholzhauses belastend sein. Oder es baut jemand an einer stark befahrenen Straße. Dann ist für ihn die gute Schalldämpfung eines Baustoffes, wie sie beispielsweise Beton aufweist, relevanter, als wenn jemand sein Haus im Grünen baut.

Das Thema Luftionen erscheint manchen etwas esoterisch. Welche "harten Fakten" gibt es inzwischen dazu? Mittlerweile gibt es fundierte wissenschaftliche Studien, die eindeutig zeigen, dass Luftionen einen positiven Einfluss auf die Innenraumluftqualität haben, da eine höhere Anzahl an Luftionen Pollen und Feinstaub nachweislich reduziert. Je mehr
Luftionen sich also in der Raumluft befinden, desto besser und gesünder ist es
für uns.

Auch im Viva Forschungspark wurden Luftionenmessungen durchgeführt: Dabei zeigte sich, dass die mittlere Luftionenkonzentration in den mit der Spezialbeschichtung Ionit versehenen Häusern etwa doppelt so hoch war wie in den Häusern ohne Ionit. Grund dafür sind die in Ionit eingesetzten Mineralien, die die Raumluft verstärkt mit Luftionen anreichern.

Welcher Baumaterialienmix hat sich im Viva-Park als bester herausgestellt? Ein massives Mauerwerk, eine perfekte Außendämmung und schließlich ein hochwertiger mineralischer Innenputz, möglichst ein Klimaputz, sind eindeutig die beste Form des Bauens.

Die "Dämmwut" wird inzwischen auf verschiedenen Ebenen kritisiert, weil die vermeintliche Energieeinsparung sowohl durch die Produktion der Materialien wie Styropor als auch durch die Entsorgung als Sondermüll in Zukunft konterkariert wird. Welche Alternativen gibt es hier? Die Panikmache bei diesem Thema ist total verantwortungslos. Egal welcher Dämmstoff, innerhalb weniger Monate ersparen sich Mensch und Umwelt so viel "Fußabdruck", wie die Materialien bei Produktion und Verwendung verbraucht haben. Egal
ob die Energie zum Kühlen oder Heizen ver(sch)wendet wurde. Und was Styropor angeht: Das ist das einzige Dämmmaterial, das sich wirklich am Ende seiner Lebenszeit wiederverwenden lässt, als Recyclingmaterial oder als Energieträger. Ohne außen liegende Wärmedämmung wird gesundes Bauen und Wohnen jedenfalls nahezu unmöglich, dies hat das einzige ungedämmte Haus im Viva-Park ganz eindeutig gezeigt.

Wie lassen sich die neuesten Erkenntnisse in Ballungsräumen umsetzen, auch in der Sanierung? Eines der spannendsten Ergebnisse aus dem Viva Forschungspark betrifft den Innenputz. Bereits eine dünne Schicht von 1,5 bis 2 Zentimetern mineralische, diffusionsoffene Innenbeschichtung zeigt einen spürbaren und nachweisbaren Feuchtepuffereffekt und sorgt so für ein ausgewogenes Raumklima. Daher ist neben der Außendämmung der Einsatz von feuchtepuffernden Innenbeschichtungen einer der wesentlichsten Faktoren für Neubau und auch für die Sanierung sowohl im Einfamilienhaus als in jeder Wohnung.

Aufgerufen am 18.09.2018 um 10:02 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/finanzierung-recht/bestimmender-faktor-raumklima-39335848

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