Bauen & Wohnen

Wie viel Technik braucht das Haus?

Das sechste Fachsymposium Brennpunkt Alpines Bauen hat sich in diesem Jahr dem Thema Lowtech verschrieben. Im Fokus: techniksparende und energieeffiziente Lösungen.

Im Bereich der Haustechnik sind die Anforderungen gewachsen. SN/gettyimages/istockphoto
Im Bereich der Haustechnik sind die Anforderungen gewachsen.

Welche Ausstattung braucht ein Haus, um die gesetzlich geforderte Energieeffizienz zu erreichen? Oder umgekehrt formuliert: Welche braucht es nicht? Diese Fragen rücken angesichts stetig steigender Kosten vor allem für die Baubranche immer deutlicher in den Vordergrund und bildeten auch beim sechsten Fachsymposium Brennpunkt Alpines Bauen einen wichtigen Schwerpunkt. "Die technischen Innovationen und Konzepte der letzten Jahre haben, gerade im Bereich der Energieumwandlung, ein sehr hohes Maß an Komplexität geschaffen", sagt Gunther Graupner, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Bauforschung. "Die Herausforderungen für die Bauwirtschaft sind dadurch beständig gewachsen. Wo lange Zeit nur die Anforderung bestand, Gebäude adäquat zu beheizen, gilt es heute Lösungen dafür zu finden, wie beheizt, gekühlt und belüftet werden soll."

Durch die gewachsenen Ansprüche wird die Nutzung moderner Gebäude heute mehr und mehr durch den Einfluss haustechnischer Anlagen sowie deren Steuerungen und Regelungen bestimmt. "Lowtech-Konzepte", erklärt Graupner, "stellen sich in gewisser Hinsicht gegen diesen Trend: Sie begegnen der Entwicklung hin zu einer immer komplexeren, aufwendigeren Haustechnik mit einem reduzierten, nutzerfreundlichen Ansatz." Es gehe um technikeinsparende, langlebige und robuste Lösungen: "Das Ziel ist, hocheffiziente Gebäude zu entwickeln, die mit einfachen, aber sehr dauerhaften und ressourcenschonenden baulichen Komponenten die Bedürfnisse ihrer Nutzer bestmöglich erfüllen können."

Störungsfreie, einfache Systeme

Ganz entscheidend in diesem Zusammenhang sei eine Entlastung der Nutzer, ergänzt auch Walter Haas, Geschäftsführer der ITG und Koordinator des Netzwerks Alpines Bauen: "Nicht nur die Bauwirtschaft, sondern auch die Endverbraucher haben den Wunsch, dass Systeme möglichst wartungsfrei und einfach(er) steuerbar sind. Zudem: Je mehr Systeme betrieben werden müssen, desto aufwendiger und kostenintensiver wird der Betrieb für die Verbraucher." Hier führe der Weg, sagt Haas, eindeutig wieder zu robusten einfachen Technologien. Eine simple Lowtech-Maßnahme könne zum Beispiel auch schon ein richtig angebrachter Dachüberstand sein, erläutert Graupner. "Wenn ein Haus beispielsweise eine große Glasfront in Richtung Süden hat, sollte bei einer vernünftigen Planung schon ein Überstand, also ein Balkon oder eine Brüstung über diesem Fenster, mitgedacht werden. Wird das berücksichtigt, kann diese bauliche Maßnahme schon einen wirksamen Schutz gegen die sommerliche Überhitzung bieten und man kann zusätzliche technische Lösungen einsparen."

Lowtech in der Praxis

Als Best-Practice-Beispiel einer besonders ausgeklügelten Lowtech-Lösung gilt in diesem Zusammenhang der österreichische Beitrag zur Expo 2020 in Dubai. Der Österreich-Pavillon auf der Expo wird vom Wiener Architekturbüro querkraft gestaltet. Gebaut wird mit örtlichen Ressourcen, gekühlt mit intelligentem Klima-Engineering, und das ganz ohne den Einsatz herkömmlicher Klimatechnik. So soll der Pavillon während der gesamten Expo-Dauer behagliche Innenraumbedingungen bieten, und das ausschließlich mit natürlichen Maßnahmen der Temperaturregulation. Ein anderes, schon realisiertes Beispiel für die gelungene Umsetzung eines Lowtech-Konzepts wurde 2018 bereits mit dem Energy Globe ausgezeichnet. Das Sportzentrum Liefering ist die erste bauteilaktivierte Plusenergie-Sporthalle Österreichs. Auch hier wurde mit einem nachhaltigen Energiekonzept gearbeitet: Wärmeverluste wurden minimiert, passive Solarwärme wurde maximal verwertet und das Tageslicht optimal ausgenutzt. Der verbleibende Bedarf wurde durch Solarkollektoren und Photovoltaikanlagen abgedeckt.

Lebenszyklus- versus Errichtungskosten

Viel zu lange habe man sich, sagt Walter Haas, bei der Gesamtbetrachtung auf die Gebäudehülle und den CO2-Ausstoß eines Gebäudes in der kalten Jahreszeit konzentriert. "Faktoren wie Lebenszyklus- und Wartungskosten sowie die Vermeidung sommerlicher Überwärmung wurden vielfach vernachlässigt." Hier setzten die Lowtech-Konzepte an, bei denen es vor allem darum gehe, Gebäude ganzheitlich zu sehen und sich bewusst mit dem Lebenszyklus eines Hauses und den Bedürfnissen der Bewohner auseinanderzusetzen. Eine "Lebenszykluskostenrechnung" betrachte ein Produkt konsequent unter dem Kostenaspekt - von der ersten Idee bis zur Entsorgung. Anders als bei den Errichtungskosten würden hier jene Kosten aufgeführt, die ein Gebäude über den gesamten Existenzzeitraum hinweg verursache. Dabei werde für alle Phasen des Lebenszyklus eine Minimierung des Verbrauchs von Energie und Ressourcen angestrebt. "Hier wird sich in naher Zukunft ein Paradigmenwechsel vollziehen", zeigen sich die Experten überzeugt. "Gerade im Hinblick auf klimatische Veränderungen wird sich die Betrachtungsweise der Lebenszykluskosten gegenüber der der Errichtungskosten sicherlich durchsetzen."

Quelle: SN

Aufgerufen am 14.11.2019 um 05:46 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/bauen-wohnen/wie-viel-technik-braucht-das-haus-77876725

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