Bauen & Wohnen

Ungenutzte Büroflächen bergen Energiesparpotenzial

Homeoffice und Urlaubszeit lassen viele Büros leer stehen. Hier können vor allem Strom und Wärmeenergie eingespart werden.

Nicht benötigte Büroflächen bieten ein hohes Energiesparpotenzial. SN/gnesda/shutterstock
Nicht benötigte Büroflächen bieten ein hohes Energiesparpotenzial.

Das Thema "Energiesparen" ist angesichts der Folgen des Kriegs, den Russland gegen die Ukraine führt, allgegenwärtig. Aus momentaner Sicht drohen europaweit Energieengpässe. Hitzeperioden und die hohen Energiekosten erschweren die Situation zusätzlich und erfordern ein Umdenken auch seitens der Arbeitgeber. Auch in Österreich wird die Energieversorgung ein zentrales Thema bleiben, Energiesparmaßnahmen werden das Land zukünftig ständig begleiten.

Besonders ungenutzte Büroflächen bieten laut Andreas Gnesda und Oliver Bertram vom Arbeitswelten- und Immobilienberater teamgnesda wertvolles Einsparungspotenzial. Denn Urlaubszeit und Homeoffice führen zu leeren Büroräumlichkeiten und enormen Kosten.

"Wer an einem Freitag im Hochsommer durch ein Bürogebäude spaziert, wird dort vor allem eines finden: gähnende Leere", sagt Andreas Gnesda. Aufgrund der Urlaubszeit bleiben die meisten Büroräume besonders in den Sommermonaten ungenutzt.

Stehen üblicherweise 15 bis 20 Quadratmeter Bürofläche pro Beschäftigtem zur Verfügung, sind es im Sommer zwischen 60 Quadratmeter und 100 Quadratmeter, also das Vier- bis Sechsfache. "Diese ineffiziente Flächennutzung ist nicht nur teuer, sondern führt auch dazu, dass sich die anwesenden Personen einsam fühlen", sagt der Immobilienexperte.

Ursachen für leere Flächen

Weitere Ursache für leere Flächen ist die verstärkte Nutzung des Homeoffice. Viele Angestellte arbeiten mittlerweile zwei bis drei Tage pro Woche im Remote-Modus. Hatten vor Corona nur zehn Prozent aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Möglichkeit zum Homeoffice von mehr als einem Tag pro Woche, so sind es heute 90 Prozent, die mehr als einen Tag pro Woche von zu Hause aus arbeiten. "Das Arbeitsmodell ,Homeoffice' wird also bleiben, was zu einer Senkung des Raumbedarfs pro Person führt und eine weitaus effizientere Flächennutzung ermöglicht", sagt Gnesda.

„Wir müssen uns auf schwierigere Zeiten vorbereiten.“ Andreas Gnesda, GF teamgnesda SN/teamgnesda
„Wir müssen uns auf schwierigere Zeiten vorbereiten.“ Andreas Gnesda, GF teamgnesda

Insgesamt sind in Österreich zirka 36 Millionen Quadratmeter Bürofläche vorhanden, wobei sich ein Drittel davon (11,5 Millionen Quadratmeter) in Wien befindet. Aktuell sinkt aber die Anwesenheit in den Bürogebäuden auf ein noch nie da gewesenes Minimum ab, weshalb nach Berechnungen von teamgnesda aktuell bis zu acht Millionen Quadratmeter Bürofläche in Wien ungenutzt bleiben. Auf ganz Österreich hochgerechnet sind das bis zu 25 Millionen Quadratmeter, die jedoch großteils trotzdem gekühlt und beleuchtet werden. Zudem laufen Anlagen zur Warmwasseraufbereitung und Be- und Entlüftung und die Flächen werden regelmäßig gereinigt, wofür viel Energie verbraucht wird.

Sparprogramme

Dieser Umstand und der sich wahrscheinlich zuspitzende Energieengpass im Herbst erfordern daher die Einführung konkreter Sparprogramme. Die Abschaltung der Kühlungs- und Warmwasseraufbereitungsanlagen in nicht genutzten Gebäudeteilen und die Senkung der Temperatur bei Boilern und Durchlauferhitzern gelten als sinnvolle Maßnahmen. Auch mittels sogenannter Flex Desks, die eine effiziente Arbeitsplatzgestaltung ermöglichen, können Energiekosten gesenkt werden, indem beispielsweise nicht die gesamte Bürofläche gekühlt wird, sondern nur jener Bereich, in dem Menschen auch tatsächlich arbeiten.

"Es ist zu erwarten, dass viele Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber auf den starken strukturellen Wandel der Arbeitsumgebungen reagieren und weitere Anpassungen in naher Zukunft vornehmen werden", sagt teamgnesda-CEO Oliver Bertram. "Konkrete Investitionsbereitschaft hinsichtlich der Nachhaltigkeit signalisieren laut Office Report 2022 hierbei 88 Prozent der Befragten."

Die ÖGNI beispielsweise zertifiziert nachhaltige Gebäude und Quartiere nach europäischem Qualitätsstandard. Seit Ende 2020 gibt es diese Zertifizierungen auch für Innen- bzw. Büroräume, wodurch eine Standardisierung von Maßnahmen ermöglicht wird, die zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen beitragen sollen.

"Wahrscheinlich müssen wir uns auf schwierigere Zeiten vorbereiten, es ist ein Umdenken erforderlich und wir sollten besser jetzt als morgen damit anfangen. Es beginnt damit, einfache Maßnahmen und neue Handlungen zu Gewohnheiten zu machen, die bereits große Wirkung zeigen können", appelliert Andreas Gnesda an die Firmenleitungen.

Aufgerufen am 13.08.2022 um 09:17 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/bauen-wohnen/ungenutzte-bueroflaechen-bergen-energiesparpotenzial-124885627

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