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Suche nach Alternativen zu Öl und Gas

Heizung: Öl und Gas haben nicht nur wegen des Ukraine-Kriegs ein Ablaufdatum. Biomasse zu verbrennen ist aber auch keine Alternative, das schadet ebenfalls der Umwelt und dem Klima.

Biomasse zu verbrennen ist weder klimaneutral noch umweltfreundlich, Stichwort Feinstaub.  SN/BillionPhotos.com - stock.adobe.
Biomasse zu verbrennen ist weder klimaneutral noch umweltfreundlich, Stichwort Feinstaub.

Das Ende der Ölheizungen steht in Österreich schon länger auf der Wunschliste vieler Politiker. Gas als Energieträger hatte diesbezüglich noch eine "Galgenfrist", weil die Verbrennung als sauberer gilt und gerade in Ballungsgebieten wie Wien mit seinen Zinshäusern und Hunderttausenden Gasthermen eine Alternative nicht auf die Schnelle umzusetzen ist. Bleibt die Frage nach den Alternativen.

Holz zu verheizen ist auch keine Lösung

Fernwärme ist eine davon, wenn sie allerdings aus Gaskraftwerken kommt, ist der ökologische Fortschritt überschaubar. Die derzeit im Neubau beliebten Luft-Wärmepumpen stehen in der Kritik, in der kalten Jahreszeit eigentlich reine Stromheizungen zu sein. Bleibt noch der jetzt wieder laut zu hörende Ruf nach Biomasseheizungen, also dem Verbrennen von Holz beziehungsweise Pellets. Doch so umweltfreundlich, wie das die einschlägige Lobby gern behauptet, ist diese Heizform auch nicht.

Das zeigt etwa ein Ratgeber des deutschen Umweltbundesamts. "Die Verbrennung von Holz, gerade bei Scheitholz in kleinen Holzfeuerungsanlagen ohne automatische Regelung, läuft nie vollständig ab und es entstehen neben gesundheitsgefährdenden Luftschadstoffen auch klimaschädliches Methan, Lachgas und Ruß", heißt es da vor allem in Hinblick auf sogenannte Kleinfeuerungsanlagen: "Besonders in Ballungsräumen und in Tälern, vor allem in der Heizperiode, verschlechtern Holzheizungen wegen ihrer niedrigen Schornsteine die Luftqualität."

Die deutsche Behörde empfiehlt, Holz nicht zu verbrennen, sondern anders zu nutzen: "Besser als Holz zu verbrennen ist es, das geerntete Holz für langlebige Produkte wie Möbel zu verwenden. Denn bei der direkten Verbrennung von Holz wird der im Holz gebundene Kohlenstoff in Form von CO2 sofort freigesetzt, bei der Nutzung in langlebigen Verbraucherprodukten wird der Kohlenstoff hingegen über Jahre bis Jahrzehnte gebunden."

Naturschützer weltweit befürchten außerdem die Zerstörung artenreicher Wälder; schon jetzt würden im Südosten der USA und im Baltikum im großen Stil alte, naturnahe Wälder für die Pelletsproduktion abgeholzt. Klimaschützer befürchten eine weitere Beschleunigung des Klimawandels. Holz ist in der EU als erneuerbare Energie klassifiziert, weil das beim Verbrennen entstehende CO2 durch neues Baumwachstum wieder aus der Luft aufgenommen werden kann. Allerdings dauert es mehrere Jahrzehnte, bis das freigesetzte Klimagas wieder in neuem Holz gebunden wird. Zudem würde das junge Holz ohnehin auch dann wachsen, wenn das "alte" nicht verheizt würde. Für die Atmosphäre ist es gegenwärtig völlig egal, aus welcher Quelle das emittierte CO2 stammt.

Dass das Verbrennen von Holz nicht treibhausneutral ist, bestätigt auch das deutsche Umweltbundesamt: "In der Regel ist das nicht der Fall. Schon die Bereitstellung von Holz ist meist nicht CO2-neutral, da bei Holzernte, Transport und Bearbeitung Emissionen entstehen. Zudem sollte der nicht mehr zur Verfügung stehende Kohlenstoffspeicher im Wald in die Betrachtung miteinbezogen werden."

Biomasseverbrennung erzeugt höhere CO2-Emissionen als Kohle

Laut dem deutschen Magazin "Der Spiegel" hätten rund 800 Forscher schon 2018 in einem Brandbrief an das EU-Parlament festgestellt, dass die Verbrennung von Biomasse "den Kohlenstoffgehalt in der Atmosphäre und die Erwärmung für Jahrzehnte bis Jahrhunderte erhöhen" werde. Die CO2-Emissionen pro Stromeinheit, die aus Waldbiomasse erzeugt werden könnten, seien höher als die von Kohle, warnt demnach zudem der Forschungsverbund des European Academies Science Advisory Council (Easac).

Siegmund Böhmer, Teamleiter Luftreinhaltung & Gebäude beim österreichischen Umweltbundesamt, sind vor allem die Emissionen, allen voran der sogenannte Feinstaub, ein Dorn im Auge. Das gelte vor allem in Ballungsräumen ab 30.000 Einwohnern, wo Biomasseheizungen deshalb nicht mehr eingesetzt werden sollten.

„Biomasseheizungen sollten in Ballungsräumen nicht eingesetzt werden.“
Siegmund Böhmer, Umweltbundesamt

Wobei ihm der Begriff "Feinstaub" zu unpräzise ist. "Die für die Raumwärme relevantesten Schadstoffe sind PM2,5 und Benzo(a)pyren. PM2,5 ist die feine Fraktion von Gesamtstaub (TSP). Benzo(a)pyren eine Leitsubstanz für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)", erklärt der Experte. In der Analyse "Emissionstrends 1990-2019" des heimischen Umweltbundesamts sind die Emissionen durch die Verbrennung von Biomasse für Raumwärmegewinnung aufgelistet.

18,3 Prozent des heimischen TSP-Ausstoßes (TSP = Schwebestaub, der alle luftgetragenen Partikel umfasst, Anm.) stammen aus der Biomasseverbrennung für die Raumwärme, in der Studie als "Kleinverbrauch" tituliert. "Im Sektor Kleinverbrauch werden die Emissionen vor allem von manuell bedienten Kleinfeuerungsanlagen für feste Brennstoffe verursacht." Beim Feinstaub wurde in der Studie Folgendes festgestellt: "Rund 77 Prozent der gesamten PM2,5-Emissionen des Jahres 2019 stammten aus kleinen Biomasse-Nahwärme- und KWK-Anlagen mit einem Anteil von 31 Prozent am gesamten Primärenergiebedarf der kalorischen Kraftwerke."

Moderne Technik kann Emissionen von Holzverbrennungsanlagen verringern

Dennoch ist die Behörde in ihrer Prognose für das Jahr 2030 optimistisch, dass sich die Luftbelastung verringern werde: "Die PM2,5- Emissionen im Sektor Kleinverbrauch werden gemäß Emissionsprojektion bis 2030 um 26,3 Prozent zurückgehen. Wichtig ist dabei der Trend weg von manuell beschickten Heizungen für Scheitholz hin zu modernen Biomasseheizungen mit geringen Emissionen."

Es ist also gerade die moderne Technik, die dazu beiträgt, die Emissionen von Holzverbrennungsanlagen zu verringern, darauf weisen auch die Hersteller immer wieder hin. Inzwischen sind beispielsweise bereits verschiedene Staubabscheider erhältlich. In den vergangenen Jahren entwickelte die Industrie moderne Anlagen mit komfortabler Steuerung, sehr guter Wärmeausnutzung, geringem Brennstoffverbrauch und niedrigem Emissionsverhalten.

Was bei Gasfeuerungen Stand der Technik ist, setzt sich auch Stück für Stück bei Holzfeuerungen durch: die Brennwerttechnik. Mittlerweile gibt es immer mehr Holzbrennwertgeräte auf dem Markt, bei denen der Wasserdampf im Abgas abgekühlt wird und als Kondensat anfällt. Die zusätzliche Kondensationsenergie kann dabei genutzt werden. Holzbrennwertkessel haben einen um zirka zehn Prozent höheren Wirkungsgrad, wenn die Anlagen im Brennwertbetrieb laufen. Das heißt, der eingesetzte Brennstoff wird effizienter genutzt und es entstehen weniger Emissionen.

Allerdings: Der Schadstoffausstoß von Heizkesseln ist vor allem dann hoch, wenn sie bei Teillast, also beispielsweise mit "halber Kraft", laufen. Um dies zu vermeiden, sollten neue Biomasseheizkessel grundsätzlich mit einem Warmwasserspeicher (Pufferspeicher) ausgestattet werden.

In jedem Fall ist auch auf die Details zu achten, etwa bei der Lagerung von Holzpellets. Hintergrund sind gesundheitsschädliche Kohlenmonoxidemissionen, die durch mikrobielle Abbau- und Autoxidationsprozesse aus den Pellets frei werden und sich im Pelletslager anreichern.

Energiebedarf muss gesenkt werden

Das deutsche Umweltbundesamt rät jedenfalls von der Verbrennung von Holz in kleinen Feuerungsanlagen ab und empfiehlt ganz generell: "Vor der Entscheidung für ein Heizsystem sollte der Energiebedarf gesenkt werden, beispielsweise durch Wärmedämmungsmaßnahmen."

Aufgerufen am 18.05.2022 um 05:50 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/bauen-wohnen/suche-nach-alternativen-zu-oel-und-gas-121072555

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