Bauen & Wohnen

So lebt Europa

Fast die Hälfte der Europäer wohnt in einer Stadt und will dort auch bleiben. Stadtbewohner schätzen vor allem die bessere Infrastruktur - Naturnähe zieht Menschen aufs Land.

Stadt oder Land? Fast die Hälfte der Europäer wohnt in Ballungsgebieten. Am Landleben schätzt man Naturnähe, mehr Lebensraum und „Entschleunigung“. SN/volff - stock.adobe.com
Stadt oder Land? Fast die Hälfte der Europäer wohnt in Ballungsgebieten. Am Landleben schätzt man Naturnähe, mehr Lebensraum und „Entschleunigung“.

Kulturen, Menschen, Gesellschaften. Gerade Europa bietet eine Fülle von Lebenswelten wie kaum ein anderer Kontinent. Was das Wohnen betrifft, ist die Vielfalt deshalb ebenfalls groß, das zeigt eine Studie in 20 europäischen Ländern sowie in Israel zum Thema Wohnen, Mobilität, Umweltschutz und Wirtschaft im Auftrag des internationalen Maklernetzwerks Remax.

Single-Wohnen bis zum Mehr-Generationen-Haushalt

26,9 Prozent der Österreicher lebten demnach 2022 allein. Das sind weniger als in Finnland (36,0 Prozent), den Niederlanden (32,8 Prozent), Deutschland (31,3 Prozent) und der Schweiz (31,2 Prozent), aber deutlich mehr als in Frankreich (22,0 Prozent), England (19,2 Prozent), Italien (13,2 Prozent) und Spanien (12,2 Prozent). Der Europa-Schnitt liegt bei 19,4 Prozent als Single Wohnenden.

Dagegen wohnen 46,3 Prozent der Österreicher in einer Ehe oder Lebenspartnerschaft. Der Wert ist in Polen (49,5 Prozent), Ungarn (46,6 Prozent), Deutschland (48,3 Prozent), Tschechien (47,2 Prozent) und in Wales (46,6 Prozent) höher, in Spanien (43,6 Prozent), Italien (41,7 Prozent), der Schweiz (38,8 Prozent) und all den anderen untersuchten Ländern niedriger. Der Durchschnitt der 22 untersuchten Länder liegt bei 40,5 Prozent.

Dass mehrere Generationen gemeinsam wohnen ist im Europaschnitt in 34,6 Prozent der Fälle so. In Österreich sind es 20,0 Prozent, noch unterboten von Deutschland mit 15,5 Prozent. In Frankreich (33,8 Prozent), Italien (41,1 Prozent), Kroatien (52,2 Prozent) und in der Türkei (55,8 Prozent) liegt der Wert wesentlich höher.

Die beliebteste Wohnform ist für 53 Prozent der befragten Europäer die Gemeinsamkeit mit Partnerin oder Ehegatten. Dahinter rangiert der Zwei-Generationen-Haushalt, also Eltern von kleinen, größeren oder erwachsenen Kindern. 22,4 Prozent der Europäer würden das bevorzugen. In der Türkei ist das mit 40,8 Prozent der absolute Zukunftsrenner. In Österreich gilt dies als Wunschszenario nur für 13,3 Prozent.

Drei Generationen in einem Haushalt ist hingegen auch europaweit nicht das ganz große Ziel, das halten nur 3,4 Prozent für eine ideale Wohnform für die nähere Zukunft. Spannend ist der oft beträchtliche Unterschied zwischen Istzustand und Wunsch: Während 19,6 Prozent der Kroaten im Drei-Generationen-Haushalt wohnen, wünschen sich dies jedoch nur 4,8 Prozent. Auch in Slowenien geht es in eine ähnliche Richtung: 13,2 Prozent wohnen aktuell in einer Drei-Generationen-Wohnsituation, aber nur 3,2 Prozent haben das auch zum Ziel.

Allein zu leben wünschen sich im Europaschnitt 16,5 Prozent der Befragten, Österreich liegt dabei genau im Durchschnitt. Sehr gut allein kommen anscheinend die Finnen zurecht: 30,2 Prozent wollen lieber einen Einzel-Personen-Haushalt. Auch die Holländer mit 27,0 Prozent und die Deutschen mit 24,1 Prozent sind sehr Single-affin.

"Der Blick in die Zukunft zeigt, dass sich in Österreich an der Wohnsituation - gemessen an der Anzahl der Personen pro Haushalt - nicht viel ändern wird. Ob das Leben im Alter die Hoffnung, mit dem Partner zu wohnen, auch erfüllen wird, bleibt nur zu wünschen", sagt Bernhard Reikersdorfer, Managing Director bei Remax Austria.

Beinahe zwei Drittel der europaweit Befragten gaben an, die Immobilie, in der sie wohnen, auch zu besitzen (61,7 Prozent). Am höchsten ist der Wert in Ungarn (82,4 Prozent), Slowenien (75,4 Prozent) und Bulgarien (73,0 Prozent), knapp gefolgt von Italien (72,7 Prozent), Rumänien (72,4 Prozent), Tschechien (71,8 Prozent), Spanien (71,7 Prozent) und Griechenland (71,2 Prozent). Am anderen Ende der Skala liegt die Schweiz mit nur 36,8 Prozent Wohnen im Eigentum, vor Deutschland (41,4 Prozent), Finnland (54,7 Prozent), England (56,4 Prozent), Frankreich (57,6 Prozent) und Österreich (58,3 Prozent).

Am sesshaftesten sind die Tschechen und die Polen

Tschechen und Polen gehen zu 58,3 Prozent davon aus, dass sie in den nächsten fünf Jahren ihre Wohnsituation nicht verändern werden. Die Deutschen sind auch äußerst standorttreu mit 54,3 Prozent, ebenso die Österreicher mit 53,5 Prozent. Dagegen schließen einen Umzug in den nächsten fünf Jahren nur 28,2 Prozent der Bewohner Israels aus. Auch für 32,4 Prozent der Türken und 32,6 Prozent der Rumänen ist eine Übersiedlung in den nächsten fünf Jahren kein Thema.

Unter den Europäern, die in den nächsten fünf Jahren einen Standortwechsel in Erwägung ziehen, wollen 31,2 Prozent eine Wohnung, 21,3 Prozent ein Einfamilienhaus und 12,7 Prozent ein Reihenhaus oder eine Doppelhaushälfte kaufen. Langfristig mieten wollen 12,2 Prozent eine Wohnung, jeweils 2,8 Prozent ein Haus oder ein Reihenhaus bzw. eine Doppelhaushälfte. 5,6 Prozent wollen eher nur kurzfristig mieten. 11,2 Prozent sind noch unentschlossen.

"In Österreich liegt der Wohnungskauf mit 23,2 Prozent in der Gunst ganz oben, jedoch weit unter dem Europawert. Der Wunsch, ein Haus zu kaufen, ist hierzulande bei jedem Fünften verankert", ergänzt Reikersdorfer. Dagegen sind Doppelhaushälften und Reihenhäuser mit 9,2 Prozent in der Alpenrepublik ein Randthema und eher etwas für die Briten.

Nur von den Griechen und von den Schweizern übertroffen werden wir Österreicher beim Wunsch, langfristig eine Wohnung zu mieten: Österreich 19,8 Prozent, Schweiz 23,5 Prozent und Griechenland 25,0 Prozent.

Generell geben die befragten Europäer an, dass sich die Wahrscheinlichkeit zu übersiedeln in den vergangenen zwölf Monaten erhöht hat. Ausnahmen sind nur die Tschechen, dort ist die Wahrscheinlichkeit um 11,2 Prozent gesunken.

Fast die Hälfte lebt in der Stadt und will auch dort bleiben

Fest steht, dass innerhalb von Europa 46,9 Prozent der Befragten in einer Stadt leben und dort auch bleiben wollen. 24,7 Prozent wohnen auf dem Land und wollen die Wohnsituation nicht verändern. 20,5 Prozent leben in der Stadt und wollen aufs Land, vom Land in die Stadt zieht es nur mehr 7,9 Prozent. Als Hauptgründe für einen Umzug auf das Land wurde europaweit "mehr Nähe zur Natur" (67,8 Prozent) genannt, auf Rang zwei findet sich der Wunsch nach "mehr Lebensraum" (53,4 Prozent), gefolgt von "mehr Privatsphäre" (47,6 Prozent) und "Entschleunigung" (45,0 Prozent). Die Möglichkeit, "Haustiere zu halten", ist für 35,7 Prozent relevant, knapp hinter den "günstigeren Lebenshaltungskosten" (36,2 Prozent). Für ein knappes Drittel (31,6 Prozent) zählt noch "mehr Zeit mit der Familie" zu verbringen und ein "besseres Sicherheitsgefühl" (30,4 Prozent). Auch die Österreicher schätzen "Naturnähe" (77,8 Prozent), vor "mehr Privatsphäre" (57,3 Prozent) und "mehr Lebensraum" (54,7 Prozent).

Bild: SN/remax
Die Infrastruktur hat in Österreich eine hohe Wertigkeit.
Bernhard Reikersdorfer, Remax Austria

In Österreich wollen 35,5 Prozent der Befragten in der Stadt bleiben. Die Europäer sind mit dem Stadtleben zufriedener (46,9 Prozent). Den größten Vorteil sehen österreichische Städter mit 67,3 Prozent ganz klar in der "besseren Infrastruktur". "Diese hohe Wertigkeit der Infrastruktur für die Österreicher ist insofern bemerkenswert, als in keinem anderen Land derselbe oder irgendein anderer Grund vergleichbar wichtig wäre, obwohl in vielen der untersuchten Länder die Infrastruktur objektiv betrachtet auf dem Land erheblich schlechter ist als in Österreich und auch der Unterschied Stadt/Land größer", bemerkt Reikersdorfer. Die Österreicherinnen und Österreicher legen weiters viel Wert auf eine "geringere Pendelzeit" (48,4 Prozent), "Zugang zum Gesundheitswesen" (42,5 Prozent) und "mehr Diversität" (42,0 Prozent). Erst auf Rang fünf folgt der Zugang zu Arbeitsmöglichkeiten (37,2 Prozent).

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