Bauen & Wohnen

Raus aus Gas im Altbau ist möglich

Technisch gesehen lassen sich alte Mehrparteien-Stadthäuser mit Erdwärme beheizen. Der Smartblock Geblergasse in Wien zeigt, wie die Wärmeversorgung von morgen aussehen könnte.

Heizen ist längst zur Frage nach günstigeren und nachhaltigeren Alternativen geworden. Im Land Salzburg hat sich zwischen 2010 und 2020 zwar die Zahl der Heizanlagen, die über Wärmepumpe oder Fernwärme versorgt werden, von 25,9 Prozent auf 45,2 Prozent nahezu verdoppelt. Fast gleich geblieben ist hingegen die Zahl jener Haushalte, die mit Gas heizen: Dort sank der Wert von 9,8 Prozent auf 8,6 Prozent. Oft handelt es sich um Gasetagenheizungen in alten Häusern, eine seinerzeit probate Alternative zu den Ölöfen, die mühsam oft in den einzelnen Zimmern separat beheizt werden mussten. Mit den aktuellen Gaspreisen bedeutet es für die Mieter und Eigentümer solcher Wohnungen, richtig tief in die Tasche greifen zu müssen. Gibt es Alternativen zu dieser Heizform, die vor allem im Altbau zu finden ist? "Ist kein Fernwärmeanschluss vorhanden, dann nur bedingt", sagt die Leiterin des Bereichs Bauen, Wohnen und Energie von der Umweltberatung, Sabine Vogel.

Die Sanierung wäre oft zu teuer

Das Problem: Nachhaltigere Heizformen etwa über Geothermie sind Niedertemperatursysteme, das Wasser in den Heizkörpern muss nicht so stark erwärmt werden, als dies bei älteren Heizkörpern der Fall ist. Das setzt voraus, dass die Gebäudehülle Wärmeverluste effektiver verhindern muss. Für die meisten Wohngebäude, die vor 1900 errichtet wurden, würde das eine thermische Sanierung bedeuten. Zum Vergleich: Bei einer nachhaltigeren Heizform etwa über Wärmepumpe dürfte der Heizwärmebedarf des Gebäudes über die Gebäudehülle nicht mehr als 30 bis 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr betragen, bei einem Altbau liegt dieser jedoch bei bis zu 150 Kilowattstunden. Technisch wäre eine Umstellung auf ein neues Heizsystem also möglich, betont Sabine Vogel, vorausgesetzt, es ist Geld für größere zusätzliche Umbau- beziehungsweise Sanierungsmaßnahmen vorhanden. Doch auf der Fassade einer Jahrhundertwendevilla erübrigt sich die Frage nach einem Vollwärmeschutz.

Es gibt bereits einzelne Leuchtturmprojekte, vor allem in Wien. Der Smartblock Geblergasse zeigt, was mit Geothermie möglich ist, will man vom Gas wegkommen. Technisch konzipiert hat das Projekt das technische Büro Käferhaus. Wie Geschäftsführer Wieland Moser betont, ging es anfangs vor allem darum, nach Synergien zu suchen. So fanden sich drei Eigentümer, deren Häuser aneinandergrenzten und über einen Innenhof verfügten, in dem die Tiefenbohrungen stattfinden konnten, und die auch die Kosten für einen umfassenden Generalumbau in die Hand nehmen wollten.

Während die Mieter sich kurzzeitig um neue Bleiben umsehen mussten, wurde nicht nur die Geothermieanlage errichtet, es wurden zudem Fenster und Bodenaufbau saniert und erneuert, damit Fußbodenheizungen installiert werden konnten. Eine thermische Sanierung der Gebäudehülle fand ebenso statt.

Im Sommer die Wärme zurückgeben

Es war das erste Mal, dass in Österreich in einem historischen Bestandsbau Geothermie zum Einsatz kam und energetische Synergien nicht nur für ein Gebäude umgesetzt wurden.

Weil vermieden werden sollte, dass sich das Erdreich durch die Entnahme der Wärme zu sehr abkühlt, wurden auf dem Dach der Häuser in der Geblergasse Solarmatten und Hybridkollektoren montiert, die im Sommer die Wärme an das Erdreich zurückgeben. Je wärmer die Erde gehalten wird, desto günstiger und effizienter ist es, Wärme zu erzeugen. Zudem lässt sich mit den sieben bis acht Grad, die im Erdreich nach der Heizsaison vorherrschen, im Sommer dann gut kühlen.

„Kommunen müssen ein „kaltes Netz“ für das Beheizen mit Erdwärme zur Verfügung stellen.“
Wieland Moser,Technisches Büro Käferhaus

Wieland Moser arbeitet derzeit an Machbarkeitsstudien in Kooperation mit der Stadt Wien. Von den Kosten her gebe es enorme Bandbreiten, bei den Studien lagen diese zwischen 30.000 und 40.000 Euro, und das beinhalte nur den Umbau des Heizsystems. Dazu kommen individuelle Maßnahmen, damit die Temperatur des Heizsystems möglichst niedrig ist; mit diesen kann der Verbrauch gesenkt und das System weiter optimiert werden. Ein großer Vorteil dieser Umrüstung ist, dass alle Wohnungen dann auch gekühlt werden können.

Sabine Vogel von der Umweltberatung sagt, dass man bei Fernwärme Wien bereits in größerem Stil Tiefenbohrungen andenke, um vom Gas wegzukommen. "So eine Tiefenbohrung geht aber mehrere Hundert Meter in die Erde, es wird einige Jahre dauern, bis das umgesetzt werden kann. Zudem muss unbedingt das Fernwärmenetz ausgebaut werden", sagt sie. Für Wieland Moser von TB Käferhaus ergibt sich nur eine Logik: Um die Klimaziele nicht zu verfehlen, müssten die Kommunen und Dienstleistungsanbieter ein "kaltes Netz" für das Beheizen mit Erdwärme zur Verfügung stellen, wie sie es mit Wasserversorgung, Abwasserkanal oder mittlerweile Glasfasernetz bereits tun. "Das gehörte in einer urbanen Landschaft zur Grundversorgung, wollen wir in den nächsten 20 Jahren klimaneutral werden", sagt Wieland Moser.

In Salzburg setzt man auf Wasserstoff

Wie sieht es in Salzburg aus? Hier geht der Trend weiter zu Fernwärme und Wärmepumpen - der Gasmarkt stagniere seit Jahren, sagt man bei der Salzburg AG. Die dortige Fernwärme ist folgendermaßen aufgeteilt: 30 Prozent stammen aus Industrieabwärme und aus der Verbrennung fester Biomasse. Zehn Prozent der Wärme kommen aus Spitzenlastkraftwerken, die mit Erdgas betrieben werden, 60 Prozent aus Abwärme der Stromproduktion in den großen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen im Heizkraftwerk Mitte und Nord, auch hier ist der Brennstoff Erdgas. Im Sommer liegt der Anteil an erneuerbarer Energie bei rund 80 Prozent, ganzjährig bei 30 Prozent, wenn das Heizkraftwerk Siezenheim II in Betrieb geht, kann der Anteil auf 40 Prozent erhöht werden. Das Ziel der Salzburg AG ist es, Erdgas mittelfristig durch erneuerbare Gase wie Wasserstoff zu ersetzen. Bis 2030 soll Fernwärme aus überwiegend biogenen und klimaneutralen Quellen erzeugt werden, bis 2040 wird Klimaneutralität angestrebt.

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