Bauen & Wohnen

Natur und Handwerk sind in der Möbelbranche gefragt

In den Bereichen Natur, Umwelt und Handwerkskunst können die heimischen Möbelhersteller international mithalten und sind oftmals auch Trendsetter.

Da ist nicht der Wurm drin: Der Naturmöbelhersteller Team 7 bietet „Venedig-Eiche“ als Oberfläche. Das ist Holz, das aus Pfählen geschnitten wurde, die jahrzehntelang im Wasser der Lagune von Venedig standen.  SN/bernhard schreglmann
Da ist nicht der Wurm drin: Der Naturmöbelhersteller Team 7 bietet „Venedig-Eiche“ als Oberfläche. Das ist Holz, das aus Pfählen geschnitten wurde, die jahrzehntelang im Wasser der Lagune von Venedig standen.

Wer durch die unzähligen Hallen der Internationalen Möbelmesse (IMM) in Köln vergangene Woche schlenderte, konnte vor allem einen Trend feststellen: Es gibt keinen Trend. Selbst die schon im Vorfeld angekündigte Modefarbe 2019 "Coralle" fand sich nur spärlich bei den Ausstellern. Vor allem im Gespräch mit den österreichischen Herstellern zeigte sich jedoch schon eines: Natur und Handwerk, das sind die Themen, mit denen die Betriebe punkten können. Wobei die Natürlichkeit auch auf der "anderen" Seite ein Ende hat, wie Georg Emprechtinger, Inhaber des Naturmöbelherstellers Team 7, erzählt: So wurde er gefragt, ob er auch vegane Möbel im Angebot hätte. Angesichts der Tatsache, dass sein Betrieb versucht, auf natürliche Materialien zu setzen, also Leder, Wolle oder Bienenwachs, verursacht eine solche Anfrage doch Stirnrunzeln. Denn dafür müsste er vielmehr synthetische Materialien verwenden.

Team 7: Vom klobigen Vollholzhersteller zum feinen Design

Doch das ist derzeit noch ein Nebenschauplatz. Gerade Team 7 hat in den vergangenen Jahren den Schwenk vom klobigen Vollholzhersteller zum klaren und feinen Design geschafft. Im hauseigenen Plattenwerk wurde etwa eine Dreischichtplatte entwickelt, die nur zwölf Millimeter dick ist und doch alle Ansprüche erfüllt. "Das schaut einfach aus, da steckt aber viel Know-how drin", erzählt Emprechtinger. Apropos Know-how: Zwei Jahre lang hat das Innviertler Unternehmen auch an einer einzigartigen Ausziehmechanik für Esstische getüftelt. Jetzt lassen sich die Tische mit einer Hand vergrößern und verkleinern, die Einlegeplatten erscheinen und verschwinden wie von Geisterhand, ganz ohne menschliche Hilfe.

Diese Holzarten liegen im Trend

Was die Holzarten betrifft, so liegt derzeit die Eiche nach wie vor stark im Trend. Gerade besonders gefragt ist sogenanntes Wildholz, das nicht gleichmäßig gewachsen ist, sondern farbliche Unterschiede aufweist und auch Äste sichtbar belässt. Wieder im Kommen ist Kirschholz, das mit seiner rötlichen Färbung besondere Akzente setzt. Hinter der dominierenden Eiche ist Nussholz die Nummer zwei, gefolgt von Kernbuche, Erle und Kirsche. Nadelhölzer sind beim Team 7 dagegen nicht im Einsatz. Emprechtinger: "Wir betreiben einen solchen Aufwand bei der Verarbeitung, dass dadurch das Nadelholz über Gebühr teuer werden würde."

ProNatura: Ökologische Materialien stehen an erster Stelle

Ebenfalls auf die reine Natur setzt man bei ProNatura, einer Bettenmarke, die zum Schwanenstädter Familienbetrieb Joka gehört. "ProNatura ist Garant für die Verwendung ausschließlich ökologischer Materialien. Die verwendeten Matratzen und das reichhaltige Sortiment an Kopfkissen und Bettwaren werden - unserer Philosophie als Hersteller entsprechend - etwa mit einem biologischen Milbenschutz ausgerüstet", erklärt Geschäftsführerin Anna Kapsamer. Neben Naturkautschuk setzt man bei ProNatura auf die Zirbe und liegt damit voll im Trend. In Salzburg soll demnächst in der Wolf-Dietrich-Straße ein eigenes Schlafstudio entstehen, das als Vorreiter für die künftige Expansion dienen soll.

ADA: Setzt auf hochqalitative Verarbeitung

Ganz stark auf das Thema hochwertiges Handwerk setzt man auch beim steirischen Hersteller ADA, wie Geschäftsführer Gerhard Vorraber betont: "Wir haben sogar ein eigenes Sägewerk auf 800 Metern Seehöhe. Das ist sicher eines der wenigen mit Panoramablick." Bei der Produktion in Anger bei Weiz steht die hochqualitative Verarbeitung im Vordergrund. Hier werden auch Lederstücke noch von Hand vernäht. Doch wo findet man noch Menschen, die so etwas können? "Wir bilden unsere Fachkräfte selbst aus", betont Vorraber, vor allem über die Lehre. ADA bietet hier eine große Vielfalt an Lehrberufen an: Holz- und Sägetechniker, Elektrobetriebstechniker, Tapezierer/Dekorateur, Metallbautechniker, Tischlereitechniker, Informationstechnologie oder Bürokaufmann.
"Wir haben dadurch eine so große Fertigungstiefe wie sonst niemand." Durch die Produktion im Land ist auch die Qualitätskontrolle viel einfacher, außerdem "sind wir so viel flexibler". Neben der eigenen Modelllinie "Austria Premium" arbeitet ADA in der Steiermark auch für Handelsmarken.

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