Bauen & Wohnen

Musterhausparks: "Ein Haus, das man sehen und erleben kann"

Die Nachfrage nach Fertighäusern steigt. Welche Rolle die Musterhausparks dabei spielen, hat Motivforscherin Helene Karmasin nun erhoben.

Fertighausaffine Menschen erleben sich laut Studie selbst als modern und flexibel und lehnen den Mythos des Hauses als Besitz ab. Man baut nicht mehr für Generationen, sondern für das Hier und Jetzt. SN/genböck/microhome
Fertighausaffine Menschen erleben sich laut Studie selbst als modern und flexibel und lehnen den Mythos des Hauses als Besitz ab. Man baut nicht mehr für Generationen, sondern für das Hier und Jetzt.

Immer mehr Menschen erfüllen sich ihren Traum vom Eigenheim mit einem Fertighaus. Zusätzlich verstärken der Wunsch nach privatem Freiraum im Grünen sowie die steigenden Preise im urbanen Raum den aktuellen Hausbautrend. Laut dem "Branchenradar Fertigteilhäuser" stieg die Anzahl der verkauften Fertighäuser 2020 gegenüber dem Vorjahr um ganze drei Prozent an. Die Fertighausquote, also der Anteil von Fertigteilhäusern an den insgesamt neu errichteten Eigenheimen, stieg damit auf 27,4 Prozent.

Entscheidungen absichern durch Besichtigung von Musterhäusern

Wie Fertighauszentren dabei die Kaufentscheidung beeinflussen, hat der Musterhauspark in einer Studie von Karmasin Behavioural Insights erheben lassen. Das Ergebnis zeigte: Fertighauszentren haben eine wichtige Funktion beim Hausbau, da sie während des Entscheidungsprozesses von rund 60 Prozent der Baufamilien besucht werden. Zudem bewirkte der Besuch bei der Hälfte der Bauinteressierten eine Einstellungsveränderung zugunsten eines Fertighauses.

Bild: SN/mhp
Je früher man wohnt, desto mehr hat man vom Haus
Helene Karmasin, Motivforscherin

In den Parks in Eugendorf, Haid und Graz sind alle namhaften Markenhersteller aus Österreich vertreten und die in Summe 52 Musterhäuser bieten einen vielseitigen Überblick über die Branche. "Unser Anspruch ist seit mehr 20 Jahren der gleiche: Jeder soll ganz einfach zu seinem eigenen Haus kommen - ohne viel Aufwand und Vorkenntnisse", fasst Jakob Reiter, Geschäftsführer des Musterhausparks, die Leitmotive zusammen. "Dieses Geschäftsmodell kommt uns jetzt zugute. Denn der Trend geht dahin, dass Baufamilien den Weg von der Kaufentscheidung bis zum Einzug so kurz und unkompliziert wie möglich halten wollen. Mit einem schlüsselfertigen Fertighaus gelingt das innerhalb eines Jahres." "Die Parks bieten eine einfache und unkomplizierte Möglichkeit, sich verschiedenste Markenhäuser außen und innen anzusehen. Ohne Termin und ohne Verpflichtung", hebt auch Thomas Scheriau, Geschäftsführer von Elk, die Vorteile für die Kunden hervor.

Wünsche beim Hausbau: Fertighausparks als Ortientierungshilfe

Beeinflusst ein Besuch in einem Fertighauszentrum die Kaufentscheidung und was sind die Wünsche beim Hausbau? Das waren die zentralen Fragen bei der von Helene Karmasin im Spätsommer 2020 durchgeführten Studie. Die Ergebnisse zeigten, dass Fertighauszentren eine wichtige Funktion beim Hausbau einnehmen. "Rund 60 Prozent der Bauinteressierten haben während des Entscheidungsprozesses ein Fertighauszentrum besucht", so Studienautorin Helene Karmasin. Davon hatten 75 Prozent bereits eine Affinität zu einem Fertighaus. Aber auch 50 Prozent derjenigen Personen, die ein Haus planten und noch unentschlossen waren, ob Fertighaus oder Massivhaus, besuchten ein Fertighauszentrum.

"Ein Fertighauspark wird also zu Beginn gerne als Orientierungshilfe genutzt", erklärt Karmasin. "Damit können die Aussteller in den Parks direkt am Entscheidungsprozess Anteil haben und das für sich nutzen." Zudem gab es nach dem Besuch in einem Musterhauspark bei der Hälfte der Besucher eine Einstellungsveränderung zugunsten eines Fertighauses.

Wichtige Faktoren: bessere Vorstellbarkeit und gute Übersicht über den Markt

Als relevante Aspekte, die nach dem Besuch des Parks für ein Fertighaus sprachen, erhob die Sozialforscherin die bessere Vorstellbarkeit sowie die gute Übersicht über verschiedene Hersteller und Häuser. Für 56 Prozent waren Größenverhältnisse besser vorstellbar und 47 Prozent sagten, dass die Vorstellbarkeit besser sei als am Plan, 49 Prozent schätzten die Übersicht der verschiedenen Anbieter und 48 Prozent die hohe Anzahl verschiedener Häusermodelle. Bei den noch Unentschlossenen lagen die jeweiligen Prozentzahlen sogar noch etwas höher. Dass ein Musterhaus gegenüber einem Grundrissplan emotional im Vorteil ist, zeigt für die Studienautorin folgendes Zitat einer Teilnehmerin anschaulich: "Mein Mann wollte erst kein Fertighaus. Beim Hineingehen hatten wir dann beide das Gefühl, in unserem Traumhaus zu stehen. Wir haben uns einfach verliebt - in einen Plan würde ich mich nie verlieben."

Wesentliche Funktionen der Musterhausparks

Baufamilien, die noch zwischen einem Fertighaus und einem Massivhaus schwankten, betrachteten Fertighauszentren interessanterweise als besonders wichtig. Helene Karmasin führt aus: "Diese Besuchergruppe erlebt oft, dass ihre Vorurteile gegenüber einem Fertighaus entkräftet werden." Der entscheidende Vorteil liegt laut Studienergebnissen darin, dass man das Haus sehen und erleben kann. "Man liest nicht 100 Quadratmeter, sondern man fühlt 100 Quadratmeter Wohnraum", beschreibt Karmasin den Unterschied und verweist auf den emotionalen Faktor Vorfreude. Denn auch diese erlebe man, wenn man das konkrete Haus sieht. Zudem gibt es ganz rationale Argumente, die von den Befragten angeführt wurden: "Man kauft nicht etwas, das man nicht gesehen hat", "Man bekommt eine Übersicht, was am Markt alles aktuell ist" und "Man kann mit verschiedenen Beratern sprechen, die sich durch die direkte Konkurrenz sicher mehr bemühen".

Wunsch nach Einfachheit beim Bauprozess

Fertighausaffine Menschen erleben sich als modern und flexibel und lehnen den Mythos des Hauses als Besitz ab. "Einfach ein Haus, in dem man sich wohlfühlt und das einem entspricht", das ist laut der Studie die zentrale Aussage von Baufamilien, die entschlossen sind, ein Fertighaus zu kaufen. Damit hat sich auch der Anspruch an das Eigenheim gewandelt: Man baut nicht mehr für Generationen, sondern für das Hier und Jetzt. Der Bauprozess soll deshalb möglichst einfach, unkompliziert und ohne großen Zeitaufwand ablaufen. "Ein Haus zu bauen ist keine Lebensaufgabe mehr, sondern wird immer mehr zum Konsumprozess", fasst es Dr. Helene Karmasin zusammen. "Anschauen, entscheiden, kaufen, wohnen. Denn je früher man wohnt, desto mehr hat man vom Haus."

"You get what you see"

Fertighauskäufer wollen keine Zeit und Nerven für den Hausbau verschwenden und sehen die einzelnen Verhandlungen mit Handwerkern als Belastung, der sie möglichst entgehen wollen. Was neben einer kurzen, klar planbaren Bauzeit und Kostensicherheit im Kaufentscheidungsprozess klar für ein Fertighaus spricht, ist die Gewissheit, dass man das bekommt, was man sich angesehen hat. "Das authentische Erlebnis im Musterhaus bietet gegenüber der Abstraktion auf Plänen das sichere Gefühl, sich richtig entschieden zu haben", so Karmasin. "Jetzt, hier und sofort - sicher, praktisch und schnell - vernünftig und clever, das ist für Fertighauskäufer die ideale Form des Bauens. Oder kurz gesagt: You get what you see!"

Aufgerufen am 18.08.2022 um 10:54 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/bauen-wohnen/musterhausparks-ein-haus-das-man-sehen-und-erleben-kann-115614520

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