Bauen & Wohnen

Mein Haus, mein Dach, mein Apfelbaum: Dachbegrünungen im Aufwind

Auf immer mehr Gebäuden entstehen Dachbegrünungen. Das spart Energie, kühlt die Umgebung und ist generell gut für die Umwelt. Gesetzlich verpflichtend sind Gründächer bei uns jedoch nicht.

Was wie ein hübscher Vorgarten wirkt, ist ein Dachgarten – kräftig wachsende Apfelbäume inklusive. SN/ricky knoll
Was wie ein hübscher Vorgarten wirkt, ist ein Dachgarten – kräftig wachsende Apfelbäume inklusive.

Mit Erstaunen betreten Besucherinnen und Besucher die Terrasse des Büro- und Wohnhauses am Möslweg in Salzburg. Hätte man nicht zuvor zwei Stockwerke im Stiegenhaus erklommen, müsste man glauben, in einem gut gepflegten Obstgarten zu stehen.

Doch der direkte Ausblick auf Dächer der Nachbarhäuser belehrt eines Besseren. "Wir hatten eine ganze Obstbaumreihe, weil wir ursprünglich nicht wussten, ob sie überhaupt gedeihen. Inzwischen mussten wir einige herausnehmen, weil sie einfach zu kräftig gewachsen sind und sich gegenseitig im Weg gestanden wären", erzählt Rainer Bebek.

Brigitte Schilcher, Rainer Bebek.  SN/ricky knoll
Brigitte Schilcher, Rainer Bebek.

Der Flachdachspezialist teilt sich mit seiner Cousine Brigitte Schilcher die Geschäftsleitung der Firma Heinrich, weitere Familienmitglieder sind ebenfalls im Führungsteam. Großvater Viktor Heinrich hatte den Familienbetrieb im wahrsten Wortsinn 1946 gegründet. 1956 übersiedelte die Firma an den jetzigen Standort in Langwied und konzentrierte sich auf die Entwicklung von Flachdachtechniken, weitergeführt von den fünf Geschwistern der Nachfolgegeneration. Inzwischen ist die dritte Generation am Werk, die vierte steht bereits in den Startlöchern. Mit etwa 70 Mitarbeiter/-innen in Verwaltung und Produktion betreuen sie Großkunden ebenso wie private Häuslbauer mit ihrem Fachwissen im Dachbau.

Unterschiede zwischen extensiven und intensiven Gründächern

Die Experten unterscheiden bei begrünten Dachflächen zwischen extensivem und intensivem Gründach. Der Unterbau muss selbstverständlich den vorbestimmten Kriterien und behördlichen Auflagen entsprechen und braucht eine wurzelfeste Abdichtung wie jedes andere Flachdach auch.

Für das extensive Gründach wird eine Granulatmischung, meist recycelter Ziegelbruch, aufgebracht und darüber kommen 10 bis 15 Zentimeter Humusschicht. Sedumsprossen (Sukkulenten) werden in Büscheln ausgelegt und nach ein wenig düngen fängt es nach ein paar Tagen zu wachsen an. "Das Wundervolle daran ist das Farbenspiel. Das ganze Jahr über wechseln die Farben fast im Monatsrhythmus. Außer Wartungsarbeiten zwei Mal pro Jahr und ein wenig jäten braucht es nichts. Es versorgt sich selbst, übersteht sowohl Trocken- als auch Nassphasen gut", schildert Rainer Bebek.

Im Gegensatz dazu stellt sich ein intensives Gründach wie eine (Blumen-)Wiese oder Schafweide dar. Sinnvoll ist eine Humusschicht von etwa 30 Zentimetern. "Es braucht keine Bewässerung. Nimmt der Bewuchs überhand, wird einfach der Rasenmäher ausgepackt", ergänzt Brigitte Schilcher.

Ein extensives Gründach ist pflegeleicht, vieles wächst. SN/ricky knoll
Ein extensives Gründach ist pflegeleicht, vieles wächst.

Das intensive Gründach kann auch als Nutzfläche dienen - die entsprechende Statik darunter vorausgesetzt. Dazu braucht es jedoch eine gewisse Bewässerung. "Darauf kann man von Bäumen über Sträucher bis hin zu Gemüse- oder Erdäpfelbeeten, Radieschen oder Rosen alles anpflanzen. Auch Spielplätze für Kinder oder ein Fußballplatz sind möglich." Die Vorteile von begrünten Dachflächen liegen auf der Hand. Man muss sich nicht ums Regenwasser kümmern. Gegenüber einer "normalen" Dachfläche verringert das Gründach die Wasserabgabe um zwei Drittel. Eine Photovoltaikanlage auf einem Gründach bringt durch die naturgegebene Kühlung etwa 10 bis 15 Prozent mehr Leistung. Vor allem Stadtimker haben eine große Freude mit der Blütenpracht, weil hier keine Dünger bzw. Pestizide aufgebracht werden. Überdies schluckt ein grünes Dach Staub, Schall und CO2. "Es kühlt im Sommer und wärmt im Winter, auch ein Carport oder eine Garage", weiß Bebek. Ein Gründach schadet nicht, im Gegenteil, es verlängert laut einer Wiener Studie die Lebensdauer, weil Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht ausgeglichen werden. "Die Oberösterreicher sind hier Vorreiter, da muss inzwischen ein Dach ab einer gewissen Fläche begrünt werden. In Salzburg gibt es eine derartige Bestimmung noch nicht."

Für jedes Dach die richtige Lösung

Bei einfachem Aufbau, geringer Pflege und Nutzung spricht man von Extensivbegrünungen. Das Gegenteil ist die Intensivbegrünung mit einem höheren, gartenähnlichen Aufbau und dementsprechend höherer Pflege.

Extensive Dachbegrünungen kommen von ihrem Erscheinungsbild natürlichen ungenutzten Flächen nahe. Es werden niedrigwüchsige Pflanzen (Moose, Sukkulenten, Kräuter, Gräser) verwendet, die sich (fast) selbst erhalten.

Intensive Dachbegrünungen sind aufwendiger (Dachgarten). Intensivbegrünungen sind mit ebenerdigen Gärten und Nutz-Grünflächen vergleichbar und können je nach Ausbildungsform aus mehrjährigen Stauden und Gehölzen sowie Bäumen und Rasenflächen bestehen.

Aufgerufen am 05.07.2022 um 11:31 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/bauen-wohnen/mein-haus-mein-dach-mein-apfelbaum-dachbegruenungen-im-aufwind-119810953

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