Bauen & Wohnen

Leben in gesunden Räumen

Immer mehr Fertighausfirmen entwickeln ihre Häuser zusammen mit Baubiologen. Das Ziel: nachhaltiger, gesunder und schöner Wohnraum.

Als Baubiologe beschäftigt sich Michael Mark mit den Auswirkungen der gebauten Umwelt auf den Menschen und die Natur. Über die besondere Aufgabenstellung seines Berufs hat er mit den "Salzburger Nachrichten" gesprochen.

Wie beschreibt sich das Tätigkeitsfeld eines Baubiologen bzw. einer Baubiologin? Michael Mark: Die Baubiologie ist ein weites Feld, das sich - ganz grob - in zwei große Richtungen einteilen lässt. Zum einen geht es um das Bauen selbst, also um Baustoffe und ihre Verarbeitung. Zum anderen beschäftigt man sich hier mit dem Bereich der baubiologischen Messtechnik. Letztere befasst sich zum Beispiel damit, Luftschadstoffmessungen oder verschiedene Umwelteinwirkungen zu messen - etwa Radioaktivität oder Elektrosmog. Ich selbst gehöre zu jener Gruppe von Baubiologen, die alte Häuser sanieren, neue Gebäude entwickeln und die dafür erforderliche Beratung anbieten.

Bleiben wir kurz bei den Sanierungsmaßnahmen: Was konkret sind Problemstellungen, mit denen Menschen zu Ihnen kommen? Es kommt vor, dass Menschen gesundheitliche Komplikationen entwickeln - beispielsweise an Schlafstörungen leiden - und das ihrer Wohnsituation zuschreiben. Manchmal wird auch festgestellt, dass es in einem Haus dauerhaft unangenehm riecht. In so einem Fall könnte zum Beispiel ein spezieller Baustoff der Auslöser sein oder Möbel, deren Kunststoffoberflächen gewisse Ausdünstungen verbreiten. All das kann man genau analysieren, indem man eine Hausstaubprobe nimmt und untersucht. Allerdings muss nicht immer eine gesundheitliche Belastung der Auslöser dafür sein, dass man einen Baubiologen konsultiert: Viele Menschen wollen einfach nur ihr Haus naturnah modernisieren. Was in dem Zusammenhang auch ganz wichtig ist: Baubiologie greift nie nur einzelne Aspekte heraus, sondern versucht, Zusammenhänge ganzheitlich zu sehen.

Baubiologie arbeitet also interdisziplinär? Baubiologie beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen dem menschlichen Wohlbefinden und seiner bebauten Umgebung. Das mag esoterisch klingen, ist es aber überhaupt nicht, weil alle Erkenntnisse auf naturwissenschaftlich belegbarer Basis gewonnen werden.

Sie arbeiten seit 30 Jahren in diesem Bereich. Haben Sie den Eindruck, dass das ökologische Bewusstsein der Menschen heute stärker ausgeprägt ist? Diesen Eindruck habe ich jedenfalls! Da hat sich vor allem auf der Kundenseite viel bewegt, was bei den Herstellern ein großes Umdenken bewirkt hat. Auch die großen Verbände arbeiten natürlich daran, die Wohnraumqualität der Häuser sicherzustellen bzw. immer weiter zu verbessern.

Es gibt ja einen ganzen Katalog an Kriterien, die ein Baubiologe bei seiner Tätigkeit berücksichtigen muss. Der Kriterienkatalog des Instituts für Baubiologie und Nachhaltigkeit (IBN) bündelt, wie sich ein gleichermaßen gesundes, naturnahes, nachhaltiges und ansprechend gestaltetes Wohn- und Arbeitsumfeld realisieren lässt. Diese 25 Grundregeln der Baubiologie wurden im Lauf der Zeit weiterentwickelt und den heutigen Bau-, Wohn- und Lebensbedingungen angepasst.

Ist die Verwendung ökologischer Materialien und Baustoffe gleichzeitig auch immer mit höheren Kosten verbunden? Es kommt natürlich immer darauf an, welche finanzielle Möglichkeiten ein Kunde hat und welche Prioritäten gesetzt werden. Zwischen einem Haus, das nach "normalen" Standards errichtet wird, und einem, das einer baubiologischen Ausführung entspricht, liegt in der Regel ein Kostenunterschied von etwa zehn Prozent.

Aufgerufen am 30.09.2022 um 03:18 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/bauen-wohnen/leben-in-gesunden-raeumen-119244889

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