Bauen & Wohnen

Klimafreundliches Bauen - Welche Faktoren sind zu beachten?

Klimafreundliches Bauen bedarf eines völlig neuen Denkansatzes. Zu berücksichtigen sind auch Faktoren wie Wassermanagement, Mobilität oder Energie.

Klimaschutz-Vorzeigeprojekte gibt es auch in Salzburg. Künftig geht es aber um ganze Quartiersentwicklungen.  SN/bernhard schreglmann
Klimaschutz-Vorzeigeprojekte gibt es auch in Salzburg. Künftig geht es aber um ganze Quartiersentwicklungen.

Keine Frage, die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg ist dabei, die Welt zu verändern. Experten sprechen angesichts der weltweiten Proteste junger Menschen gegen die derzeitige Klimapolitik schon von der "Generation Greta". Sie rüttelt nicht nur die Politik wach, sondern auch die Menschen und die Wirtschaft. In Deutschland, das bis 2030 den CO2-Ausstoß um zwei Drittel gegenüber 1990 senken möchte, wird derzeit über eine entsprechende Steuer von 180 Euro pro Tonne emittierten CO2 diskutiert.

All das hat auch erhebliche Auswirkungen auf die Frage, wie künftig gebaut werden soll und muss. Einige Szenarien wurden kürzlich auf der Immobilienmesse Exporeal in München aufgezeigt. "Wenn der Westen so weitermacht wie bisher, dann steht uns eine Erderwärmung von fünf bis sechs Grad bis zum Ende des Jahrhunderts bevor", sagte Marcus Herrmann, CEO von Arcadis Europe Central, einem Beratungsunternehmen für die Bereiche Infrastruktur, Wasser, Umwelt und Immobilien. Extreme Wetterereignisse häuften sich bereits jetzt, sagt Herrmann, das habe alles Auswirkungen auf Wasserkreisläufe, Küstenregionen, Nahrungsmittel und Migration. Und natürlich auf die Städte mit ihrer extremen Versiegelung des Bodens. Herrmann rechnet etwa für Hamburg mit einem Temperaturanstieg von drei bis fünf Grad Celsius in diesem Jahrhundert. Gleichzeitig werde es im Winter um 40 Prozent mehr, im Sommer um 40 Prozent weniger Niederschläge geben als heute. Die Zahl der extrem heißen Tage werde in Berlin um 50 Prozent ansteigen.

"Das Klima wird der wesentliche Faktor in der Baubranche werden", prognostiziert der Experte. Erwartet werde ein wesentlicher Beitrag zur Dekarbonisierung. "Die Profitabilität der Branche ist untrennbar mit dem Klimaschutz verbunden. Die klimafreundlichsten Player werden die erfolgreichsten sein."

Doch die Strategie dürfe nicht kopflos sein. Es gehe um einen neuen Energiemix, um Einsparungen und steigende Effizienz, um Gebäudesanierung und um Innovationen. Künftig müsse der gesamte Lebenszyklus im Blick sein, gerade in der Sanierung und im Energiebetrieb liege ein großes Potenzial. "Es geht auch darum, den CO2-Bedarf der Hersteller von Baustoffen ins Visier zu nehmen." Es werde nicht nur um klimafreundliche Gebäude gehen, wesentlich wichtiger sei die Entwicklung von klimafreundlichen Quartieren, inklusive Solarenergie und Verkehrskonzept.

"Die Digitalisierung ist dabei der Joker", betont Herrmann. "Smart gesteuerte Gebäuderegelungen, die sich auf den Nutzer einstellen, stehen dabei im Fokus." Dazu kommen Klimaschutzmaßnahmen in Crossover-Bereichen wie Energiemanagement, dezentrale Energieerzeugung und Wassermanagement. E-Ladestationen oder Radgaragen werden bei künftigen Gebäuden ebenso eine große Rolle spielen. Und schließlich werden auch der Hochwasserschutz und Kaltluftschneisen neue Faktoren beim Bauen darstellen.

"Das Maß hat sich in den vergangenen 15 Jahren verändert", ergänzt Arcadis-Livecycle-Experte Karsten Peleikis. "Früher war klimafreundliches Bauen etwas für Exoten, heute gelten andere Maßstäbe." Jetzt müsse für Bauträger auch das Image stimmen, "man findet kaum Mieter mehr für ölbeheizte Gebäude". Objekte, gerade auch im gewerblichen Bereich, müssten einfach umbaubar sein. "Das Bewusstsein ändert sich, deshalb sollte man den politischen Rückenwind nutzen und Segel setzen." Mehr als 50 Prozent der Menschen schätzen inzwischen den Stellenwert von Klimaschutz als "sehr hoch" ein, weitere 30 Prozent als "durchschnittlich".

Bleibt noch die Frage nach der Höhe der Investitionen. "Sparen beim Errichten rächt sich inzwischen bei Verkauf und in der Miete", weiß Peleikis. Denn das sind inzwischen auch Themen beim Enduser. Es habe einen Wert, wenn man in einem Gebäude arbeite, das Duschen und einen Fahrradkeller biete und somit umwelt- und klimafreundliche Mobilität unterstütze. "Es müssen praktikable Ansätze sein, die man gemeinsam mit dem Benutzer erarbeitet", sagt der Experte. Für Peleikis sei es sinnvoll, für klimafreundliches Bauen eine Art Baukastensystem zu entwickeln, das bei jedem Projekt anwendbar ist, denn das Know-how sei ja schon da.

Bauträger seien auch angehalten, sich mit der Digitalisierung zu beschäftigen, letztlich könne viel Know-how auch durch die Übernahme von einschlägigen Firmen ins Haus geholt werden: "Wir brauchen beim klimafreundlichen Bauen Systeminnovationen und nicht nur Einzelprojekte."

Aufgerufen am 14.12.2019 um 03:58 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/bauen-wohnen/klimafreundliches-bauen-welche-faktoren-sind-zu-beachten-78838015

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