Bauen & Wohnen

Gartengestaltung: Naturnah und mit viel Abwechslung

Kiesflächen vor dem Haus oder ein mit der Nagelschere geschnittener Rasen, wo sich das letzte Gänseblümchen noch verabschiedet, sind passé.

Im Garten ist ein buntes Wachsen und Gedeihen samt einer guten Portion Selbstversorgung heutzutage gefragt. Gedanken über die Gartengestaltung machen sich Häuslbauer meist allerdings erst zum Schluss, wenn das schöne neue Eigenheim bereits steht. "Keine gute Idee, wenn Energie, Kreativität und vor allem die Finanzen bereits erschöpft sind", sagt Stefan Ahrens, Gartengestalter und Landschaftsgärtner. Längerfristig gesehen hat es seine Vorteile, wenn die Grünanlagen rund um die Hausmauern schon von Anbeginn in die Planung miteinbezogen werden.

"Grünanlagen schon vor dem Hausbau mitplanen." Stefan Ahrens, Gartengestalter

Er und seine Berufskollegen sind Profis in der Gartenplanung. Sie wissen, welche Pflanzen wo hingehören und welche sich gut vertragen. "Sonst sterben die Schwächeren bald ab oder die Stärkeren wuchern alles zu."

Einige Fragen gehören vorab geklärt: Habe ich Kinder bzw. möchte ich welche, die im Garten Fußball spielen? Wohin mit Schaukel, Sandkiste und Rutsche? Gibt es ein Gefälle, eine Böschung? Sollen stattdessen Terrassen angelegt werden oder eine große, zusammenhängende Fläche entstehen? Wo sollen Sitzplätze hinkommen, auf einen ständigen, befestigten Platz oder wird die mobile Variante bevorzugt? Brauche ich eine Hecke beziehungsweise einen Sichtschutz? Und wohin mit Gemüse- und Kräuterbeeten, Beerensträuchern und Obstbäumen?

Bodenaufbau für später wichtig

Ein schwerer Fehler wäre etwa, in der geplanten Gartenfläche Bau- und Abbruchmaterial zu vergraben oder als Füllmaterial zu verwenden. Wer darauf achtet, dass der Boden nicht zu stark verdichtet wird - sprich, dass keine Bagger oder Lkw darauf fahren und kein Kran darauf steht -, verhindert, dass später das Wasser in der Wiese steht. "Durchlässige Böden mit einem hohen Sandanteil sind besser belüftet und durchlässiger für Wasser. Salzburgs Böden enthalten meist viel Lehm, der ist nicht gut. Hier sollte man auch nicht sparen, das rächt sich im Nachhinein. Gut ist, den Bodenaufbau einer Fachfirma zu überlassen und den Humus nicht mit dem Bagger hereinzubringen", betont er mit dem Verweis, dass es zwar etwas koste, aber durchaus seinen Sinn habe, diese Arbeiten mit den Gartengestaltern zu organisieren.

Wo wird was gepflanzt

Vorher zu überlegen, wo höhere und niedrigere Bepflanzung, wo Bäume als Schattenspender hinkommen, in welche Himmelsrichtung alles ausgerichtet ist, hat seine Vorteile. "Küchenkräuter etwa gehören unbedingt in die Nähe der Terrassentür, damit man nicht im Regen den ganzen Garten queren muss", rät der Profi. "Mein Ansatz ist, den Garten als kleines Paradies zu begreifen, in dem möglichst viel Fläche offen gelassen wird", sagt Ahrens. Er ist gelernter Bühnenbildner, der Zufall und die Liebe zu seiner Frau Veronika Schmeikal, weitum bekannte Gärtnerin in Salzburg, brachten ihn in das Berufsfeld Gartengestaltung. "In beiden Berufen geht es um das optische Gestalten, um die Wirkung von Formen und Farben, um Vorstellungskraft, Entwerfen und Pläne zeichnen. Und alles hat mit Geld zu tun", gesteht er schmunzelnd.

Ausgiebig mit Gartenplanung, Kultivierung und ökologischem Pflanzenschutz bis hin zur Schädlingsbekämpfung haben sich Fiona Kiss und ihr Mann Andreas Steinert beschäftigt. Schon seit Jahrzehnten arbeiten die beiden auf diesem Gebiet und geben ihr Wissen in Beratungen, aber auch in Büchern weiter.

Wie umgehen mit Schädlingen

Nach dem Handbuch "Pflanzenschutz im Biogarten", gedacht für Lehrende, Profis und interessierte Hobbygärtner/-innen, haben sie zuletzt "Wer knabbert da an meinem Gemüse" herausgebracht. Mit viel Humor und anschaulich beschrieben erklären sie darin, wie man sein Gemüse vor dreisten "Mitessern" schützt. Nicht nur klären sie auf, wie man die ärgerlichen Tierchen wieder loswird, sondern sie erzählen auch Interessantes, Skurriles oder sogar Wunderbares über sie. "Die gar nicht geliebten Maulwurfsgrillen beispielsweise sind im Grunde Nützlinge, die Rasenschädlinge fressen. Nur wenn sie zu viele werden, gehen sie auch an Wurzeln. Da hilft absammeln oder in schweren Fällen Nematoden ausbringen. Bemerkenswert ist jedoch, dass sie mit ihren Jungen einige Tage lang, nach dem Schlüpfen, auf die Jagd gehen", schildert Fiona Kiss.

Sie empfiehlt vor allem, gleich zu Beginn der Beetplanung die Wegeführung zu beachten, damit die Erde locker bleibt. Der Boden sollte immer mit Kompost "gefüttert" werden und diverse Ansätze wie Brennnesseljauche oder Komposttee verwendet werden. "Komposttee ergibt einen Sud aus wirkungsvollen Mikroorganismen, ein wahres Wundermittel, das positive Bakterien und Pilze einbringt, die die negativen in Schach halten." Mischkulturen - Pflanzen die sich gegenseitig unterstützen und Schädlinge ablenken - bringen ebenfalls gute Erfolge. "Typisch ist Karotte und Zwiebel zusammen zu setzen, das funktioniert bestens. Aber manche können sich buchstäblich nicht riechen. Nachtschattengewächse wie Tomaten, Auberginen, Erdäpfel nebeneinander sind keine gute Idee, denn die haben dieselben Schädlinge. Bohnen zu den Kartoffeln funktioniert super", betont die Expertin und plädiert für Multikulti im Garten wie im Leben.



Wer knabbert da an meinem Gemüse?
Ratgeber: Don't panic im Gemüsegarten

Eine wild gewordene Horde kleiner Plagegeister hat sich auf dem leuchtenden Mangold niedergelassen?
Weiße, mosaikartige Flecken verbreiten sich auf den prächtigen Tomatenpflanzen?
Fiona Kiss und Andreas Steinert, ihr Ehemann, zeigen mit viel Humor, nützlichen Tipps und Tricks, wie man sein Gemüse vor dreisten Ernteabstaubern schützt.

Mit über 40 Artenporträts lässt sich herausfinden, wer die Übeltäter sind. Es wird über Rausschmissmethoden aufgeklärt, aber auch jede Menge Wunderbares über die kleinen Tierchen erzählt.

Aufgerufen am 05.07.2022 um 11:53 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/bauen-wohnen/gartengestaltung-naturnah-und-mit-viel-abwechslung-119153689

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