Bauen & Wohnen

Ein Haus aus Holz am Gelände des LKH Salzburg als Zuhause auf Zeit für Familien

Die Salzburger Ronald-MacDonald-Kinderhilfe ist vor Kurzem in ein neues Gebäude aus Holz übersiedelt.

Das neue Gebäude der Ronald-MacDonald-Kinderhilfe bietet den Eltern und Geschwistern schwer kranker Kinder eine Wohnmöglichkeit für die Dauer der Behandlung. SN/albrecht imanuel schnabel
Das neue Gebäude der Ronald-MacDonald-Kinderhilfe bietet den Eltern und Geschwistern schwer kranker Kinder eine Wohnmöglichkeit für die Dauer der Behandlung.

Damian war noch nicht einmal ganz sechs Jahre alt, als im Jahr 2017 bei ihm eine Leukämieerkrankung festgestellt wurde. Die Diagnose veränderte nicht nur das Leben des kleinen Buben, sondern auch das seiner Eltern und Geschwister schlagartig. Der Kampf gegen den Krebs machte eine schnelle stationäre Behandlung des Kindes sofort erforderlich und so wurde zwei Monate lang das Krankenhaus zum Lebensmittelpunkt der gesamten Familie. Während dieser Zeit fanden Damians Eltern und seine Geschwister eine Bleibe im Ronald-MacDonald-Kinderhilfe-Haus in Wien. Dieses "Zuhause auf Zeit" hat es den Eltern des Buben ermöglicht, so nah wie möglich bei ihrem Kind zu sein. Heute, fünf Jahre später, hat sich Damian von seiner schweren Erkrankung wieder erholt. Die Geschichte hat einen guten Ausgang genommen. Wie sein großes persönliches Vorbild - der Superheld Hulk - hat der Bub erfolgreich gegen seinen Feind, den Krebs, angekämpft. Die Beziehung zum Kinderhilfe-Haus wird von der Familie nach wie vor gepflegt. Bis heute arbeitet Damians Mutter ehrenamtlich für die Einrichtung. Sie möchte, sagt sie heute, ein bisschen von der Hilfe zurückgeben, die sie hier bekommen hat.

Damian während seiner Behandlung. SN/rmd-kinderhilfe
Damian während seiner Behandlung.

Ein "Zuhause auf Zeit"

"Um Familien mit schwer kranken Kindern in ihren schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen, wurde 1985 das erste europäische Ronald-McDonald-Haus in Amsterdam eröffnet", sagt Karin Schmidt, Vorstand der Kinderhilfe Österreich. "Heute stehen Familien weltweit über 368 dieser Häuser zur Verfügung." Allein in Österreich finden jährlich rund 1200 betroffene Familien in den Einrichtungen ein "Zuhause auf Zeit", solange ihr Kind im Spital behandelt wird. Auch in Salzburg besteht seit Langem eine Niederlassung der Ronald-MacDonald-Kinderhilfe. Mit Februar des heurigen Jahres ist die Einrichtung aber nicht nur deutlich größer geworden, sondern wurde nun auch räumlich in das Klinikgelände integriert. Direkt auf dem Grund der Salzburger Landeskliniken wurde im letzten Jahr ein fünfgeschoßiges Holzwohngebäude errichtet, das insgesamt 16 Apartments für Familien bereitstellt. Das Grundstück wurde der Kinderhilfe vom Land Salzburg zur Verfügung gestellt, der Neubau zu 100 Prozent aus Spenden finanziert. Für den laufenden Betrieb des Hauses sei man auch weiterhin auf die Unterstützung durch Spender und Helfer angewiesen, erklärt Karin Schmidt. "Die Familien, die unsere Hilfe in Anspruch nehmen, entrichten lediglich einen geringen Unkostenbeitrag."

Holz schafft Vertrauen

"Dass das neue Kinderhilfe-Wohnhaus in Salzburg ein Holzbau geworden ist, war kein Zufall", erzählt Schmidt. "Schon in unserem Grazer Kinderhilfe-Haus haben wir gute Erfahrungen mit Holz als Baustoff gemacht und wollten diesen Weg auch in Salzburg weiter beschreiten." Warum hat sich gerade Holz als idealer Baustoff erwiesen? "Die Lebenssituationen, in denen sich die betroffenen Familien befinden, sind außergewöhnlich belastend", sagt Schmidt. "Es ist absolut wichtig, dass sich Eltern mit ihren Kindern in unseren Häusern schnell einleben können. Holz trägt durch seine Eigenschaften viel dazu bei, eine behagliche und vertraute Wohnumgebung entstehen zu lassen." Und tatsächlich: Beim Betreten des neuen Kinderhilfe-Hauses in Salzburg wird die Wirkung des Materials schnell spürbar: Man sieht, riecht und spürt das Holz überall im Gebäude. Es ist eine Atmosphäre, die einladend, warm und behaglich wirkt.

Das Kinderhilfe-Haus als neue Anlaufstelle. SN/albrecht imanuel schnabel
Das Kinderhilfe-Haus als neue Anlaufstelle.

Austausch oder Rückzug

Architekt Tom Lechner hat für die großen und kleinen Bewohner des Hauses eine helle, freundliche und großzügige Umgebung gestaltet, die sich zum grünen Park des Landeskrankenhauses hin weit öffnet. Straßenseitig bildet das Gebäude dagegen fast eine Art Wall, der die Bewohner vom urbanen Geschehen abschirmt. Auch was seine Funktionen betrifft, ist das Gebäude unterteilt: "Das Erdgeschoß bildet gewissermaßen das Kommunikations- und Begegnungszentrum", erklärt Lechner. "Hier können sich die Familien treffen, kochen, reden und austauschen." Eine einladende Lounge, eine große Gemeinschaftsküche mit Essbereich und -tischen, ein Spielzimmer und das Büro der Hausleitung sind auf dieser Ebene untergebracht. Gleichzeitig bestehe aber auch die Möglichkeit zum Rückzug, erläutert der Altenmarkter Architekt. Die Art und Weise, wie Menschen mit der Erkrankung ihrer Kinder umgehen, sei schließlich unterschiedlich: Während einige Familien den Kontakt mit anderen eher suchten, zögen sich andere wiederum zurück. "Das neue Haus verfügt über die Qualität, dass es beiden Möglichkeiten Raum gibt." Ein neues Element bildet auch ein überdachter Gang im Erdgeschoß, der das Kinderhilfe-Haus nun direkt mit dem Krankenhaus verbindet. Durch diese Verbindung können Eltern zu jeder Tages- und Nachtzeit sicher und geschützt ins Krankenhaus zu ihren Kindern gelangen.

Das Kinderhilfe-Haus als neue Anlaufstelle. SN/rmd-kinderhilfe
Das Kinderhilfe-Haus als neue Anlaufstelle.

Geräumige Apartments

Verteilt auf die vier Obergeschoße stehen den Familien verschieden große geräumige Apartments zur Verfügung, die allesamt auch mehrere Schlafmöglichkeiten für Geschwisterkinder bereitstellen. In vier größeren Apartments gibt es auch eigene Küchen. "Obwohl es auf den ersten Blick wirkt wie ein Hotel, leben die Familien im Kinderhilfe-Haus ein bisschen wie in einer WG", berichtet Hausleiterin Andrea Hofer, die seit elf Jahren zum Ronald-MacDonald-Kinderhilfe-Team gehört. Gleich wie in einem echten Zuhause werde individuell gefrühstückt, gekocht oder die Wäsche gewaschen. Es sei nicht ungewöhnlich, dass die Aufenthalte im Kinderhilfe-Haus bis zu drei Monate andauern, führt Hofer aus.

Dass die Kinderhilfe nach Jahren der Planung und Vorarbeit nun endlich in ihr neues Domizil übersiedeln konnte, freut Hofer sehr: "Der Neubau ist ein Platz der Ruhe und Geborgenheit geworden. Wir hoffen, dass wir auch künftig dazu beitragen können, den Familien ihre schwere Zeit ein bisschen leichter zu gestalten. Schwer kranke Kinder brauchen eines nämlich am nötigsten: die Nähe und Fürsorge ihrer Familie."

Aufgerufen am 18.05.2022 um 05:42 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/bauen-wohnen/ein-haus-aus-holz-am-gelaende-des-lkh-salzburg-als-zuhause-auf-zeit-fuer-familien-120418756

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