Bauen & Wohnen

Cool im Pool bleiben - trotz steigender Preise

Seit Pandemiebeginn boomen private Pools. Gleichzeitig wird der Schwimmbadbetrieb durch die stetig steigenden Energiepreise immer kostspieliger. Wie es trotzdem gelingen kann, die Betriebskosten in den Griff zu bekommen.

Die Nachfrage nach privaten Schwimmbädern ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. SN/Luis Viegas - stock.adobe.com
Die Nachfrage nach privaten Schwimmbädern ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen.

Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik geht im Juni und Juli von überdurchschnittlich hohen Temperaturen aus. Da tut eine Abkühlung gut. Poolbauer freuen sich seit Beginn der Pandemie vor zwei Jahren über volle Auftragsbücher. Manche sprechen sogar von doppeltem Auftragsvolumen im Vergleich zu vorpandemischen Zeiten. Wer noch in diesem Sommer im eigenen Gartenpool untertauchen möchte, sollte sich also rasch entscheiden, weil mit Wartezeiten zu rechnen ist. Andererseits ist wegen der steigenden Energiepreise eine grundsätzliche Abwägung notwendig: Stehen die Investition und die laufenden Betriebskosten überhaupt dafür? Die Anschaffungskosten liegen zwar bei "Selbstaufstellern" unter 1000 Euro. Versenkte Fertigpools aus glasfaserverstärktem Kunststoff gibt es um 7000 Euro. Aber manche sind bereit, richtig viel Geld und Energie in den privaten Badegenuss zu stecken: für Becken aus Edelstahl oder Naturstein, Massagedüsen und Gegenstromanlagen. Die Kosten dafür beginnen bei etwa 30.000 Euro und sind nach oben hin offen - für eine Anschaffung, die in unseren Breiten vier bis maximal fünf Monate im Jahr nutzbar ist.

Rechnet sich die Investition?

Ist der Pool fertig, laufen die Betriebskosten an: für Wasser, die Wasseraufbereitung mit Chlor oder Natriumchlorid, Heizung und Filterpumpen und eventuell auch einen Reinigungsroboter. Ein Pool mit Maßen von acht mal vier Metern schluckt mindestens 45.000 Liter Wasser. Das entspricht jener Menge, die ein Mensch durchschnittlich in einem ganzen Jahr verbraucht. Wenn im Frühsommer zu viele Haushalte ihre Pools gleichzeitig befüllen, verzeichnen Salzburgs Umlandgemeinden immer wieder Wasserknappheit. Nicht verwunderlich, haben doch österreichweit bereits 150.000 Haushalte ihren "Badestrand" im eigenen Garten und jedes Jahr kommen rund 4000 weitere dazu.

Energie für den Poolbetrieb

Eine Warmwasseraufbereitung soll das Wasser von frischen neun Grad aus der Leitung auf über 20 Grad heben. Für die gesamte Betriebszeit muss danach die natürliche Wasserabkühlung von rund zwei Grad pro Nacht ausgeglichen werden. Energieberater Andreas Schmidt von der Salzburg AG: "Die Heizung ist der mit Abstand größte Kostenfaktor bei einem Pool. Mit einer Ölheizung kann sie bis zu 6500 Euro im Jahr ausmachen." Da ist zu überlegen, ob der Pool überhaupt beheizt werden soll. Wenn doch, rät Schmidt zu einer Luftwärmepumpe: "Die laufenden Kosten liegen bei einem Sechstel gegenüber der Ölheizung, also knapp über 1000 Euro. Ideal ist die Kombination mit einer bestehenden Photovoltaikanlage. Das senkt die Kosten noch einmal deutlich. Alternativ dazu sind auch Sonnenkollektoren möglich. Diese brauchen gar keine Energie, heizen das Wasser aber nicht so verlässlich wie eine Wärmepumpe. Sie funktionieren nur, wenn die Sonne scheint."

Bild: SN/Marco Riebler
„Poolheizungen sind der größte Kostenfaktor.“ Andreas Schmidt, Energieberater

In einem klassischen Pool läuft außerdem täglich die Filterpumpe für acht bis zehn Stunden, damit das Wasser nicht kippt. Auch auf diesen Kostenpunkt wirken sich die gestiegenen Energiepreise aus. Energieberater Andreas Schmidt geht von 25 Prozent plus bei den Betriebskosten aus. Bei einem Acht-mal-vier-Meter-Pool wäre das ein Sprung von rund 250 Euro im Vorjahr auf 310 Euro in diesem Sommer. Und dazu kommen eventuell noch Gegenstromanlagen und Massagedüsen oder beispielsweise Poolroboter, welche zusammen weitere 350 Euro ausmachen.

Überschaubare Kosten

Wer seinen Pool neu plant, sollte die Rahmenbedingungen für einen möglichst energieeffizienten Betrieb im Auge haben. Standort, Poolgröße, Dämmung und Abdeckung wirken sich auf die späteren Kosten aus. Schon beim Aufstellort wird viel falsch gemacht: Stehen Bäume am Beckenrand und fällt Schatten auf die Wasseroberfläche, wirkt sich das unmittelbar auf die Heizkosten aus. "Pralle Sonne heizt den Pool natürlich am besten auf", sagt Andreas Schmidt: "Je mehr Sonnenenergie, umso geringer sind die Kosten. Bei einem idealen Standort ist zu überlegen, ob nicht die Sonne allein zum Aufwärmen ausreicht." Abends rechtzeitig zugezogene Poolabdeckungen oder -überdachungen verhindern, dass das Wasser über Nacht stärker abkühlt. Energieberater Andreas Schmidt spricht von 30 Prozent, die sich durch eine Dämmung der Poolaußenwände plus eine Abdeckung einsparen lassen. Je länger ein Pool im kühlen Herbst betrieben wird, umso höher werden die Kosten für die Heizung. Spätestens im Oktober ist es in unseren Breiten empfehlenswert, den Pool einzuwintern.

Wie hoch sind die Kosten bei den verbreiteten Modellen zum Selbstaufstellen? Zu den Vorteilen zählt, dass nicht unbedingt ein Poolbauer gebraucht wird, der Aufstellort flexibel gewählt werden kann und die Poolheizung meist überflüssig ist. Üblicherweise erwärmen Sonne und Umgebungstemperatur das Wasser ausreichend. Die Wärmeverluste über Nacht sind allerdings deutlich höher als bei einem im Boden versenkten Pool. Andreas Schmidt empfiehlt deshalb die Abdeckung mit einer Solarfolie. Sie hält die Wassertemperatur besser und wärmt zusätzlich bei Sonneneinstrahlung.

Beste Klimabilanz im Teich

Beim Wasser, beim Chemieeinsatz und auch bei den laufenden Energiekosten radikal sparen: Das gelingt am besten mit einem Naturpool oder einem Schwimmteich. Beide Varianten benötigen gar keinen Wasserwechsel und auch kein Chlor. Sie unterscheiden sich lediglich darin, wie das Wasser gefiltert und aufbereitet wird. Bei einem Schwimmteich machen das Pflanzen. Allerdings lockt der naturähnliche Lebensraum üblicherweise auch ungebetene Badegäste wie Frösche, Kröten und Blindschleichen an.

Klares Wasser ohne Chemie

Immer stärker nachgefragt werden Naturpools, die ebenso ganz ohne Chemie auskommen. Wie in einem Gebirgsbach übernehmen hier Steine die Reinigung. Auf den ständig umflossenen Kieseln bildet sich ein Film, der wie ein biologischer Filter funktioniert. Das Wasser bleibt dadurch klar und nährstoffarm und ist so für Amphibien weniger interessant. Als Kostenpunkt fällt beim Naturpool nur die Poolpumpe ins Gewicht, die idealerweise 24 Stunden am Tag laufen soll, also mehr als doppelt so lang wie in einem herkömmlichen Pool.
Wenn er nicht beheizt wird, verbraucht ein Schwimmteich gar keine Energie. Der Wasserspaß ist dadurch jedoch stärker vom Wetter abhängig und die Badesaison um einiges kürzer. Bei Ressourcenverbrauch und Klimabilanz schneidet diese Variante jedoch eindeutig am besten ab. Experten empfehlen aber, sich auch bei der Planung von Schwimmteichen und Naturpools auf das Know-how eines Profis zu verlassen, damit das Badevergnügen ungetrübt bleibt.

Aufgerufen am 15.08.2022 um 05:57 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/bauen-wohnen/cool-im-pool-bleiben-trotz-steigender-preise-122215111

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