Bauen & Wohnen

Brandschutz: Vorbeugen ist besser als löschen

Mögliche Brände im betrieblichen Umfeld werden mit Sensoren entdeckt. Ortsfeuerwehren müssen sich auf spezifische Anforderungen einstellen.

Kraftwerkskaverne Limberg II: umfangreiche Sensorüberwachung und eine eigene Betriebsfeuerwehr für den Brandschutz.  SN/verbund
Kraftwerkskaverne Limberg II: umfangreiche Sensorüberwachung und eine eigene Betriebsfeuerwehr für den Brandschutz.

Brandschutz, das ist nicht nur ein Faktor im Wohnbau, sondern mehr noch im betrieblichen Umfeld und bei Infrastrukturbauten. Kommt es bei solchen Objekten zum Brand, kann das weitreichende Folgen für die Menschen und die Umgebung haben. Dementsprechende Vorbeuge- und Überwachungsmaßnahmen sind notwendig. "Betriebe müssen dafür die notwendigen Maßnahmen setzen, zum Beispiel auch selbst löschende Anlagen", sagt der Salzburger Landesfeuerwehrkommandant Günter Trinker. Handle es sich um ganz spezielle Betriebe beziehungsweise Infrastruktureinrichtungen, würden von der Behörde Sonderalarmpläne vorgeschrieben.

Für den vorbeugenden Brandschutz gibt es spezielle Firmen, die dank der Digitalisierung inzwischen mit einer Fülle an Sensoren und Technik arbeiten können. Brücken, Kraftwerke und Bahntunnel sind etwa systemrelevante, lebenswichtige Bauten. Die durchgängige Betriebsfähigkeit ist von wesentlicher Bedeutung, denn ein Brand würde nicht nur zu enormen Sachschäden führen, sondern sich auch unmittelbar auf die Bevölkerung auswirken. Umso wichtiger ist es, die Anlagen vor Brand und Betriebsausfällen zu schützen.

Bild: SN/schreglmann
„Die Feuerwehren stellen sich auf die Anforderungen ein und üben.“ Günter Trinker, Landesfeuerwehrkommandant Salzburg

Standorte in Tausenden Metern Seehöhe oder verwinkelte Wege tief im Berg, sensible EDV-Räume und hochautomatisierte Anlagen - das sind nur einige der Herausforderungen beim Brandschutz von Infrastrukturprojekten. "In den meisten Fällen liegen zwischen der Planungsphase und der Umsetzung viele Jahre. Über diesen langen Zeitraum entwickelt sich die Technik weiter und die Bauvorgaben ändern sich. Hinzu kommt, dass Infrastrukturprojekte permanent wachsen und ausgebaut werden. All das muss schon in der Konzeption berücksichtigt werden", erklärt Robert Wieser, Leiter der Innsbrucker Niederlassung der Labor-Strauss-Gruppe, eines Fachunternehmens für Gefahrenmeldetechnik. "Wenn es brennt, kommt im Normalfall die Feuerwehr. Nicht jedoch im Kraftwerksbereich, denn hier muss zuerst der Bereitschaftsdienst die Situation beurteilen, bevor gelöscht werden kann", nennt Wieser ein Beispiel. Dies sei unbedingt erforderlich, um Bereiche mit Hochspannung vor einem Löschangriff abzuschalten, damit keine Gefahr für Mensch und Anlage besteht.

An erster Stelle stehe immer die Brandvermeidung. Feuer kann sehr hohe Sachschäden an den Bauten durch Hitze und Verrauchung verursachen. "Die Folge sind meist ein sehr lang andauernder Ausfall der Anlagen und hohe Reparaturkosten. Zusätzlich dauert es oft lang, bis die Einsatzkräfte für einen Löschangriff vor Ort sind. Ein Feuerwehreinsatz unter der Erde bedeutet darüber hinaus ein erhöhtes Gefahrenpotenzial für die Einsatzkräfte", betont der Experte.

Systeme für die Brandfrüherkennung

Für die Brandfrüherkennung braucht es unterschiedliche Systeme, wie etwa lineare Rauchmelder, Funkbrandmelder oder Rauchansaugsysteme. Bei diesen handelt es sich um aktive Systeme, die über ein Rohrleitungsnetz Luft aus dem überwachten Bereich ansaugen. Sensible Detektoren lösen Alarm aus, sobald die Rauchkonzentration einen bestimmten Wert übersteigt. "Auf großen Arealen ist es für das Personal nicht möglich, überall gleichzeitig zu sein. Dort, wo niemand ist, arbeiten zig Detektoren und Melder rund um die Uhr daran, einen Brand schnellstmöglich zu entdecken. Die Daten werden miteinander verknüpft und an die Brandmelderzentrale gesendet. Diese leitet sekundenschnell die nächsten Schritte in die Wege", erklärt Wieser.

Ziel eines effizienten Brandschutzkonzepts ist es, möglichst viele Informationen und Tätigkeiten zentral zu sammeln und steuern zu können. Für die Unterinntaltrasse der ÖBB erarbeitete seine Firma ein spezielles Brandmeldesystem, in dem 71 Zentralen in einem einzigen Ringnetzwerk von zirka 80 Kilometern mittels Lichtwellenleiter vernetzt werden konnten. Der Betreiber kann somit von jeder Zentrale aus das gesamte System einsehen und bedienen. Dies bietet einen enormen Vorteil gegenüber einer sogenannten Insellösung, bei der dies nur am jeweiligen Leitstand durchgeführt werden kann. Auf der Strecke von Innsbruck nach Kufstein sorgen nun 537 Multisensoren, 223 Handfeuermelder und 22 Rauchansaugsysteme für höchste Sicherheit. Hinzu kommen 145 Sirenen, 62 Blitzleuchten und 52 Feuerwehrbedienfelder.

Schwachstelle EDV-Raum

Schon ein technischer Defekt im EDV-Raum kann verheerende Folgen haben. Bei unzähligen Elektroverteilern, Elektromotoren und Kabeln ist die Zahl der Gefahrenquellen groß. EDV-Räume etwa von Infrastruktureinrichtungen werden daher mit besonders sensiblen Detektoren bewacht. "Im Ernstfall werden über die Brandmelderzentrale unterschiedliche Löschsysteme in Gang gesetzt. Um Löschschäden möglich gering zu halten, kommen bei technischen Einrichtungen Gaslöschmittel zum Einsatz", erklärt Wieser. Die Brandbekämpfung werde somit eingeleitet, bevor die Feuerwehr vor Ort sei.

Personenschutz ist auch unter erschwerten Bedingungen extrem wichtig. Wieser: "Wenn etwa in einem Bergwerk nur wenige Ein- und Ausgänge zur Verfügung stehen, werden Rauchabzugsklappen integriert, die helfen, Fluchtwege frei zu halten. Brandschutztüren schotten einzelne Brandabschnitte effektiv ab."

Ein Beispiel für komplexe, aus mehreren zusammenhängenden Anlagen bestehende Infrastrukturprojekte ist die Kraftwerksgruppe Kaprun. Sie umfasst mehrere Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke samt zugehörigen Talsperren im Salzburger und Kärntner Teil der Glocknergruppe. Aktuell sind 32 zum Teil vernetzte Brandmelderzentralen am zentralen Leitstand mit 177 Plänen und 5000 verwendeten Symbolen zusammengeführt. Mehr als 1500 Melder und 25 Rauchansaugsysteme sorgen dafür, dass ein Brand kein Risiko für einen Erzeugungsausfall darstellt und die Stromversorgung gesichert wird.

4 Betriebsfeuerwehren im Bundesland Salzburg

Kommt es in Betrieben oder Infrastruktureinrichtungen dennoch zum Brand, dann sind auch die lokalen Feuerwehren gefordert. "Im Fall der Tauernkraftwerke gibt es aber eine eigene Betriebsfeuerwehr", erklärt Landesfeuerwehrkommandant Günter Trinker: "Sie ist eine von vier im Bundesland Salzburg, neben jener der Tauernkraftwerke sind das bei Kaindl, dem Flughafen und AustroCel in Hallein." Diese Betriebsfeuerwehren sind auf die spezifischen Anforderungen im Betrieb ausgerichtet und erhalten von den lokalen freiwilligen Feuerwehren (FF) Unterstützung. Diese müssen sich laut Trinker jeweils mit den spezifischen lokalen Anforderungen auseinandersetzen und vor allem "üben, üben, üben".

Beispiel Tunnel: "Für die spezifischen Anforderungen braucht es eine spezielle Ausrüstung", sagt Trinker. "Die Portalfeuerwehren auf beiden Seiten haben eine entsprechende Ausrichtung." So seien spezielle "Tunnelfahrzeuge" anders ausgestattet, etwa mit sieben statt der üblichen drei Atemschutzausrüstungen. Für den Eisenbahntunnel Böckstein-Mallnitz verfügten die ÖBB über einen Rettungszug, auf den Fahrzeuge der FF Bad Gastein auffahren können und der auch einen Tankwaggon mit Löschwasser hat. Feuerwehren, die für Betriebe mit elektrischen Anlagen zuständig sind, haben hingegen spezielle Löschmittel wie Pulver- CO2 oder auch Sand in entsprechender Menge. Trinker: "Jede Feuerwehr braucht die Unterstützung durch die Unternehmen, auch für eventuelle spezielle Ausrüstung."

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