Bauen & Wohnen

Beim Thema Nachhaltigkeit ist noch viel Luft nach oben

Durchaus viel Selbstkritik beim persönlichen Lebensstil. Eigentümer und Mieter haben ganz unterschiedliche Zugänge zum Thema.

Ein völlig nachhaltiger Lebensstil ist für viele Österreicher keine echte Alternative. SN/bernhard schreglmann
Ein völlig nachhaltiger Lebensstil ist für viele Österreicher keine echte Alternative.

Die Österreicherinnen und Österreicher stellen sich selbst in Hinblick auf die Nachhaltigkeit ihres derzeitigen Lebensstils kein durchwegs gutes Zeugnis aus. In einer aktuellen Umfrage zum Wohnbarometer der VAV antworten lediglich 17 Prozent auf die Frage, ob sie ihre eigene Lebensweise als nachhaltig bezeichnen würden, mit einem klaren Ja.
57 Prozent bezeichnen ihr Verhalten als zumindest eher nachhaltig. 23 Prozent sagen, dass sie eher nicht oder gar nicht auf Nachhaltigkeit achten. Sven Rabe, Vorstandsvorsitzender der VAV: "Der öffentliche Druck hat zu einem Bewusstsein für die Notwendigkeit eines nachhaltigen Lebensstils geführt. Gleichzeitig ist ein großer Teil der Menschen überzeugt, diesen Anforderungen nicht zu entsprechen."

Einkommen beeinflusst die Nachhaltigkeit

Bei der Einschätzung der eigenen Verhaltensweisen sind zwischen Frauen und Männern sowie unter den einzelnen Altersgruppen kaum Unterschiede zu bemerken. Diese treten erst bei einem Vergleich des ausgeübten Berufs und des Einkommens zutage. Freiberufler und Selbstständige weisen sich zu 29 Prozent selbst einen durchgängig nachhaltigen Lebensstil zu und liegen damit weit über dem Durchschnitt, bei Schülern und Studenten sind es 21 Prozent und bei den Pensionisten 18 Prozent.

Bild: SN/vav
„Mehr Bewusstsein für nachhaltigen Lebensstil.“ Sven Rabe, VAV-Vorstandsvorsitzender

In der einkommensbasierten Analyse zeigen sich die Unterschiede vornehmlich in der Gruppe der mit "eher ja" Antwortenden. Die geringste Neigung zum schonenden Umgang mit Ressourcen schreiben sich hier die Studienteilnehmer mit einem Einkommen bis 2500 Euro monatlich zu. Sie antworten zu 17 Prozent mit "ja" und zu 50 Prozent mit "eher ja". Bei niedrigen Haushaltsbudgets bis 1500 Euro liegt die persönliche Einschätzung mit 19 Prozent "ja" und 57 Prozent "eher ja" merkbar über dieser Latte. In der Einkommensgruppe bis 3000 Euro wird deutlich häufiger, mit 64 Prozent, ein "eher ja" gewählt. 17 Prozent entscheiden sich für ein klares "ja". Bei Einkommen über 3000 Euro liegt das Votum für "ja" gleichfalls bei 17 Prozent und "eher ja" kommt auf 61 Prozent.

Je größer der Ort, in dem die Befragten wohnen, umso eher sind die Studienteilnehmer von der Nachhaltigkeit ihres Lebensstils überzeugt. An der Spitze stehen Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern, in denen 80 Prozent meinen, einen ökologisch vertretbaren Lebensstil zu pflegen. Zehn Prozent wählten klar das "ja", 70 Prozent "eher ja". In Orten mit bis zu 5000 Einwohnern fällt das Votum mit 18 Prozent "ja" und 55 Prozent "eher ja" hingegen selbstkritischer aus. Bei mittleren Siedlungsgrößen bis zu 50.000 Einwohnern wählten 14 Prozent "ja" und 62 Prozent "eher ja". Wohnungs- und Hauseigentümer sehen ihre Lebensweise nachhaltiger als Mieter. Von den Mietern halten 69 Prozent ihre Lebensgewohnheiten für nachhaltig oder eher nachhaltig (15 Prozent "ja", 54 Prozent "eher ja"). Bei Eigentümern sind es mit 78 Prozent - 18 Prozent "ja" und 60 Prozent "eher ja" - deutlich mehr.

Viele gute Vorsätze

Der Weg in die Zukunft ist allerdings mit guten Vorsätzen gepflastert. Auf die Frage "Werden Sie Ihren Lebensstil künftig nachhaltiger und umweltschonender gestalten?" antwortet eine Mehrheit mit "ja" oder "eher ja" (zwölf Prozent "ja", 46 Prozent "eher ja"). 35 Prozent (neun Prozent "nein", 26 Prozent "eher nein") wollen allerdings nichts ändern und ungewöhnlich viele Teilnehmer, sechs Prozent, haben keine Meinung oder möchten diese nicht teilen.

Bei dieser Frage ist eine, wenn auch schwach ausgeprägte, unterschiedliche Sichtweise zwischen den Geschlechtern zu vermerken. Während elf Prozent der Männer sicher und 44 Prozent "eher" ihren Ressourcenverbrauch drosseln wollen, sind es bei den Frauen 13 Prozent, die dies sicher tun werden, und 48 Prozent "eher".

Absicht zur Veränderung bei Jüngeren höher

Einen klaren Einfluss übt das Alter der Befragten aus. Je jünger, umso ausgeprägter ist die Absicht zu einer Veränderung. Zwischen 18 und 29 Jahren wählen 16 Prozent "ja", während es bei 50 plus nur noch neun Prozent sind. Bei Einkommen über 3000 Euro zeigt sich ein stärkeres Bewusstsein für Veränderung als in niedrigeren Einkommensgruppen. In der Kohorte der Bestverdiener wählen 13 Prozent "ja" und 55 Prozent "eher ja". Auch bei Wohneigentümern sind gute Vorsätze mit 13 Prozent "ja" und 48 Prozent "eher ja" weiter verbreitet als unter Mietern, die zu zehn Prozent mit "ja" und 45 Prozent mit "eher ja" stimmen.

Aufgerufen am 18.08.2022 um 07:19 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/bauen-wohnen/beim-thema-nachhaltigkeit-ist-noch-viel-luft-nach-oben-118419724

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