Bauen & Wohnen

Auf die Wartung im Immobilienbereich kommt's an

Immer mehr Geräte und Anlagen benötigen regelmäßiges Service. Ein Salzburger Baumeister hat dafür eine App für private und gewerbliche Immobilienbesitzer entwickelt.

 SN/rei development

Schon einmal vergessen, das jährliche Pickerl für's Auto machen zu lassen? Wahrscheinlich nicht, zu groß ist die Angst vor einer Verkehrskontrolle mit anschließender Strafzahlung.

In anderen Zusammenhängen sind die Menschen dagegen meist nicht so genau, wenn es um Prüf- oder Wartungstermine geht. Etwa im Immobilienbereich. Gerade dort gibt es seit Jahren einen ausgeprägten Trend zu neuen technischen Lösungen, vom Stichwort Smart Home bis hin zur Luftwärmepumpe. Doch auch diese Geräte - und nicht nur sie - müssen in regelmäßigen Abständen gewartet werden. Das schreibt oft genug das Gesetz zwar vor, viele halten sich aber nicht daran, sei es aus Nachlässigkeit, sei es aus Unwissenheit. Und das gilt für private Haushalte genauso wie für große Wohnbauten oder Gewerbeimmobilien.

App für die rechtzeitige Wartung von Geräten und Anlagen

"Jeder Hausbesitzer ist verpflichtet, gewisse Wartungen durchzuführen", weiß Christoph Reinhartshuber. Der gelernte Bautechniker hat deshalb eine digitale Anwendung entwickelt, die diesen Nachlässigkeiten entgegentreten soll. "Ich wende mich damit nicht an professionelle Facility-Manager, sondern an private Hausbesitzer oder auch Firmen, die sich lieber mit ihrem Kerngeschäft beschäftigen als mit solchen Themen."

Auslöser für seine Idee war ein Vorfall bei einem Kunden, bei dem sich der Inhalt eines Boilers über mehrere Stockwerke ergoss. Auslöser war, so wurde später festgestellt, ein Sicherheitsventil, das nicht gewartet wurde. Für seine "MyBuilding24" genannte Anwendung hat Reinhartshuber inzwischen alle gängigen Gerätetypen für den DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) für Anwendungen wie Heizanlagen, Luftwärmepumpen etc. eingegeben. "Der genaue Typ und die Wartungsvorschriften hängen auch vom jeweiligen Land ab", weiß der Experte. Wer die vorgegebenen Intervalle einhalte, verfüge nicht nur über eine optimal eingestellte Anlage - das ist angesichts der Energiethematik derzeit besonders aktuell -, sondern sei auf der sicheren Seite im Bereich Hygiene, etwa bei Lüftungsanlagen oder bei der Haftung, gerade auch in Bereichen, wo viele Menschen anzutreffen sind.

Keine Wartungszeitpunkte mehr übersehen und die Kosten im Blick

MyBuilding24 steht entweder als App für Handys oder auch als Webversion zur Verfügung. "Für Privatanwender ist das bei bis zu zehn Geräten kostenlos", erklärt Reinhartshuber. Nach dem Herunterladen der Software müsse man die jeweiligen Geräte einfügen. Die Wartungsintervalle muss man selbst eingeben, es sei denn, diese sind bereits hinterlegt. Erfolgt dann eine Wartung, können Dokumentationen, Protokolle oder auch Fotos hinzugefügt werden. Auch Handbücher sind oft schon zu finden. "Es gibt inzwischen Firmen, deren Techniker diese Daten direkt eingeben, wenn der Anwender den nötigen Zugang dafür freigibt."

Gespeichert werden können auch alle angefallenen Kosten. Reinhartshuber: "Das ist insofern interessant, weil man dann einen Überblick über die Instandhaltungskosten hat und den Punkt erkennt, ab wann eine Neuanschaffung günstiger ist."

Um die Wartungszeitpunkte nicht zu übersehen, gibt es einerseits Monatsberichte des Systems, andererseits auch automatische Push-Meldungen auf's Handy. "Das funktioniert vom Feuerlöscher bis zur Wärmepumpe, vom Abwassersystem bis zur Energieerzeugung", sagt Reinhartshuber. Apropos Feuerlöscher: Wartung benötigen nicht nur technische Geräte, sondern eben auch Feuerlöscher, Brandabschnitte, Notfallbeleuchtungen und Ähnliches.

Großkunden können dafür eigens entwickelte Plaketten mit einem eigenen QR-Code nutzen, den das Serviceunternehmen abruft und gleich die neuesten Protokolle für jedes einzelne Gerät eingibt. "Unter unseren Kunden sind die Salzburger Hotelbetriebe Imlauer. Sie nutzen MyBuilding24 für alle ihre Hotels. Man kann verschiedene Ebenen anlegen, in dem Fall also als erste die einzelnen Hotels", erklärt Reinhartshuber: "Ein Verantwortlicher in der Firmenzentrale kann in alle Hotelinformationen einsehen, die örtlichen Manager nur in ihr eigenes Haus." Eine weitere Ebene sind dann die einzelnen Objekte, darunter folgen die Stockwerke und dann die einzelnen Räume. Auf diese Weise können in dieser individuellen Datenbank auch außertourliche Reparaturen dokumentiert werden. "Letztlich ergibt das eine lückenlose Dokumentation über die gesamte Lebensdauer." Infrage kommende Serviceanbieter finden sich ebenso im System wie bereits abgeschlossene Serviceverträge.

Christoph Reinhartshuber weist auf die Wichtigkeit von Wartungen hin.  SN/schreglmann
Christoph Reinhartshuber weist auf die Wichtigkeit von Wartungen hin.

Reinhartshuber ist das Thema Wartung auch deshalb wichtig, weil viel übersehen werde: "Beispiel Brandschutztüren: Ein Mal im Monat muss man eine optische Überprüfung machen. Das gilt auch für Fluchtwegbeleuchtungen. Sie sollten ein Mal pro Woche auf ihr Funktionieren hin überprüft werden." Letztlich kann sich eine fehlende oder unzureichende Wartung auch zu einer Versicherungsfrage auswachsen. Wer dann eine verlässliche Aufzeichnung aller Überprüfungen, Protokolle und Maßnahmen vorweisen kann, erhöht seine Chance auf eine vollständige Übernahme der Kosten durch die Versicherung. "Das System ist außerdem so flexibel, dass es auch jenseits gesetzlicher Wartungen für allfällige regelmäßige Tätigkeiten eingesetzt werden kann. Etwa für das Pickerl beim Auto oder die Intervalle beim Rasenmähen."

Und wo werden diese teils sensiblen Daten gespeichert?

"Wir haben dafür eine Datenbank in Europa, die Daten selbst sind per Cloud weltweit abrufbar", erklärt der Firmeninhaber. Das hat inzwischen dazu geführt, dass der Salzburger sogar schon Kunden in Australien, Saudi-Arabien und den USA hat, obwohl er sich mit seinem 2020 gegründeten Unternehmen derzeit hauptsächlich auf Österreich und den deutschsprachigen Raum konzentriert. MyBuilding24 gibt es derzeit auf Deutsch, Englisch und Kroatisch, eventuell kommt bald Ungarisch dazu.

Entwickelt hat Reinhartshuber das System mit seiner Firma REI Development, deren Eigentümer er ist. Die derzeit sechs Mitarbeiter sind in der Nonntaler Hauptstraße in Salzburg beschäftigt. Seit Sommer 2022 ist die Anwendung auf dem Markt und stößt laut Eigenangaben auf großes Interesse. Er selbst hat an der HTL Salzburg Bautechnik studiert, war dann im In- und Ausland als Bauleiter und Projektleiter im Einsatz, ehe er das Planungsbüro seines Vaters vor 15 Jahren übernahm. Mit dieser Firma mit drei Mitarbeitern bietet er Planung, Bauleitung und Projektsteuerung an, sowohl für Private als auch für Gewerbe und Industrie sowie den öffentlichen Bereich.

Aufgerufen am 04.02.2023 um 12:43 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/bauen-wohnen/auf-die-wartung-im-immobilienbereich-kommt-s-an-132970456

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