Bauen & Wohnen

Auf der Suche nach den "Öko-Helden" bei Baukonzepten der Zukunft

Der Ruf nach ökologischen Baukonzepten wird lauter. Die Suche nach Zukunftsrezepten am Bau ist aber noch lange nicht zu Ende: Technologische Potenziale sollen vermehrt ausgeschöpft und innovative Wege bei Baustoffen eingeschlagen werden.

Holz rückt als ökologischer Baustoff immer mehr ins Zentrum. SN/volker wortmeyer
Holz rückt als ökologischer Baustoff immer mehr ins Zentrum.

Die zentrale Frage lautet: Wann bekommt ein Gebäude das "grüne Pickerl" der Zukunft? Grundentscheidend in der Diskussion ist für Gunther Graupner vom Kompetenzzentrum Bauforschung in Salzburg die Betrachtungsweise: "Man muss sich über den gesamten Lebenszyklus unterhalten." Ziel sei es, Gebäude zu errichten, die möglichst lang bestehen blieben. Neues Zauberwort: Lowtech statt Hightech, weg von smarten Steuerungen und vollautomatischen, wartungsintensiven Systemen. Vier Umbauten sollte ein "Gebäudeleben" verkraften. Baustoffe, die bei der Errichtung die CO2-Bilanz weiter nach oben schrauben als andere, holen über die Jahre auf.

Baustoffe und Klimaschutz: Es gibt keinen klaren Sieger

Holz erfreut sich als Baustoff großer Beliebtheit. Es formieren sich gerade in Europa Initiativen wie "Europäisches Bauhaus", die im ökologischen Wandel Nachhaltigkeit und Ästhetik vereinen wollen. Wesentlicher Vorteil: Holz bindet schon in der Wachstumsphase CO2 und ist damit in der regionalen Anwendung nachhaltig. Die Biodiversität leidet aber, weil ein verstärkter Holzbedarf Monokulturen in der Forstwirtschaft fördert. "Holz ist nicht in der Menge verfügbar, die wir brauchen", erklärt Graupner. Zahlreiche öffentliche Gebäude, wie etwa die Krabbelstube Neumarkt oder der Kindergarten Faistenau, wurden schon erfolgreich in Vollholzbauweise errichtet. Mittlerweile werden die Bestelllisten aber immer länger. Holz soll ganz allgemein Stoffe aus den verschiedensten Bereichen ersetzen, vom Strohhalm aus Karton über Papierverpackungen statt Schaumstoffflocken bis hin zur Flut an Kartonschachteln für den Versandhandel. "Woher soll es denn kommen? Jedes Zahnbürstenstaberl sollte mittlerweile am besten aus Holz sein. Weltweit gesehen gibt es so viel Wald nicht", gibt der Bauexperte zu bedenken.

Bild: SN/kompetenzzentrum bauforschung
„Man muss sich über den gesamten Lebenszyklus unterhalten. Das Ziel ist es, Gebäude zu errichten, die möglichst lang bestehen bleiben.“ Gunther Graupner, Kompetenzzentrum Bauforschung

Auf dem angespannten Holzmarkt mit dem enormen Preisdruck spielen mehrere Faktoren mit. "Die Coronapandemie, ein strenger und langer Winter und die starke Nachfrage aus dem Ausland", beschrieb das innovative Holzbauunternehmen Meiberger aus Lofer schon im Frühjahr die Marktsituation als schwierig. Der Holzpreis stabilisierte sich mittlerweile auf hohem Niveau. Die aktuellen Preisrekorde betreffen aber das gesamte Bauwesen. Der Baukostenindex stieg im August 2021 im Vergleich zum Vorjahr um satte 14 Prozent, wie die Statistik Austria meldete.

Studie: kein Haustyp klarer Sieger

In einer Studie des Kompetenzzentrums für Bauforschung wurden Beton-, Ziegel- und Holzgebäude über einen Lebenszyklus verglichen. Überraschend ging in dem Öko-Ranking kein Haustyp als klarer Sieger hervor. Das eindeutig ökologisch sinnvollste Material für alle Gebäudetypen gibt es also nicht. Weit entscheidender seien Energieform und Nutzerverhalten der Bewohner, sagt Graupner. Klassisches Beispiel: der Bewohner, der im noch vor wenigen Jahren hochgepriesenen Passivhaus ständig sein Fenster gekippt hält und damit die angekündigte Energieeffizienz niemals erreicht.

Hoffnung Altbeton

Hoffnung setzen Bauherren in puncto Ökobilanz auch auf das Recycling von Altbeton. Bei mineralischen Abbruchmaterialien liegt die Recyclingquote derzeit bei rund 90 Prozent. Das deckt allerdings nur rund neun Prozent jener Menge ab, die derzeit für den Neubau benötigt wird. Die Salzburg Wohnbau geht gemeinsam mit Deisl-Beton schon die nächsten mutigen Schritte: Bei einem Wohnbauprojekt in Schwarzach wurden bereits 1100 Tonnen Recyclingmaterial verbaut. Beim zweiten Projekt, dem Neubau der Volksschule Anif, wurde drei Mal so viel Bauschutt wiederverwertet. Eine Musterwand besteht dort sogar schon zu 100 Prozent aus Altbeton. Es lohnt sich dabei, in das Musterland Schweiz zu blicken, wo diesbezüglich schon viel Erfahrung gesammelt wurde.

Ehrgeizige Ziele werden aus erneuerbaren Quellen befeuert

Das Kompetenzzentrum Bauforschung ist der Forschungsarm der ausführenden Bauwirtschaft. Eine große Initiative rund um das Thema Bauteilaktivierung, wo Baustoffe wie ein großer Speicherakku funktionieren, ist gerade im Laufen. In puncto Energieversorgung leisten innovative Speicherformen einen umweltschonenden Beitrag. "Es kann nicht mehr auf unendlich viele Energiequellen zugegriffen werden. Steigerungspotenziale gibt es noch bei Photovoltaik und Wind", betont Gunther Graupner. Der Kampf gegen Windräder erweist sich aber in vielen Regionen Österreichs als Ökodilemma. Ein weiterer Knackpunkt ist, dass die Energiewende sozial verträglich und finanzierbar sein muss, wie auch die Energiereferenten der Länder bei einer Konferenz in Maria Plain kürzlich betonten.

Ehrgeiziges Ziel: nur mehr Ökostrom in Österreich

In modernen Gebäuden kommen häufig umweltfreundliche Technologien wie Grundwasser- oder Luftwärmepumpen zum Einsatz. Derzeit sind in Österreich insgesamt noch rund 600.000 Ölheizungen und rund eine Million Gasthermen in Verwendung. Bei den gemeinnützigen Bauträgern werden bereits rund zwei Drittel der Gebäude mit Fernwärme oder aus erneuerbaren Quellen versorgt. Zahlen, die im Rahmen des "Green New Deals" noch wesentlich verbessert werden sollen. Das Ziel, Österreich binnen neun Jahren nur noch mit Ökostrom zu versorgen, ist ehrgeizig und wird mittlerweile auch von Experten angezweifelt. Alle drei bis vier Minuten müsste dafür laut Salzburg-AG-Vorstand Leonhard Schitter eine Photovoltaikanlage errichtet werden.

Photovoltaikanlage oder Gründach?

Stichwort "mehr Grün" in ökologischen Baukonzepten: Bepflanzte Fassaden und Dächer sollen die Gluthitze in Ballungsräumen, die an immer noch mehr Tagen herrscht, erträglicher machen. Die Bauherren stehen aber zunehmend vor der schwierigen Entscheidung: Photovoltaikanlage oder Gründach oder doch vielleicht beides? Auch Fassadenbegrünungen sprießen schon. Die Zentrale der Salzburg Wohnbau an der Alpenstraße arbeitet nach der ersten Phase derzeit noch an Verbesserungen, die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen müsse noch erhöht werden, sagt Geschäftsführer Roland Wernik. Man sei derzeit in einer Lernphase.

Ökologisch dämmen: Aber wie?

Im Fokus bleiben in Diskussionen über ökologisches Bauen auch die umweltbelastenden Dämmmaterialien: "Wir müssen uns von Stoffen, die auf Kunststoffen oder Erdöl basieren, verabschieden", fordert Stephan Gröger, Direktor der Heimat Österreich und Obmann der gemeinnützigen Bauvereinigungen in Salzburg.

Experten raten allerdings, auch bei ökologisch klingenden Materialien wie Jute, Hanf oder Flachs sollten die gesamte Energiebilanz und die Verfügbarkeit in die Überlegungen einfließen. In städtischen Bauprojekten wie dem Vorhaben Dossenweg der Heimat Österreich im Stadtteil Gneis, wo auch Bürger schon in der Planungsphase mitreden, wird zunehmend intensiv um mehr Holz in der Fassadengestaltung gekämpft. Politisch gibt es dazu schon Rückhalt, die Preise laufen trotzdem weiter davon.

Planer, Wohnbauträger und ausführende Handwerker wollen beziehungsweise können in der Klimadiskussion einen wesentlichen Beitrag leisten. Der Gebäudebereich ist derzeit noch für etwa ein Drittel aller CO2-Emissionen in Österreich verantwortlich: "Wir sind aber nicht das Sorgenkind Nummer eins. Die Emissionen steigen nicht mehr jährlich kontinuierlich an, da haben wir unsere Hausaufgaben gemacht", erklärt Gunther Graupner, der den Umstieg auf alternative Energieformen noch als wesentlichen Punkt auf der To-do-Liste am Bau sieht.

Aufgerufen am 08.12.2021 um 02:21 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/bauen-wohnen/auf-der-suche-nach-den-oeko-helden-bei-baukonzepten-der-zukunft-112614088

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