Bauen & Wohnen

Alles im Trockenen - Was tun bei feuchten Wänden?

Feuchte Mauern sind der Albtraum eines jeden Hausbesitzers. Wie eine professionelle Sanierung erfolgt und welche Methoden dabei angewendet werden, wissen zwei Tennengauer Experten.

Seit über 30 Jahren ist die Gollinger Firma Schorn auf dem Gebiet der Bauwerkssanierung tätig. Mit welchen Maßnahmen feuchten Kellern und Wänden zu Leibe gerückt wird, erklären die Junior-Geschäftsführer Patrick und Rupert Schorn.

Was sind die Problembereiche, mit denen Sie in der Praxis am häufigsten konfrontiert sind? Patrick Schorn/Rupert Schorn: Es sind hauptsächlich drei verschiedene Problemfelder, mit denen wir in unserem Betrieb befasst sind. Erstens das Szenario der aufsteigenden Feuchtigkeit. Dabei tritt Wasser vom Untergrund durch die Kapillaren ins Mauerwerk und beschädigt es. Zweitens das seitliche Eindringen der Nässe in den Innenraum, zum Beispiel durch die Boden-Wand-Fuge. Als drittes häufiges Problem besteht auch die aufsteigende Bodenfeuchtigkeit, die sich etwa durch eine Grundwasserproblematik ergibt. Der Vollständigkeit halber muss man auch die Kondensationsfeuchte hier nennen. Diese entsteht durch Kondensation von Wasserdampf häufig dann, wenn ein großer Unterschied zwischen der Temperatur der Außenwand und jener der Raumluft vorherrscht.

Welche unterschiedlichen Anzeichen gibt es, dass ein Mauerwerk feucht ist? Hier gibt es eine Reihe von sichtbaren Anzeichen, wie etwa Putzschäden, Ausblühungen oder den Austritt von Mauersalzen. Man kann die Feuchtigkeit natürlich auch riechen. Wenn einmal Schimmel sichtbar ist, ist aber sicher schon das sprichwörtliche Feuer am Dach.

Treten diese Probleme hauptsächlich bei älteren Gebäuden auf? Das kann man so sicher nicht sagen. Zentral ist immer, um welche Art von Mauerwerk es sich handelt. Je nachdem, welcher Untergrund im konkreten Fall vorliegt - ob es sich um Beton, Funderstein, Ziegel oder vielleicht ein Mischmauerwerk handelt -, ergibt sich damit meistens auch eine entsprechende Ursache für die Feuchtigkeit. Darauf aufbauend kann dann ein bestimmter Sanierungsplan erstellt werden. Dabei müssen aber auch die Gegebenheiten berücksichtigt werden. Bei manchen Kunden besteht zum Beispiel die Situation, dass der feuchte (Beton-)Keller von außen nicht zugänglich ist. In so einem Fall muss die Sanierung bzw. Abdichtung dann zur Gänze im Innenbereich vorgenommen werden.

Was sind die ersten Schritte, die in einem Sanierungsplan vorgenommen werden? Je nach Problemstellung gibt es eine unterschiedliche Herangehensweise, das heißt, es kommen jeweils verschiedene Methoden und Systeme zum Einsatz. Wenn man vom Fall einer aufsteigenden Feuchtigkeit ausgeht, werden zuerst einmal Mauerproben entnommen, mit deren Hilfe man den Durchfeuchtungsgrad und die Konzentration der schädlichen Mauersalze ermittelt. Durch die Auswertung der Proben können auch Rückschlüsse darauf gezogen werden, wie lange die Situation schon besteht. Es ist nämlich auch wichtig zu wissen, ob die Nässe erst vor Kurzem eingetreten ist (etwa durch einen Riss) oder ob es sich um ein längerfristiges Problem handelt. Neben der Trockenlegung des Mauerwerks gibt es auch flankierende Maßnahmen, die vorgenommen werden sollten, damit das Problem auch wirklich dauerhaft behoben werden kann.

Ist so eine Lösung tatsächlich dauerhaft oder muss nach ein paar Jahren wieder "nachjustiert" werden? Wenn eine Sanierung fachgerecht durchgeführt wird und auch die flankierenden Maßnahmen entsprechend umgesetzt werden, ist das auf jeden Fall eine dauerhafte Lösung. Eine funktionsgerechte Mauerwerksabdichtung gegen Feuchtigkeit auf dem Baugrund besteht im Prinzip aus drei Komponenten: erstens einer Abdichtung des Bodens bzw. des Fundaments, zweitens einer Horizontalabdichtung und drittens der vertikalen Abdichtung der Wände. Wenn diese drei Teilbereiche stimmen, ist die Lösung auf jeden Fall verlässlich.

Kommen bei der Bauwerkssanierung chemische oder mechanische Methoden zum Einsatz? In unserem Betrieb werden hauptsächlich chemische Methoden verwendet. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Bohrlochsperre, die wir im Fall von aufsteigender Feuchtigkeit anwenden. Es gibt natürlich auch mechanische Verfahren in diesem Spektrum, die eingesetzt werden können.

Wie funktioniert so eine Bohrlochsperre? Dabei wird die betroffene Wandfläche bis mindestens 80 Zentimeter über die sichtbare Feuchtigkeits- bzw. Mauersalzgrenze vom schadhaften Putz befreit. Anschließend wird eine einreihige Bohrlochsperre als Sperrschicht gegen die kapillar aufsteigende Feuchtigkeit hergestellt. Dabei wird in den feuchtegeschädigten Mauerwerksteilen durch Infiltrieren und druckloses Injektionsverfahren eine Spezialcreme eingebracht. Die Bohrlöcher werden zum Schluss mit einem Bohrlochverfüllmörtel verschlossen. Dadurch wird der kapillare Wassertransport gestoppt und eine weitere Durchfeuchtung der Wand dauerhaft verhindert.

Gibt es Standorte, die es aufgrund ihrer Lage unmöglich machen, ein Gebäude sicher abzudichten? Etwa beim Problem von eindringendem Grundwasser oder in Hochwassergefahrenzonen? Wenn die Abdichtungen, die für so einen Standort vorgesehen sind, ordnungsgemäß durchgeführt werden, ist das ohne Frage möglich. Solche oder ähnliche Kundenanfragen sind sogar sehr häufig. Mit diesem Problem muss man sich in keinem Fall abfinden, dafür gibt es technische Lösungen.

Es gibt auch verbindliche Ö-Normen für diesen Bereich? So ist es. Es gibt Normen, die genau jene Methoden beschreiben, die einerseits zulässig sind und andererseits auch - nachweislich - gut funktionieren. Ähnliches gilt auch für die Materialien. Wir raten deshalb auch davon ab, auf eigene Faust Versuche zu starten, weil gerade für diesen Bereich ein sehr spezifisches Wissen erforderlich ist.

Aufgerufen am 26.02.2021 um 10:49 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/bauen-wohnen/alles-im-trockenen-was-tun-bei-feuchten-waenden-99960928

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