Aktuelles & Trends

Wunsch und Wirklichkeit bei Immopreisen

In manchen Bezirken zahlten die Käufer ein Drittel weniger, als sich die Verkäufer ursprünglich wünschten.

Die Preisschere zwischen Angebotspreis und Realpreis ist teils enorm. SN/exentia - stock.adobe.com
Die Preisschere zwischen Angebotspreis und Realpreis ist teils enorm.

Sieht man die Preise bei manchen Immobilienanzeigen, dann bleibt einem oft der Mund offen ob der Höhe des gewünschten Preises. Oft genug wird einfach unverschämt viel verlangt in der Hoffnung, dass sich schon jemand finden wird, der das bezahlt.

Überteuerte Immobilien werden oft Ladenhüter

Meist geht eine solche Rechnung nicht auf, davor warnen Immobilienexperten. Denn wenn das Objekt zu teuer ist, dann wird es schnell zum Ladenhüter. Und dann kann im schlimmsten Fall nur mehr ein "Schlussverkaufspreis" erzielt werden. Dazu kommt, dass es viele Statistiken gibt, die nur auf Angebotspreisen basieren. Sie bilden nicht den echten Markt ab und sorgen lediglich dafür, dass mit vermeintlichen "Spitzenpreisen" das übrige Angebotsniveau noch mehr steigt, obwohl diese Preise tatsächlich gar nicht bezahlt wurden.

Wer also einen angemessenen Preis für seine Immobilie erzielen will, der sollte einen "Allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen" zurate ziehen, der eine realistische Einschätzung abgibt und für den Inhalt dieses Gutachtens auch haftet. Das hat den Vorteil, dass der Gutachter kein Eigeninteresse hat, weil er eben nicht der Makler ist.

Enormer Unterschied zwischen Angebots- und Kaufpreis von Immobilien

Dennoch klaffen in Österreich teils große Lücken zwischen den Angebots- und den tatsächlich erzielten Preisen, das zeigt eine Auswertung der Grundbuchspezialisten von ImmoUnited, die die Preisschere bei Wohnimmobilien genauer unter die Lupe genommen haben. Dafür wurden mehr als 100.000 Anzeigen aus dem Kalenderjahr 2020 ausgewertet. Das Ergebnis: Bei den Preisen von Wohnungen und Einfamilienhäusern gibt es teilweise noch hohen Verhandlungsspielraum, dieser ist allerdings je nach Bundesland unterschiedlich groß.

Die Differenz zwischen den Angebots- und Kaufpreisen von Wohnungen lag 2020 bei maximal 21 Prozent. Bei Einfamilienhäusern ist die Schere immer etwas größer. Der größte Unterschied lag, mit Tirol an der Spitze, bei fast 30 Prozent. Roland Schmid, Eigentümer und CEO der ImmoUnited GmbH: "Transparenz auf dem Immobilienmarkt ist eine wesentliche Voraussetzung für die fundierte Bewertung von Objekten und eine realistische Preisfindung. Nur wenn alle notwendigen Informationen vorliegen, können faire Angebote gelegt werden, die für Verkäufer und Käufer zufriedenstellend sind. Unsere Auswertungen und Preisspiegel stärken genau diese Markttransparenz und tragen erheblich zur Rechtssicherheit bei Immobilientransaktionen bei."

Auf Bundesländerebene sind Angebots- und Kaufpreise von Wohnungen näher aneinander als beim Hauskauf. Hier sticht Tirol 2020 aber immer noch mit einer Differenz von 21 Prozent hervor. In der Steiermark liegt die Preisschere bei fast 14 Prozent. Spielraum gab es auch im Burgenland mit acht Prozent, Kärnten mit sieben Prozent und Oberösterreich mit sechs Prozent. Ein genauer Blick auf die jeweiligen Bezirke der Bundesländer zeigt allerdings: Die Preisschere ist von Region zu Region enorm unterschiedlich.

Preisedifferenzen im Regionenvergleich

Mit 19 Prozent Abweichung wies Kitzbühel den größten Unterschied zwischen Angebots- und Kaufpreis auf, gefolgt von Melk mit 15 Prozent. Dahinter liegen Scheibbs (Niederösterreich), Urfahr-Umgebung (Oberösterreich) und in Wien die Bezirke Margareten, Alsergrund und Döbling, wo Verkäufer im Durchschnitt einen Abstrich von 14 Prozent machen mussten.

Der Verhandlungsspielraum in einigen Regionen war 2020 dagegen besonders klein. Sehr nah am Angebotspreis war der tatsächliche Verkaufspreis in Amstetten (Niederösterreich), Mistelbach (Niederösterreich) und Braunau am Inn (Oberösterreich) mit nur einem Prozent Unterschied. Nahezu keine Abstriche mussten auch Verkäufer in Gmunden (Oberösterreich), im Murtal (Steiermark) und Feldkirch (Vorarlberg) machen.

In Salzburg war die Differenz bei Wohnungen relativ gering, am höchsten noch in Hallein (acht Prozent) sowie in Sankt Johann im Pongau und Zell am See mit sieben Prozent. In der Stadt Salzburg lag die Preisschere bei Wohnungen nur bei drei Prozent.

Die Abweichungen zwischen Angebots- und Kaufpreis bei Wohnungen in Wien lagen bei einigen Bezirken bei oder über zehn Prozent. Die größten Unterschiede mit
14 Prozent gab es in den bereits genannten Bezirken Margareten, Alsergrund und Döbling. Die wenigsten Abstriche mussten Verkäufer in Leopoldstadt, Meidling und Brigittenau machen, hier lag die Preisschere bei lediglich zwei Prozent.

Deutlich größere Preisunterschiede als bei den Eigentumswohnungen gab es beim Verkauf von Einfamilienhäusern. Die Preisschere bewegte sich zwischen knapp drei Prozent (Vorarlberg) und rund 30 Prozent (Tirol). Nach Tirol folgt Niederösterreich mit einer Differenz zwischen Angebots- und Kaufpreis von durchschnittlich 21 Prozent. Danach reihen sich die Bundesländer Oberösterreich mit 17 Prozent, Salzburg und die Steiermark mit 15 Prozent und das Burgenland mit 14 Prozent ein. Deutlich kleiner war der Verhandlungsspielraum in Wien (neun Prozent) und Kärnten (acht Prozent). Auch bei den Preisscheren beim Hausverkauf gibt es regional große Unterschiede.

Große Abweichungen zwischen Angebots- und Kaufpreis von 28 bis 31 Prozent wurden im Burgenland in Eisenstadt-Umgebung, in Niederösterreich in Baden, Krems an der Donau, Mödling und Neunkirchen, in Salzburg in Hallein sowie in Tirol in Innsbruck-Land und Kitzbühel gemessen. Wer in der Stadt Salzburg ein Einfamilienhaus verkaufen will, muss mit einer Preisschere von 14 Prozent rechnen, im Umland der Stadt liegt der Wert immer noch bei elf Prozent.

In Wien betraf diese hohe Preisschere lediglich den Bezirk Liesing. Überdurchschnittlich hohe Preisabschläge mussten außerdem Verkäufer in Eisenstadt und Neusiedl am See (Burgenland) mit jeweils 26 Prozent Preisdifferenz hinnehmen. Dahinter folgte St. Pölten-Land mit 25 Prozent.

Besonders häufig waren sich die Verkäufer und die Käufer von Einfamilienhäusern in den Wiener Bezirken einig. Hier gab es in Favoriten und Penzing nahezu keine Preisdifferenz zwischen Angebots- und Kaufpreis. Auch in Gmünd (Niederösterreich), Murau (Steiermark) und Floridsdorf (Wien) gab es kaum preisliche Unterschiede (zwei Prozent). Lediglich drei Prozent verzeichneten ebenso die Bezirke Villach-Land (Kärnten), Freistadt (Oberösterreich), Leoben (Steiermark) und Bregenz (Vorarlberg).

Ein Blick auf das Wiener Umland zeigt: Die Differenz zwischen Angebots- und Kaufpreis war rund um die Bundeshauptstadt besonders deutlich zu erkennen. So mussten Verkäufer in Mödling auf durchschnittlich fast ein Drittel ihres ursprünglichen Angebotspreises verzichten. Aber auch in Krems an der Donau, Baden, Neunkirchen und St. Pölten-Land lag die Differenz zwischen 25 und 29 Prozent.

Wie kommt es zu den Preisunterschieden?

Die möglichen Ursachen für die Unterschiede zwischen Angebotspreisen und Kaufpreisen sind laut Studie vielfältig und variieren naturgemäß von Fall zu Fall.
Hohe Abweichungen können beispielsweise über eine überdurchschnittlich große Anzahl teurer Objekte begründet werden, die aber nur selten auch tatsächlich verkauft wurden.

Bild: SN/immounited
„Die Abgeber haben manchmal zu hohe Preisvorstellungen.“
Roland Schmid, GF ImmoUnited

Sollten diese kostspieligen Immobilien ohne Verkaufserfolg wieder vom Markt genommen oder der Verkauf zu einem niedrigeren Preis realisiert werden, öffnet dies die Schere. Schmid: "Denn in manchen Fällen liegen bezüglich Bewertung und Lage objektiv zu hohe Preisvorstellungen seitens der Abgeber vor. Oftmals stehen aber auch, beispielsweise im Hochpreissegment, durchaus realistische Preisvorstellungen einer zu kleinen potenziellen Käufergruppe gegenüber."

Aufgerufen am 05.12.2021 um 03:38 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/aktuelles-trends/wunsch-und-wirklichkeit-bei-immopreisen-108089149

Schlagzeilen