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Wimbledon: Der No.1 Court wurde aufwendig saniert

Die Fassadensysteme für den No. 1 Court kamen dafür vom Attersee. Seele aus Schörfling war maßgeblich beteiligt.

Im Tennis-Mekka Wimbledon steuerte Seele Austria aus Schörfling 8350 Quadratmeter Fassade bei. SN/seele
Im Tennis-Mekka Wimbledon steuerte Seele Austria aus Schörfling 8350 Quadratmeter Fassade bei.

Die Tenniswelt blickt derzeit nach Wimbledon zum wahrscheinlich bekanntesten Turnier der Welt. Neben Überraschungen auf dem Platz war der generalsanierte No.1 Court wohl die augenscheinlichste Neuerung. Vor 142 Jahren wurden dort die ersten Meisterschaften ausgetragen. Dem zweitgrößten Stadion in Wimbledon wurde nicht nur eine neue Fassade spendiert, sondern auch ein schließbares Dach. Verantwortlich dafür war die Firma Seele aus Bayern mit Österreich-Sitz in Schörfling am Attersee.

Für die Fassade waren die Oberösterreicher federführend verantwortlich, sowohl für den Umbau der bestehenden Fassade als auch für den kompletten Erweiterungsbau mit 15 Suiten im vierten Stock. Insgesamt wurden zirka 8350 Quadratmeter Fassade mit unterschiedlichen Materialien wie zum Beispiel Aluminium, Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff, Schichtstoffpaletten und Glas umgesetzt. Für die Modernisierung des Bestandsgebäudes setzte Seele auf Glasfassaden und verkleidete die Außenwände sowie die Stiegenhausfassaden mit "Wimbledon-grünen" HPL-Platten (High Pressure Laminate). Die Sanierung im Bestand war aufgrund der Anschlussdetails eine konstruktive Herausforderung. Individuelle Eckanschlüsse, unterschiedlichste Materialübergänge, Hinterlüftungen und nicht zuletzt die Insektensperrschichten erforderten höchste Planungssorgfalt.

Für den Erweiterungsbau setzte der Fassadenbauspezialist nach Wunsch des All England Lawn Tennis Club eine 1200 Quadratmeter große Fassade aus dem Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff WPC ein. Alle Suiten in diesem Bereich wurden möglichst transparent gestaltet, um viel freie Sicht zu erhalten.

Doch wieso kommt dafür ausgerechnet ein Unternehmen aus Schörfling zum Zug? "Von den 120 Mitarbeitern in Schörfling waren 25 Personen am Projekt von Konstruktion und Projektabwicklung bis zu Einkauf und Logistik beteiligt. Die se-austria war dabei für die gesamten Außenfassaden verantwortlich", sagt Geschäftsführer Thomas Spitzer. "Die Realisierung der 13 verschiedenen Fassadentypen war keinesfalls alltäglich für uns, weil unterschiedlichste Materialien eingesetzt wurden."

Der Anteil aus Österreich ist also groß. Spitzer: "Teilweise stammten die Materialien aus Österreich, aber auch aus Europa. Die Montage wurde von Seele durchgeführt. Ein großer Teil wurde lokal in Österreich gefertigt, aber es wurde zum Teil auch auf europaweite Lieferanten zurückgegriffen. Mit Seele-eigenen Monteuren wurden die Arbeiten am No.1 Court realisiert."

Während der Bauphase mussten die Arbeiten vor Ort zugunsten der Turniere unterbrochen werden. Das erforderte viel Flexibilität des Montageteams. Es wurden zwei Zeitfenster vorgegeben, wobei nach der ersten Bauunterbrechung bereits alles so weit sein musste, dass das Stadion bespielbar war und die Turniere ohne Einbußen stattfinden konnten.

Um die Montage zu vereinfachen und so effizient wie möglich zu gestalten, wurden ganze Elemente mit Trägern vorgefertigt. Die Wand- und Deckenbeplankung der gerundeten Suitenbalkone setzen sich in einer Breite von 1,50 Metern jeweils aus nur fünf Paneelen zusammen. Durch die Vorassemblierung konnte die Montage vor Ort reibungslos und im vorgegebenen Zeitrahmen vonstattengehen.

Wozu braucht es dafür einen Standort in Österreich, wenn Bayern ganz nah ist? Das sei vor allem historisch bedingt, sagt Spitzer: "Aus strategischen Gründen wurde die se-austria 1994 gegründet und ist wie der Stammsitz im bayerischen Gersthofen stetig gewachsen. Das Auslandsgeschäft wurde vor 23 Jahren über die se-austria erschlossen und ist damit ein wichtiger Bestandteil der Gruppe." Seele in Schörfling habe sich in den vergangenen Jahren beispielsweise auf die Märkte in Middle East und Asien konzentriert und sei daher die perfekte Ergänzung für die weltweite Präsenz von Seele. "Schörfling ist zudem ein hervorragender Standort, da wir hier viele motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben", betont Spitzer.

Es ist allerdings dennoch nicht so einfach, an Aufträge wie in Wimbledon heranzukommen. "Die ausgezeichneten Beziehungen zu unseren Kunden vereint mit außergewöhnlichem Know-how sind sicher förderlich für das Gewinnen von Aufträgen", sagt der Geschäftsführer stolz, "wir genießen das Vertrauen unserer Kunden, komplexe Konstruktionen innerhalb eines vereinbarten Zeitplans in Highend-Ausführungsqualität zu realisieren. Über die Jahre hinweg konnten wir so einen Kundenstamm aus Top-Architekten, Planern, Ingenieuren und Generalunternehmern entwickeln, mit denen wir regelmäßig zusammenarbeiten."

Handelt es sich in Großbritannien nun um einen speziellen Auftrag oder sind Fassadensysteme wie dort die Zukunft im Objektbau? "Das lässt sich so nicht beantworten", sagt Spitzer: "im Falle von Wimbledon war die Anforderung des Kunden, dass die Architektur die Tradition des Stadions widerspiegeln sollte, um dem Charakter des No.1 Court und des ganzen Ensembles Rechnung zu tragen."

Aufgerufen am 24.10.2019 um 05:29 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/aktuelles-trends/wimbledon-der-no-1-court-wurde-aufwendig-saniert-73279882

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