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Vorsicht, wenn's blitzt - Tipps zum Schutz gegen Blitzeinschläge

Österreich ist sehr blitzintensiv. Daher sollte der Schutz von Gebäuden und Menschen höchste Priorität haben.

Blitzschutzanlagen sollten auf jedem Gebäude installiert sein.  SN/robert ratzer
Blitzschutzanlagen sollten auf jedem Gebäude installiert sein.

Das österreichische Blitzortungssystem ALDIS registrierte im Juni 2018 rund 36.000 Blitzeinschläge (Wolke-Erde-Blitze) in Österreich. Ähnlich viele Blitze gab es in den vergangenen Jahren im Juni 2015, 2012 und 2010. Deutlich mehr Blitzeinschläge, rund doppelt so viele, gab es im Juni 2008.
Von Jahresbeginn bis Ende Juni 2018 registrierte ALDIS in Österreich rund 71.000 Blitzeinschläge, das ist der höchste Wert seit 2009. Damals schlug von Jänner bis Juni rund 96.000 Mal ein Blitz ein. "Jahr für Jahr kommt es in Österreich zu folgenschweren Schäden aufgrund von Blitzeinschlägen. Was wenige wissen: Österreich gehört mit Oberitalien und Slowenien zu den blitzgefährdetsten Regionen in Europa", erklärt Othmar Thann, Direktor des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit). Dass die Gefahr, die von Blitzeinschlägen ausgeht, gerne unterschätzt wird, zeigen Erhebungen des KFV in Österreich: Nur drei Prozent der Befragten assoziieren mit Blitz beziehungsweise Blitzeinschlägen ein persönliches oder materielles Gefährdungspotenzial. "Blitze werden generell nicht mit solchen Extremwetterereignissen in Verbindung gebracht, vor denen man sich aktiv schützen muss. Ein Trugschluss, wie man zum Beispiel am Brandrisiko durch Blitze ablesen kann", erklärt Thann.

Blitze waren 2016 Brandauslöser Nummer eins in Österreich

So gab es im Jahr 2016 eine bemerkenswerte Entwicklung in Bezug auf Brandursachen in Österreich: Fast 21 Prozent der Brände (1519 Brandgeschehen) entfielen auf die Zündquelle "Blitzschlag", die sich damit zur neuen Nummer eins der Brandursachen aufschwang.
Ein Blitzeinschlag ist überall in Österreich möglich: "Wo der Blitz bei einem Gewitter genau einschlägt, lässt sich nicht vorhersagen und ist auch nicht zu verhindern", sagt Gerhard Diendorfer, Leiter des österreichischen Blitzortungssystems ALDIS, "aber es gibt sehr effektive Maßnahmen, sich zu schützen." Das ist zum Beispiel die Installation von Blitzschutzanlagen und Überspannungsschutzgeräten und natürlich das richtige Verhalten im Freien während eines Gewitters.

Steiermark und Kärnten unter Europas Blitz-Hotspots

Die Bundesländer Steiermark und Kärnten gehören gemeinsam mit Oberitalien und Slowenien zu den Regionen mit den meisten Blitzen in Europa. Durch die südliche Lage und die Nähe zur Adria bietet die Atmosphäre hier sehr oft die ideale Mischung für Gewitter: Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit. Die Regionen mit den größten Blitzdichten (durchschnittliche Zahl der Wolke-Erde-Blitzschläge pro Quadratkilometer und Jahr) Österreichs sind die Bezirke Weiz, Graz-Umgebung und Graz-Stadt mit durchschnittlich rund drei Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer und Jahr.

Messung der Blitze

Nach Gewittern sorgen gelegentlich unterschiedliche Blitzzahlen für Verwirrung. Der Grund ist, dass Blitze nicht direkt gemessen werden können, sondern nur die elektromagnetischen Feldimpulse in der Atmosphäre. Jeder für das Auge sichtbare Blitz besteht aus mehreren einzelnen Entladungen und sendet daher mehrere Feldimpulse aus. Außerdem schlägt nur ein relativ kleiner Teil aller Blitze auf der Erde ein. ALDIS misst mit acht Sensoren in Österreich alle elektromagnetischen Impulse, berechnet innerhalb von Sekunden die zugehörigen Orte der Blitzentladung auf rund 100 Meter genau und klassifiziert mit speziellen Programmen die verschiedenen Blitzarten, die auch unterschiedliche Auswirkungen haben. Das Risiko von Bränden oder Personenschäden wird nur durch die Anzahl der Blitze zum Boden, der Wolke-Erde-Blitze, bestimmt. Wolkenblitze sind in diesem Zusammenhang irrelevant. "Wir haben in den letzten 26 Jahren nach internationalen Kriterien Methoden entwickelt, mit denen wir in Österreich sehr genau die regionale Blitzgefährdung bestimmen können. Das ist auch deshalb wichtig, weil unsere Blitzortungsdaten die Basis für viele Anwendungen sind, von den Baunormen bis zu Blitzschutzmaßnahmen von Energieversorgern", sagt Diendorfer.

Tipps zum Schutz gegen Blitzeinschläge

Schutz für das eigene Haus:
Vor allem das Eigenheim ist einfach und effektiv zu schützen, am besten mit einem Blitzschutzsystem bestehend aus äußerer Blitzschutzanlage und Überspannungsschutz. Die äußere Blitzschutzanlage bietet dem Blitz einen für ihn idealen Weg vom Einschlagpunkt auf dem Dach bis in den Erdboden und der Überspannungsschutz schützt die elektrischen Einrichtungen im Gebäude. Der wohl älteste und bewährteste Trick: Stecker aus der Steckdose ziehen, wenn ein Unwetter naht. Der Einbau von richtig dimensionierten Überspannungsschutzgeräten ist notwendig, um elektrische und elektronische Geräte bei direkten oder nahen Blitzeinschlägen vor Zerstörung zu schützen.

Der persönliche Schutz:
Wenn zwischen Blitz und Donner weniger als 30 Sekunden liegen, ist das Gewitter nur noch zehn Kilometer entfernt und man sollte schnell Schutz suchen. Diesen sicheren Ort sollte man erst 30 Minuten nach dem letzten Blitz wieder verlassen. Im Freien sollte man sich nicht auf oder in der Nähe des höchsten Punktes der Umgebung (Hügel, freistehende Bäume etc.) aufhalten.

Aufgerufen am 26.06.2019 um 08:51 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/aktuelles-trends/vorsicht-wenn-s-blitzt-tipps-zum-schutz-gegen-blitzeinschlaege-70665520

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