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Stromausfall: Stell dir vor, es geht das Licht aus!

Jeder kann sich auf einen Blackout vorbereiten. Eigeninitiative, etwa eine Photovoltaikanlage, überbrückt die Zeit, bis der Strom wieder da ist.

Was tun, wenn in großen Gebieten mehrere Tage der Strom ausfällt? SN/stock.adobe.com/jamesbin
Was tun, wenn in großen Gebieten mehrere Tage der Strom ausfällt?

Kaum zu glauben: Schon 1952 fragte Paul Hörbiger in einem Lied: "Stell dir vor, es geht das Licht aus. Sag, was würdest du dann tun?" Die Frage ist heute aktuell wie nie. Seit Europa am 8. Jänner knapp an einem Blackout vorbeischrammte, fragen sich viele:

Was kann ich tun? Wie kann ich mich bei einem Stromausfall wappnen?

"Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen einer Störung, die meist lokal ist, und einem echten Blackout, in dem weite Gebiete des Landes oder sogar des Kontinents für längere Zeit ohne Strom sind", sagt Herwig Struber, Geschäftsführer der Salzburg Netz GmbH, einer Tochtergesellschaft der Salzburg AG. Erstgenanntes kommt öfter einmal vor, Ursache sind Wettereinflüsse oder technische Gebrechen. Stromausfälle sind meist lokal begrenzt und nach kurzer Zeit wieder behoben.

Bei einem Blackout hingegen sind große Gebiete betroffen und er kann mehrere Tage dauern. Über die Folgen sollte jeder für sich selbst in seiner persönlichen Situation und seiner Wohn- und Arbeitsumgebung nachdenken. Denn wenn der Strom ausfällt, geht buchstäblich nichts mehr.


Heizung, Handys, Tankstellen, Wasser - alles funktioniert nur mit Strom

Das fängt bei der Heizung an: Ganz egal, welchen Brennstoff man verwendet, ohne Strom heizt nichts. Ausnahmen sind Kachelöfen oder "Schwedenöfen". Das bedeutet: Im Wohnraum wird es nach einigen Stunden immer kühler. Dazu kommt, dass es nicht nur kein Licht gibt, sondern auch keine Kommunikation. "Handymasten haben zwar eine Batterie, doch die hält nicht lange", sagt Struber. Wenn die Akkus in Handys, Laptops oder Tabletts leer sind, gibt es dort auch keine Informationen mehr und Fernseher funktionieren ohnehin nicht. Bleibt also das gute alte Radio. Der ORF ist beispielsweise verpflichtet, seine großen Sendeanlagen mit Notstromanlagen auszustatten. Radionachrichten können im Auto oder mit batteriebetriebenen Geräten empfangen werden. Die Mobilität wäre eingeschränkt - ist der Tank leer, hilft auch die Tankstelle nicht, weil sie ohne Strom nicht funktioniert.

Der wichtigste Punkt in diesem Zusammenhang ist das Trinkwasser (siehe unten). In vielen Gemeinden braucht es dafür aber Pumpen, die - erraten - nur mit Strom funktionieren. Der Ausfall der Wasserversorgung wäre also die gravierendste Folge eines Stromausfalls. Krankenhäuser und andere zentrale Einrichtungen der Infrastruktur sollten mit Notstromanlagen ausgerüstet sein, die einige Tage zumindest einen Notbetrieb aufrechterhalten können.

Doch was kann man nun selbst tun?

Struber rät, ein Radio mit Batteriebetrieb und einem Vorrat an Batterien einsatzbereit zu halten. Ein eigenes Notstromaggregat hält er in den meisten Fällen für nicht notwendig, abgesehen davon, dass man dafür Treibstoff braucht, der irgendwann auch ausgeht. Struber: "Das ist beispielsweise bei Bauernhöfen sinnvoll, damit die Melkanlagen betrieben werden können." Für einen Eigenheimbesitzer lohne sich der Aufwand nicht, in Wohnanlagen habe man ohnehin keine Möglichkeit dafür.

Kann man eine Photovoltaikanlage (PV) nützen?

"Ja", sagt der Experte: "Sie muss dafür aber ausgelegt und konstruiert sein." Üblicherweise speisten solche Anlagen überschüssigen Strom ins Netz, brauche man Elektrizität, hole man sie sich wieder von dort. Für einen Notbetrieb sei aber eine Speicherung via Akkus notwendig, auch technisch müsste die Anlage dafür gebaut sein. Dann sei es aber möglich, zumindest stundenweise die Heizpumpe oder den Kühlschrank damit zu betreiben. "Das ist vor allem im Neubau schon bei der Planung zu berücksichtigen und kostet auch mehr", sagt Struber.

Doch wie wahrscheinlich ist ein mehrtägiger Blackout in Österreich überhaupt?

"Wir üben solche Fälle in den verschiedensten Szenarien ständig", sagt Struber. Die Salzburg Netz GmbH sei quasi für die "Landesstraßen" zuständig, die APG (Austrian Power Grid) für die "Autobahnen" und internationalen Verbindungen. Struber: "Unsere bisherigen Simulationen haben gezeigt, dass die APG das Stromnetz in Österreich innerhalb eines Tages wieder aufbauen könnte. In Salzburg sollte wir das in einer Dreiviertelstunde schaffen." Vorausgesetzt, die Infrastruktur ist nicht zerstört.

„Wir können sehr schnell in Salzburg wieder Strominseln aufbauen“
Herwig Struber, Geschäftsführer Salzburg Netz GmbH

"Wir können Österreich quasi an den Landesgrenzen abkoppeln", erklärt der Experte. Zudem sei das Land, vor allem Salzburg, "schwarzstartfähig". Das heißt, man könne die Kraftwerke "von Hand" ohne Stromunterstützung von außen wieder starten, in erster Linie die Speicherkraftwerke. Ob das Netz flächendeckend dann stabil läuft, ist aber fraglich. "In Salzburg könnten wir aber relativ rasch bestimmte Strominseln wiederherstellen, die zu Stabilisierung beitragen."



Vom Trinkwasser hängt das meiste ab

Im Fall eines Stromausfalls ist es die wichtigste Herausforderung, die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser zu sichern. Wie gut das bewerkstelligt wird, ist von Gemeinde zu Gemeinde verschieden, weil es überall andere Gegebenheiten gibt. In den meisten Fällen sind Pumpen im Einsatz, die dann nicht mehr funktionieren. Gibt es dort keine Notstromversorgung, kann die gesundheitliche und hygienische Situation schnell eskalieren.

Was die Stadt Salzburg betreffe, so sei man gut vorbereitet, sagt Ludwig Staiger, Leiter der Wasserversorgung bei der Salzburg AG. Grundsätzlich wird das Trinkwasser am Fuß des Untersbergs beim "Wasserschloss" in Fürstenbrunn gefasst und mit Leitungen nach Glanegg und Grödig/St. Leonhard geleitet, wo es versickert wird. Dort wird es dann aus Tiefbrunnen - auf natürliche Weise gereinigt - wieder herausgepumpt und in neun Hochbehälter geleitet. Die beiden größten befinden sich im Mönchsberg und im Kapuzinerberg.

Das Wasser wird aus Tiefbrunnen in Glanegg und Grödig gepumpt.  SN/bernhard schreglmann
Das Wasser wird aus Tiefbrunnen in Glanegg und Grödig gepumpt.

Fällt der Strom aus, funktionieren auch die Pumpen der Tiefbrunnen nicht, wobei aber jene in St. Leonhard eine Notstromversorgung hat. Nur mit dem Wasser in den Kavernen lasse sich die Stadt aber mehrere Tage versorgen, sagt Staiger. Das liegt vor allem daran, dass auch der Verbrauch sofort drastisch sinkt. Man gehe von 40 Litern pro Person und Tag aus, gegenüber 120 Litern üblicherweise. Denn das Wasser stehe nur mehr zum Trinken, fürs WC und das Waschen zur Verfügung. Betriebe fallen wegen des Stromausfalls als Wasserverbraucher weg. Und: Fällt der Strom aus, bleibt das Wasser kalt, die Lust auf langes Baden oder Duschen sinkt dramatisch. "Garten bewässern, Auto waschen oder Pools einlassen wäre dann verboten", sagt Staiger. Geht man davon aus, dass Stromausfälle eher in der kalten Jahreszeit passierten, sei das ohnehin kaum ein Thema. Der Wasserdruck würde sich jedenfalls nicht ändern.

Als eines der allerletzten Mittel, die Wasserversorgung in der Stadt Salzburg aufrechtzuerhalten, gibt es noch die Möglichkeit, das Wasser vom Untersberg direkt mithilfe des Höhenunterschieds in die Hochbehälter zu leiten, ohne Zwischenschritt mit Versickern und den Tiefbrunnen. "Dann müssten wir allerdings das Wasser mit anderen Mitteln aufbereiten", sagt Staiger.

Nichts hält der Experte von Tipps, bei einem Stromausfall etwa die Badewanne mit Wasser zu füllen. "Das Trinkwasser ist in unseren Kavernen besser aufgehoben und geschützt." Auch das Abfüllen in Krügen oder Flaschen sei nur in geringem Maß sinnvoll. "Jeder, der in der Früh einen Krug Wasser füllt, weiß, dass es am Abend nicht mehr schmeckt." Mineralwasservorräte sind das bessere Mittel, weil das CO2 auch geschmackliche Mängel überdeckt.

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