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Smart home - Die Wohnzukunft ist elektrisch

Jalousien senken sich automatisch bei Dämmerung und die Heizung passt sich Ihrem Tagesrhythmus an - willkommen im "Smart home"!

Die Smart home Technologie kann auch zu einer umweltfreunldichen Zukunft beitragen. SN/pixabay
Die Smart home Technologie kann auch zu einer umweltfreunldichen Zukunft beitragen.

Spielt sich unsere Zukunft in intelligenten Häusern ab? Ganz sicher, meint Michael Brettfeld, Innungsmeister der Salzburger Elektrotechniker. Die "Salzburger Nachrichten" haben mit ihm über Lösungen zur Haussteuerung , Energieeffizienz und neue, umweltgerechte Technologien gesprochen.

Wann hat aus Ihrer Sicht die Entwicklung hin zum "Smart home" Fahrt aufgenommen? Michael Brettfeld: Die Entwicklung hat vor etwa zehn bis 15 Jahren voll eingesetzt und schreitet seitdem rasant voran. Zu den frühen Nutzern der Smart-Home-Technologie gehörte sicher zuerst einmal eine kaufkräftige private Schicht. Über einen längeren Zeitraum hinweg stellten die neuen Möglichkeiten einen Komfort dar, den man sich leisten wollte, der allerdings nicht unbedingt günstig war. Heute ist das anders, viele Anwendungen sind alltäglich geworden.

Wie würden Sie den Begriff "Smart home" erklären? Was verbindet man heute damit? "Smart home" dient heute als Überbegriff für technische Verfahren und Systeme in Wohnräumen und -häusern, wobei eine effiziente Energienutzung auf Basis vernetzter, kommunizierender Geräte, Installationen und automatisierter Abläufe im Vordergrund steht. Das heißt, im Fokus der "Smart home"-Technologie steht heute längst nicht nur eine Erleichterung oder der Komfort, das klare Ziel ist ein optimierter Energieverbrauch in den Gebäuden.

Die technische Entwicklung vollzieht sich derzeit also sehr schnell? Auf jeden Fall. Man könnte es sich in unserem Beruf nicht leisten, nicht am Ball zu bleiben. Die Datenmengen werden immer größer, es gibt immer neue, unterschiedliche Visualisierungssysteme. Dazu kommen jetzt sprachgesteuerte Systeme, die ebenfalls integriert werden.

Es gibt sehr viele Anbieter und Systeme in diesem Bereich - gibt es hier Standards? Schon in den 1990er-Jahren haben sich führende Hersteller der elektrischen Installationstechnik mit der Zielsetzung, einen einheitlichen Standard auf dem Markt einzuführen, zusammengeschlossen. Dieser sogenannte KNX garantiert heute eine Kompatibilität der verschiedenen Geräte und Systeme unterschiedlicher Hersteller aus vielen Bereichen, sowohl der Elektroinstallationstechnik als auch anderer Bereiche wie zum Beispiel Klima und Lüftung oder Hausgeräte. Für die Weiterentwicklung der Technologie war diese Standardisierung enorm wichtig. KNX wird auch in der Berufsschule gelehrt. Im Prinzip existieren zwei Systeme in der "smarten" Haustechnik. Erstens: Die "Logik" ist zentral installiert. Der Vorteil eines solchen Systems ist, dass man kann relativ schnell Komponenten anschließen kann, allerdings viel Verkabelungsaufwand hat. Zweitens: Das System ist sozusagen dezentral - hier steckt die "Logik" im Schalter.

Sie sind auf der Bauen+Wohnen mit einem energieautonomen Haus vertreten. Was kann und soll mit diesem Haus veranschaulicht werden? Als Prinzip soll durch das Ausstellungsobjekt Folgendes veranschaulicht werden: Ein energieautonomes Haus produziert mittels Photovoltaikanlagen über das Jahr gesehen zumindest so viel eigene Energie, dass der durchschnittliche elektrische Jahreshaushaltsverbrauch aus eigener Kraft gedeckt werden kann. Weil im Sommer mehr und im Winter oder in den Nächten weniger Energie produziert wird, muss natürlich auch ein energieautonomes Haus über einen konventionellen Stromanschluss verfügen, um versorgt zu sein. Weil aber im Sommer (dafür) wieder mehr Energie gewonnen als verbraucht wird, kann dieser Energiegewinn individuell geplant und mithilfe intelligenter Systeme optimiert werden. Über das Jahr gesehen sollten sich der Verbrauch und der Gewinn dann also ausgleichen.

Ihr Credo lautet: Die Zukunft ist elektrisch! Warum? Wenn man den Energieverbrauch betrachtet, den ein Haus im Jahr 2000 hatte, und dieser Zahl den Verbrauch von heute gegenüberstellt, wird deutlich, dass moderne Gebäude heute mit einem weit geringeren Energieaufwand betrieben werden können. Moderne Häuser sind so gut gedämmt und isoliert, dass sie nur noch etwa ein Drittel der Heizenergie verbrauchen, die noch vor 20 Jahren aufgewendet werden musste. Konkret benötigen energieoptimierte Häuser oft nur noch eine Heizleistung von 4 kW/h, und hier kommen die Photovoltaikanlagen ins Spiel. Denn: Übers Jahr gesehen kann man diesen Energieaufwand - im besten Fall - mit Photovoltaikanlagen decken.

Es geht also darum, wie man den eigenen Energiegewinn bestmöglich nutzen kann. Das ist die zentrale Frage. Grundsätzlich verhält es sich so, dass eine Rückeinspeisung ins Netz nicht so lukrativ ist. Das heißt, es geht darum, den durch die PVA gewonnenen Energieüberschuss möglichst intelligent zu verwerten. Wenn man über ein verbundenes kommunizierendes System verfügt, das heißt also, wenn die Wärmepumpe mit der Photovoltaikanlage kommuniziert, wird idealerweise dann Warmwasser produziert, wenn der beste Zeitpunkt dafür ist. Es ist technisch natürlich auch möglich, Haushaltsgeräte wie Waschmaschine oder Trockner so zu koordinieren, dass sie zu den Überschusszeiten in Betrieb sind. Das ist natürlich oft nur hypothetisch möglich und in der Praxis auch nicht immer umsetzbar.

Man sollte also immer dann, wenn man gerade Strom produziert, Geräte in Betrieb nehmen. Kann man Überschüsse auch speichern? Das geht natürlich. Mit einer elektrischen Fußbodenheizung können zum Beispiel im Estrich 25 kW/h gespeichert werden. Hier bildet der Estrich die Speichermasse, die die Wärme zeitverzögert abgibt. Mit einem 300-Liter-Boiler können 15 kW/h gespeichert werden und auch in einem Batteriespeicher können 5 bis 6 kW/h eingespeichert werden.

Wichtig ist, die Stromüberschüsse so zu steuern, dass sie nicht verloren gehen. Sinnvoll wäre etwa, bei einem Energieüberschuss zum Beispiel auch gleich das eigene E-Auto zu "betanken". Es besteht auch die Möglichkeit, den generierten Strom in einer fiktiven Cloud zu speichern.

Wie sieht der Preisvergleich elektrische Heizung vs. andere Heizsysteme aus? Eine Elektroheizung ist, vor allem was die Anschaffungskosten betrifft, sicher eine preislich attraktive Variante. Wenn ich diese Heizung noch mit einer Photovoltaikanlage und einem Speicher kombiniere, habe ich ein gutes und günstiges Heizsystem, das preislich absolut im Rahmen bleibt.

Damit die Zukunft elektrisch wird: Welche Voraussetzungen braucht es noch? Wenn alle Voraussetzungen stimmen und die Photovoltaik auch noch besser und mehr genutzt wird, wäre eine Heizversorgung mit Strom aus meiner Sicht die ökologischste und umweltfreundliche Variante für die Zukunft. Viele Energieberater sehen hier eher Wärmepumpen als optimale Lösung. Meiner Meinung nach lohnt sich aber der Installationsaufwand hier oft nicht, gerade wenn es sich um kleine Einfamilienhäuser handelt, die einen sehr geringen Bedarf haben.

Wir haben nun von energieoptimierten Neubauten gesprochen. Was lässt sich im Bestand, zum Beispiel in Wohnhäusern mit verschiedenen Parteien, verbessern? Bei Renovierungen in der Stadt findet man in großen alten Wohnhäusern häufig noch in den einzelnen Wohnung Gasthermen. Das würde mit Strom genauso gut funktionieren: Man müsste nur die Gastherme durch einen Boiler ersetzen und je nach Wohnung drei bis vier Infrarot- (Elektro-)Heizkörper installieren. Voraussetzung wären eine gute Isolierung, ein Fenstertausch und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Hier gibt es von der Salzburg AG bereits ein gutes Modell. Damit kann die Photovoltaikleistung auf alle vorhandenen Zähler aufgeteilt werden. Wenn die Dachflächen ordentlich genutzt werden, könnten dann alle Bewohner vom produzierten Strom profitieren.

Kann man sagen, dass die "Smart home"-Technologie der Schlüssel zu einer umweltfreundlichen Zukunft ist? Ich möchte schon sagen - ja. Es gibt auch bei uns in Salzburg mittlerweile seit 15 Jahren Bürogebäude, deren Jalousien vollautomatisch gesteuert werden. Das schlägt dann auch aus Energiesicht zu Buche, weil damit die Klimaanlagen entlastet werden. In diesen Unternehmen geht das Licht automatisch aus und viele andere Dinge mehr. Das bringt schon etwas für die Umwelt, am allermeisten jedoch, wenn der Strom, den man verbraucht, umweltfreundlich erzeugt wird.
Daneben gibt es natürlich noch eine Reihe anderer Aspekte, wie Behaglichkeit, Sicherheit und Komfort, die auch in Zukunft eine immer größere Rolle spielen werden.

Quelle: SN

Aufgerufen am 27.02.2020 um 11:58 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/aktuelles-trends/smart-home-die-wohnzukunft-ist-elektrisch-83078878

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