Aktuelles & Trends

Neue Ziele für digitale Arbeitsnomaden

Wer nicht an das Firmenbüro gebunden ist, kann eigentlich wohnen und arbeiten, wo er will. Ein weltweites Ranking listet jene Städte auf, die für digitale Nomaden viel zu bieten haben.

Melbourne in Australien hat digitalen Nomaden weltweit am meisten zu bieten. SN/Rafael Ben-Ari - stock.adobe.com
Melbourne in Australien hat digitalen Nomaden weltweit am meisten zu bieten.

Es klingt verlockend: Keine strengen Bürozeiten mehr, arbeiten, wo immer man will. Das sind die Ingredienzien für Remote Work, also die erweiterte Form des Homeoffice. Es geht nicht darum, fix von Zuhause aus zu arbeiten, sondern von jedem beliebigen Punkt aus. Und das kann durchaus ein Sehnsuchtsort sein, eine Stadt, in der man immer schon eine Zeitlang leben wollte, oder auch von unterwegs. Dank digitaler Technik ist das heute in vielen Weltregionen schon möglich.

Mitarbeiter können wählen

Der technische Fortschritt und die digitale Vernetzung haben - auch schon vor der Pandemie - viele Unternehmen dazu veranlasst, Richtlinien für das Arbeiten von überall zu erlassen. So können die Mitarbeiter jene Lebens- und Arbeitsweise wählen, die ihnen am besten entspricht.

Oft werden Visa angeboten

Die Pandemie hat diesen Trend in den vergangenen Monaten stark beschleunigt. Dennoch haben nur sehr wenige Länder Gesetze erlassen, um Arbeitnehmer anzuziehen, die für Kunden im Ausland tätig sind. Angeboten werden vielmehr Visa für diejenigen, die vor Ort arbeiten. Den Ländern entgeht damit die Chance, Personen mit hohen Einkommen für ihre Städte zu gewinnen, ohne selbst neue Jobs schaffen zu müssen.

Welche Städte sind am attraktivsten?

Um mehr über dieses Phänomen herauszufinden, hat sich die Berliner Nestpick Global Services GmbH dazu entschlossen, diesen Themenkreis genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Unternehmen wollte wissen, welche Städte am attraktivsten für Ausländer sind und wo diese mit offenen Armen empfangen werden. Zugleich wurde geprüft, welche Städte die Infrastruktur und Gesetzgebung haben, die Remote-Work-Arbeitern das Leben und Arbeiten in der jeweiligen Stadt erleichtert.

75 Großstädte wurden untersucht

"Das vergangene Jahr hat vielen Unternehmen wirklich vor Augen geführt, dass Remote Work nicht nur möglich ist, sondern sogar allen Beteiligten Vorteile bringt. Die Technologie ist schon seit einiger Zeit verfügbar, aber es bedurfte einer praktischen Anwendung, um sich wirklich zu etablieren", sagt Omer Kucukdere, der Gründer und CEO von Nestpick.

"Remote Work ist möglich und bringt für alle Beteiligten Vorteile." Omer Kucukdere, Nestpick Global Services

Als Grundlage der Studie wurden 75 Großstädte in aller Welt ausgewählt, die oft als die "lebenswertesten" bezeichnet werden. Diese Städte wurden dann anhand von drei großen Kategorien untersucht, die eine Stadt zu einer idealen Wahl zum Umziehen und für Remote Work machen: Kosten & Infrastruktur, Gesetzgebung & Freiheiten und Lebensqualität.

Internetkapazität und Verfügbarkeit der Räumlichkeiten

Für die erste Kategorie wurden der Anfangsaufwand und die Grundkosten, die zum bequemen Arbeiten mit nur minimalen Zusatzkosten notwendig sind, angesehen. Dazu gehören der Preis und die Verfügbarkeit von angemessenem Homeoffice-Räumlichkeiten und die Geschwindigkeit sowie Kapazität des Internets in jeder der Städte.

Remote-Working: Vorgaben oder Erleichterungen?

Für die zweite Kategorie wurde bewertet, wie leicht es für Ausländer ist, in der jeweiligen Stadt Remote Work zu verrichten. Dazu wurde geprüft, ob die Länder besondere Visa für diese Arbeiter bieten oder ob spezielle Remote-Working-Vorgaben existieren, etwa Steuerabzüge und Regularien. Der Wunsch, sicher und frei zu leben, ist oft ein entscheidender Faktor für potenzielle Migranten, daher wurde auch das Maß grundlegender Menschenrechte und Freiheiten an jedem der Orte geprüft. Ebenfalls in die Studie miteinbezogen ist die Sicherheit und die Unterstützung für die Geschlechtergleichstellung sowie die Inklusivität von Minderheiten und der LGBTQ+-Community.

Was macht eine Stadt lebenswert?

Nach der Bewertung dieser strukturellen und legislativen Elemente hat sich Nestpick jenen Faktoren zugewendet, die eine Stadt lebenswert machen. Dazu gehört der Zugang zu Kultur- und Freizeitangeboten sowohl vor als auch während der Pandemie. Ebenfalls analysiert wurde das allgemeine Wetter und der Grad der Luft-, Lärm- und Lichtverschmutzung. Da die Pandemie weiterhin die Lebensqualität in vielen Metropolen einschränkt, wurde auch der vollständig geimpfte Anteil der Bevölkerung an den 75 Orten gemessen, sowie die aktuellen Infektionszahlen berücksichtigt.

Endergebnis der Studie

Das Endergebnis gibt einen Überblick über die Städte in aller Welt, die sich für digitale Nomaden am besten eignen. Ebenso wird klar, welche der Städte das Potenzial haben, diese neue Gruppe von Arbeitern in Zukunft anzuziehen.

Fazit der Untersuchung

Während einige Städte sich schneller als andere auf diese Entwicklung eingestellt haben, hinkt die Mehrheit hinterher. Die neue Realität scheint jedoch zu bleiben, was bedeutet, dass jene Städte, die Gesetze erlassen, um diese neue Art von Arbeitnehmern anzuziehen, davon profitieren werden.

Das Ranking

Unter den untersuchten 75 Städten weltweit hat das australische Melbourne die Nase vorn, gefolgt von Dubai und Sydney, ebenfalls in Australien. Die Reihung ist deshalb interessant, weil gerade Dubai in den Fragen der Menschenrechte so schlecht abschneidet wie keine andere Stadt im Ranking. Das wiegen aber offenbar Vorteile wie keinerlei Steuer- und Sozialabgaben und andere Faktoren wieder auf.

Spitzenplätze in Europa und Amerika

Die beste Stadt Europas für Remote Work ist Tallinn in Estland. Sie erreicht nicht nur bei den Menschenrechtsthemen Spitzenwerte, sondern auch bei der Geschwindigkeit und Kapazität des Internets oder den geringen Mietkosten. Auf Platz fünf rangiert London, gefolgt von Tokio, Singapur und Glasgow. Montreal ist auf Platz neun die erste Stadt auf dem amerikanischen Kontinent.

Wien im Ranking auf Platz 18

Und wo bleibt Österreich? Wien ist als einzige Stadt im Ranking vertreten und landete auf Platz 18. Bei den Wohnkosten liegt die Bundeshauptstadt im Mittelfeld, ebenso bei den Steuern. Die Internetkapazitäten könnten besser sein, dafür erreicht Wien bei den Menschenrechtskategorien Spitzenwerte ebenso wie beim Thema Sicherheit. Ein eigenes "Digitale-Nomaden-Visum" kann Wien allerdings nicht bieten, im Gegensatz zu den ersten vier Städten im Ranking. Apropos Wohnkosten: Hier hat San Francisco (Platz 25) mit 1736 Euro die teuerste Miete, gefolgt von New York (1512 Euro), Singapur (1475 Euro) und Hongkong (1395 Euro). Dagegen wirkt Wien mit 675 Euro fast schon bescheiden.

Am Ende des Rankings steht übrigens Istanbul (Rang 71) noch vor Brüssel, Schanghai, Marrakesch und Schlusslicht Medellín in Kolumbien.

Aufgerufen am 26.07.2021 um 06:19 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/aktuelles-trends/neue-ziele-fuer-digitale-arbeitsnomaden-106484437

Kommentare

Schlagzeilen