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Mit der "Waldmatura"zum Forstprofi

Eine österreichweit einzigartige Ausbildung zum Forstfacharbeiter kann an der landwirtschaftlichen Fachschule in Tamsweg absolviert werden.

Dem 19-jährigen Benedikt Mörtl aus Thomatal wurde die Leidenschaft für Wald- und Forstarbeit ohne Frage in die Wiege gelegt. "Schon mein Großvater war ein Holzknecht", erzählt der junge Lungauer mit Stolz. "Zu seiner Zeit musste noch alles von Hand und ganz ohne Maschinen vonstattengehen - eine unvorstellbar schwere und gefährliche Arbeit." Noch heute sei der 81-jährige Großvater mit von der Partie, wenn es zum Holzarbeiten in den eigenen Wald gehe, berichtet Benedikt. "Sein Erfahrungsschatz in Sachen Holz ist noch immer Gold wert."

"Praxis ist das A und O bei der Holzarbeit"

Schon als Fünfjähriger wurde Benedikt von seinem Vater zum ersten Mal mit "ins Holz" genommen. Der Vater, selbst ein erfahrener Forstarbeiter, habe ihm früh viele wichtige Fertigkeiten vermittelt, sagt er. Dafür ist er heute sehr dankbar: "Praxis ist das A und O bei der Holzarbeit", ist er überzeugt. "Manche kritische Situationen bedürfen jahrelanger Erfahrung, um sie richtig einschätzen zu können. Zum Beispiel, wie man einen Baum sicher fällt und Trennschnitte bei verspannten Hölzern möglichst gefahrlos und ohne Wertverlust ausführt." Ganz besonders gelte das, sagt der junge Forstfacharbeiter, wenn Schadholz aufgearbeitet werde. "Da muss vor jedem Schnitt gewissenhaft überlegt werden, wie man ihn ansetzt. Es könnte sonst das Letzte sein, das man tut."

"Waldmatura" qualifiziert

Einiges an Grundlagenwissen hat sich der 19-jährige Tischlerlehrling mittlerweile auch selbst erarbeitet. Seit letztem Jahr gehört er zu den Absolventen des "Forstfacharbeitermoduls", einer zweimonatigen Intensivausbildung, die an der landwirtschaftlichen Fachschule in Tamsweg angeboten wird. Über 1200 Teilnehmer haben die österreichweit einzigartige Ausbildung in den letzten 20 Jahren absolviert und damit die Basis gelegt, mit entsprechender Praxis zu wahren Forstexperten zu werden. "Seit 2017 ist der Kurs ein sogenanntes Wahlpflichtmodul", erklärt Georg Kleinferchner, Lehrer für Waldwirtschaft. "Das bedeutet, dass der Lehrgang von jedem Schüler einer landwirtschaftlichen Fachschule als Zusatzqualifizierung absolviert werden kann. Damit wird jener Grundstock an forstlichem Wissen vertieft, den sich die Teilnehmer in der Fachschule angeeignet haben." In enger Kooperation mit den österreichischen Bundesforsten setzt man in Tamsweg bei der "Waldmatura" auf einen fundierten Praxisschwerpunkt und eine breit angelegte theoretische Ausbildung.

"Der gesamte Holzkreislauf wird berücksichtigt - von der Verjüngung des Waldbestands bis zur Endnutzung des Werkstoffs", erklärt Kleinferchner. Das Spektrum der Aufgaben eines Forstfacharbeiters sei mittlerweile sehr breit geworden, führt der Pädagoge aus.

"Holzknechte mussten früher in erster Linie gute Arbeiter sein, ihre Haupttätigkeit bestand in der Schlägerung", ergänzt Johann König, zertifizierter Forstpraxistrainer des Lehrgangs. "Noch in den 80er-Jahren wurden von einzelnen Arbeitern oft bis zu 2500 Festmeter im Sortiment geschlägert. Heute nimmt die Holzernte im Vergleich dazu nur noch etwa 20 Prozent der Gesamttätigkeit ein", sagt er. "Waldbauliche Kompetenzen wie die Pflege und die Holzauszeige werden dagegen immer wichtiger." Ebenso rücken auch Planung und Administration sowie technische, digitale und betriebswirtschaftliche Kompetenzen immer stärker in den beruflichen Vordergrund der Forstarbeiter.

Mechanisierte Holzernte

"Grundsätzlich wird den Kursteilnehmern vermittelt, die reguläre Bewirtschaftung des eigenen Walds - aus ökonomischen und ökologischen Gründen - selbst durchzuführen", erklären die Ausbilder. Generell aber nehme der Einsatz großer Forstmaschinen, sogenannter "Harvester" und "Forwarder", aus Gründen der Leistungssteigerung zu. Das sei mitunter auch mit negativen Folgen für den Waldboden und den verbleibenden Bestand verbunden, erklären sie. Als sehr sinnvoll erweise sich der Einsatz dieser Maschinen jedoch bei der Aufarbeitung von Katastrophenhölzern. Generell gelte hier der Leitsatz: je mehr Aufgabenfelder den Maschinen überlassen werden können, desto besser. Der Grund dafür findet sich in der Statistik: Durch den Einsatz der Holzerntemaschinen bei der Schadholzaufarbeitung können viele schwere Forstunfälle verhindert werden.

Einen dementsprechend hohen Stellenwert nimmt das Thema Unfallprävention deshalb auch im Lehrgang ein. "Was die Sicherheit betrifft, werden im Praxisunterricht nur die höchsten Standards angelegt", so Kleinferchner und König.

Praxis in Kleingruppen

Als besonderen Vorteil des Moduls sieht Johann König, der hauptberuflich bei den Österreichischen Bundesforsten beschäftigt ist, das gezielte Praxistraining in kleinen Gruppen. "Durch die Arbeit in dreiköpfigen Teams (jeweils drei Teilnehmer und ein Ausbilder) wird gewährleistet, dass die Schüler alle Arbeitsschritte genau kennenlernen. Es wird rotierend gearbeitet, sodass alle Perspektiven für die Schüler erfahrbar werden." Freilich erforderten viele Arbeitsfelder eine intensivere Auseinandersetzung und jahrelange Praxis, fügt er hinzu. Insbesondere, was die Seiltechniken oder den Umgang mit den Maschinen betreffe. "Ziel der Qualifizierungsmaßnahme ist es, einen guten Wissensgrundstock zu legen. Basis dafür bildet die Theorie, auf die der Praxisunterricht aufsetzt", so König. "Den Kursteilnehmern soll grundlegend vermittelt werden, wie man ökonomisch, ergonomisch, aber auch ökologisch arbeitet."

Klimaveränderung und Holz

"Natürlich ergeben sich auch durch den Klimawandel neue Anforderungen an die Forstwirtschaft", schildern die Fachleute die gegenwärtige Situation. "Es wird immer wichtiger, klimaresistente Bestände zu pflanzen und den Wald damit zukunftsfit zu machen." Vor allem für die jungen Hofübernehmer sei ein profundes waldbauliches Wissen auch von wirtschaftlicher Bedeutung, zeigen sich die Ausbilder überzeugt. "Den eigenen Waldstandort richtig zu beurteilen bildet die Grundlage für alles andere", betont Georg Kleinferchner, "auch für einen langfristig sicheren ökonomischen Ertrag." Dabei müssten auch klimatische Veränderungen mitgedacht werden. Stabile Mischbestände sollten sich hier, so der Experte, als langfristig am widerstandsfähigsten gegenüber den veränderten Umweltbedingungen erweisen.

Biodiversität als Gewinn

"Ein Auftrag an den Berufsstand der Forstfacharbeiter lautet heute, die ökologische Vielfalt des Walds zu schützen und zu erhalten", sagt Johann König. Anders als noch vor ein paar Jahrzehnten rücken zusätzlich zum Nutzungsaspekt auch biologische Vielfalt, Regenerationsfähigkeit und Vitalität immer stärker in den Fokus der Waldbewirtschaftung. "Wir versuchen, den Kursteilnehmern mitzugeben, dass Biodiversität sinnvoll ist", erläutert er. "Dass auch ein schiefer Baum mit einer Spechthöhle seine Berechtigung hat, weil dort 50 bis 60 Nachmieter einen Lebensraum finden können - von Singvögeln bis hin zu Siebenschläfern. Wenn man dann noch weiß, dass Spechte täglich bis zu zwei Kilogramm Borkenkäfer verzehren können, wird die ökologische Vielfalt auch ökonomisch interessant."

Neue Methoden, altes Wissen

"Die neuen Herangehensweisen führen gerade bei den Hofübernehmern oft auch zu Diskussionen mit der älteren Generation", berichtet Georg Kleinferchner. "Im Unterricht wird dann darüber berichtet, wie der Opa vom Enkel dazu gebracht wurde, (endlich!) eine ausreichende Schutzausrüstung zu tragen."

Diskussionen dieser Art kennt auch Benedikt Mörtl. In der Hitze des Gefechts die effektivste und zugleich sicherste Methode zu wählen sei eben nicht immer ganz eindeutig, meint er. "Da wird dann schon diskutiert."

Beratungsresistent sei der Vater jedoch nicht - im Gegenteil. Sogar sehr aufgeschlossen, wenn es um den Gebrauch neuer Techniken oder um die Sicherheitsstandards gehe. Auf diese Weise sei nun schon einiges von seinem neuen Kurswissen bei der Forstarbeit miteingeflossen, erzählt der Lungauer. Die Ausbildung beurteilt er rückblickend als absoluten Gewinn: "Ich würde den Lehrgang jederzeit wieder machen und kann ihn nur weiterempfehlen."



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