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Lieber aufs Land und pendeln?

Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. Das ermöglicht vielen Menschen, dorthin zu ziehen, wo das Wohnen noch finanzierbar ist.

Pendler zu sein, das ist für die meisten Menschen kein Ziel, meist eine ungeliebte Notwendigkeit. Den meisten wäre es daher lieber, möglichst nah am Arbeitsort zu leben, beziehungsweise umgekehrt, möglichst nah am Wohnort eine Arbeit zu finden. Die Coronapandemie und in deren Folge der Trend zum Homeoffice haben hier einiges verändert. Denn das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben, wie viele Experten betonen. Arbeitet man in Positionen, die auf dem direkten Kontakt zum Menschen beruhen, etwa im Verkauf, dann stellt sich die Frage ohnehin nicht. Aber in vielen Bereichen, die vorwiegend am Bildschirm erledigt werden, wird das Homeoffice wohl in sehr vielfältiger Weise erhalten bleiben.

Das hat auch Auswirkungen auf das Wohnen und die Preise. Denn wer nur mehr ein bis zwei Mal pro Woche in die Firma muss, kann sich auch einen Wohnort suchen, der vom Arbeitsort weiter entfernt ist. "Der Begriff ,Speckgürtel' hat sich deshalb verändert", sagt Jörg Buß, Geschäftsführer von PriceHubble Österreich. Seine Firma ist ein Schweizer B2B-Proptech-Unternehmen, das innovative digitale Lösungen - beruhend auf Immobilienbewertungen und Marktkenntnissen - für die Immobilienwirtschaft entwickelt.

Preisgünstiger Wohnraum in Stadtnähe

Der österreichische "Ableger" hat nun eine Studie für den Großraum Salzburg erarbeitet, Preise verglichen und aufgezeigt, wo man in einer Fahrentfernung mit Auto und Öffis von einer Stunde um die Stadt noch günstigen Wohnraum findet. Um jene Gemeinden rund um Salzburg zu identifizieren, die am preisgünstigsten und attraktivsten für Immobilienkäufer sind, hat PriceHubble mithilfe des Raumdatenanalysten Targomo zunächst ermittelt, von welchen Gemeinden aus der Residenzplatz in Salzburg mithilfe von Park+Ride-Optionen und dem Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr innerhalb von 60 Minuten erreichbar ist. Danach wurden die durchschnittlichen Kaufpreise für Eigentumswohnungen berechnet und mit den Kaufpreisen in Salzburg verglichen. Für die Ermittlung der Quadratmeterpreise wurden alle Immobilien so bewertet, als würde sich dort dieselbe Standardwohnung befinden, um dann den Mittelwert der Preise über die Gebäude zu bilden. Diese Standardwohnung entspricht einer Dreizimmerwohnung mit 70 Quadratmetern, 7,5 Quadratmetern Balkon, Lift, Baujahr 1950, guter Instandhaltung und durchschnittlichem Ausbaustandard. Buß: "Dieses Verfahren liefert einen besseren Indikator dafür, welche Preisunterschiede sich allein durch die Lage ergeben und nicht durch die unterschiedliche Qualität der dort aktuell angebotenen Immobilien."

Die Analyse zeigt deutlich, dass, wer richtig sparen möchte, in den Nordosten Richtung Oberösterreich gehen muss. Dort befinden sich die zehn günstigsten Gemeinden, angeführt von Laakirchen im Bezirk Gmunden, wo die Standardwohnung ab 1907 Euro pro Quadratmeter kostet (Salzburg: 4787 Euro). Eine 120 Quadratmeter große Eigentumswohnung würde dann mit rund 229.000 Euro zu Buche schlagen. Eine vergleichbare Immobilie in der Innenstadt von Salzburg liegt mit ca. 574.000 Euro. Der Preis in Laakirchen ist damit um 60 Prozent geringer. Platz zwei und drei, Vöcklamarkt und Frankenmarkt im Bezirk Vöcklabruck, sind knapp 100 Euro pro Quadratmeter teurer als der Spitzenreiter, aber mit knapp 2000 Euro pro Quadratmeter noch echte Schnäppchen und nur wenige Kilometer vom Attersee entfernt. "Wer bereit ist, etwas mehr Zeit in den Anfahrtsweg zu investieren, weil er möglicherweise nicht mehr jeden Tag ins Büro fahren muss, kann in den Umlandgemeinden viel sparen im Vergleich zu den bereits sehr teuren Innenstädten der Metropolen.

Homeoffice im Salzburger Umland

Dieser Trend wird sich weiter verstärken und im Umkehrschluss auch dazu führen, dass langfristig auch in den vermeintlich kleinen Gemeinden in den Ausbau der Infrastrukturen investiert wird", erläutert Buß.

Wen es eher in den Süden des Salzburger Speckgürtels zieht, der sollte sich einmal in Bischofshofen oder in Kuchl umsehen. Im Skisprungzentrum Bischofshofen kostet eine Eigentumswohnung ab rund 2740 Euro pro Quadratmeter und ist damit noch 40 Prozent preiswerter als in Salzburg. In Kuchl, das neben viel Natur auch ein schönes Alpenpanorama bietet, spart man bei Preisen ab rund 3200 Euro pro Quadratmeter immerhin noch 30 Prozent. "Das Salzburger Umland bietet aufgrund seiner Nähe zu den Alpen vor allem viel im Bereich Naherholung und Natur. Wer etwas sucht, findet dort vielleicht sogar eine Eigentumswohnung, die einen Homeofficeplatz mit Aussicht auf die Alpen bietet", sagt Buß.

Das Homeoffice ermögliche nun, nach Alternativen zu suchen, wenn man ein schmales Budget hat. Dort finde man preiswerten Wohnraum, auch mit mehr Quadratmetern und eventuell noch Balkon oder Grünfläche. Buß: "Manche können es sich einteilen, zwei Tage im Unternehmen zu sein und in der Nähe zu übernachten und den Rest der Woche zu Hause zu bleiben."

Auch die zusätzlichen Kosten durch das weitere Pendeln müsse man relativieren: "Wer bisher fünf Mal die Woche 20 Kilometer gefahren ist, jetzt aber nur mehr zwei Mal und dafür 80 Kilometer, kann diesen Kostennachteil in wenigen Jahren hereinholen." Dazu kommt mehr Zeit für die Familie und ein kindergerechtes Umfeld. Wenn nun viele Menschen aus der Stadt wegziehen, könnte das auch dazu führen, dass der Preisdruck in der Stadt und damit auch die Wohnpreise sinken, erwartet der Experte.

Bleibt noch die Problematik des Verkehrs, denn auf der PriceHubble-Liste günstiger Wohnorte finden sich auch Auerbach, St. Georgen am Fillmannsbach, Pfaffstätt, Franking oder Geretsberg, alle im Bezirk Braunau am Inn. Die Landstraßen Richtung Innviertel sind nicht jedermanns Sache. Besser pendeln lässt es sich entlang der großen Autobahnrouten oder gleich mit der Bahn von Osten oder Süden bzw. via Lokalbahn. In der Studie berücksichtigt sind die P+R-Plätze Süd-Alpenstraße und Messezentrum.

Aufgerufen am 21.10.2021 um 10:36 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/aktuelles-trends/lieber-aufs-land-und-pendeln-105241627

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