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Hygiene in der Corona-Krise ist das Gebot der Stunde

Der Gebäudereinigung kommt derzeit eine noch wichtigere Funktion zu. Ein anderer Ansatz sind spezielle Oberflächen oder keimtötende Beschichtungen.

Gängen, Handläufen, Türklinken und Lichtschaltern gilt jetzt besonderes Augenmerk.  SN/attensam
Gängen, Handläufen, Türklinken und Lichtschaltern gilt jetzt besonderes Augenmerk.

Zwar gibt es bis heute keine verlässlichen Beweise, dass das Coronavirus SARS-CoV-2 über Oberflächen übertragbar ist. Laut Experten des renommierten deutschen Robert-Koch-Instituts ist aber eine Übertragung mittels Schmierinfektion über kontaminierte Oberflächen zumindest prinzipiell nicht ausgeschlossen.

Deshalb ist Vorsicht geboten. Gerade dort, wo viele Menschen zusammenkommen, etwa in Wohnhäusern oder auch Arztpraxen, ist daher Hygiene ein Gebote der Stunde. "Die Reinigungsarbeiten lassen sich derzeit sehr einfach aufrechterhalten. Gerade jetzt ist es extrem wichtig, dass wir in Wohngebäuden verstärkt reinigen und desinfizieren", sagt Oliver Attensam, Chef der gleichnamigen Hausbetreuungsfirma: "In Stiegenhäusern begegnen wir nicht sehr vielen Menschen und wenn, dann kann man sich aus dem Weg gehen und dabei einfach den Sicherheitsabstand einhalten." In Praxen und Ordinationen seien gerade jetzt noch öftere Desinfektionen notwendig. "Wir reinigen hier selbstverständlich außerhalb der Ordinationszeiten."

Welche Maßnahmen sind jetzt vordringlich? Attensam: "Es geht ganz stark um die Desinfektion von jenen Oberflächen, die man häufig berührt wie etwa Handläufe, Türgriffe, Empfangspulte, Lichtschalter oder Sitzflächen in Warteräumen der Praxen. Aber auch Toilettensitze sind gerade jetzt besonders gründlich zu reinigen und zu
desinfizieren." Um die Mitarbeiter nicht zu gefährden, werde der Mindestabstand sehr streng eingehalten. "Nur jeweils ein Mitarbeiter darf in einem Fahrzeug sein, in engen Räumen wird ein Mundschutz getragen und Handschuhe werden verwendet", erklärt der Experte: "Wir stellen keine Dienstleistungen ein, sondern eher das Gegenteil, und bieten unsere Dienste verstärkt an."

Auch andere Hausbetreuer setzen spezielle Akzente. Für die Desinfektion setzt etwa Dussmann Service ein modernes Kaltvernebelungsverfahren ein, dessen Wirkung gegen SARS-CoV-2 bestätigt ist und mit dem auch schwer zugängliche Stellen komplett desinfiziert werden können. Bei der Raumdesinfektion durch Kaltvernebelung wird Wasserstoffperoxid als feines Aerosol in der Luft verteilt. "Es gewährleistet die Desinfektion von schwer zugänglichen Stellen und wirkt bakterizid, viruzid und fungizid", sagt Geschäftsführer Peter Edelmayer: "Wir sind ja seit 52 Jahren Experte für Reinigung und Desinfektion hochsensibler Bereiche wie Krankenhäuser und Reinräume." Deshalb setze man die Kaltvernebelung auch in Pflegeeinrichtungen, Arztpraxen, Apotheken, Hotels, Schulen, Kindergärten und im
Lebensmittelhandel ein.

Damit die Reinigung auch überall klappt, ist aber entsprechendes Personal notwendig. Vor wenigen Tagen ist deshalb in Graz die Plattform www.sub-auftrag.at online gegangen, die in ganz Österreich Facility-Management-Unternehmen dabei unterstützt, geeignetes Personal für Gebäudereinigung sowie -desinfektion zu finden. Auf der Website können sich Reinigungsfirmen mit potenziellen Partnerbetrieben bzw. Auftraggebern in anderen Regionen vernetzen und Personal dort bereitstellen, wo es aktuell am dringendsten benötigt wird.

Unabhängig von der Reinigung gibt es auch andere Ansätze, manche Firmen konzentrieren sich etwa auf vorbeugende Maßnahmen im Wohnbereich. Die Linzer Malerei Höhnel etwa setzt auf eine neue antibakterielle Beschichtung, um das Infektionsrisiko in Innenräumen zu reduzieren. Das neue Produkt ist sowohl für Wohnräume als auch für Arztpraxen, Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime aber auch Büros und Hotels geeignet. Die Keimbelastung in Innenräumen kann durch die dauerhaft keimtötende Wirkung gravierend reduziert werden. "Die Wirksamkeit wurde von anerkannten Prüfinstituten und dem Krebsforschungsinstitut Regensburg bestätigt, das Produkt ist in dieser Qualität einzigartig in Österreich", betont Geschäftsführer Roland Meuer: "Um das Infektionsrisiko in Wohnräumen und in öffentlichen Einrichtungen zu minimieren, verwenden wir ab sofort diese keimtötende Beschichtung." Die antimikrobielle Funktionsinnenbeschichtung wirke auch gegen multiresistente Keime und biete einen vollumfänglichen Schutz gegen Bakterien, Viren, Pilze und Sporen. Die Farben entkeimen demnach an der Oberfläche und vermindern die Keimanzahl der vorbeistreichenden Luft. "Dadurch sorgen sie dafür, dass sich keine Keimnester an Raumoberflächen bilden können. Die dabei verwendete Farbe ist für Menschen und Haustiere völlig unbedenklich", sagt Meuer. Vor allem bei älteren oder chronisch kranken Menschen seien keimtötende Wandoberflächen höchst sinnvoll.

In diesem Sinn können auch spezielle
Beschichtungen wirken. Denn gesundheitsschädigende Keime können sich auf alltäglich verwendeten Oberflächen verbreiten. Gefährdete Stellen sind etwa Schalter, Tische, Sessel, aber auch Gehäuse von medizinischen Geräten. Um eine keimtötende Oberfläche zu erzeugen, werden bisher dem gesamten Kunststoffmaterial biozide Stoffe, sogenannte Additive, beigemengt, oder sie wurden mit bioziden Lacken lackiert. Wirken können diese aber nur an der Oberfläche. In einem FFG-geförderten Forschungsprojekt haben Werkstoffwissenschafter und Biotechnologen der Fachhochschule OÖ in Wels gemeinsam mit dem Attnanger Unternehmen Inocon Technologie GmbH die Möglichkeiten für biozide Beschichtungen durch "atmosphärisches Plasmasprayen" getestet. Die Versuche verliefen vielversprechend, die Marktreife steht bevor. "Das Plasmaspray-Verfahren eignet sich für die Beschichtung verschiedener Oberflächen von der Badausstattung in Krankenanstalten über Haltestangen in öffentlichen Verkehrsmitteln bis hin zu Türklinken, Lichtschaltern und Möbeloberflächen in Arztpraxen", sagt Studiengangsleiter Daniel Heim: "Prinzipiell lässt sich damit jede Oberfläche beschichten, die kontaminiert werden könnte." Damit könne der Einsatz klassischer Desinfektionsmethoden, die die Oberfläche langfristig zerstören, stark reduziert oder vermieden werden. "Weiters wird nur dort eine hauchdünne biozide Beschichtung aufgebracht, wo es wirklich nötig ist. Das verringert die verbrauchte Biozidmenge, spart Kosten ein und ist umweltfreundlicher", sagt Heim.

Für das Projekt wurden feinste Partikel aus Zink mittels Argonplasma unter Atmosphärendruck auf Substrate abgeschieden und diese zusätzlich mit Nanoschichten versiegelt, um eine kontrollierte Langzeitwirkung zu erzielen. Die nur wenige Mikrometer dünne Zinkschicht wirkt zuverlässig keimtötend, ist aber gesundheitlich unbedenklich.

Aufgerufen am 30.05.2020 um 07:25 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/aktuelles-trends/hygiene-in-der-corona-krise-ist-das-gebot-der-stunde-86266225

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