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Hygiene heißt das Zauberwort

Nicht jedes Verfahren bringt auch den gewünschten Erfolg. Zentrale Aufgabe ist es, die Raumluft von virenbelasteten Aerosolen frei zu halten.

Hygiene steht in Geschäften und Büroräumlichkeiten derzeit an vorderer Stelle. SN/wildbild
Hygiene steht in Geschäften und Büroräumlichkeiten derzeit an vorderer Stelle.

Hygiene, vor allem in Geschäfts- und Büroräumlichkeiten, ist nicht nur in Zeiten wie diesen ein Gebot der Stunde. Firmen und Geschäftsleute müssen verstärkt auf diesen Faktor achten.

Desinfektion von Oberflächen boomt

Bedingt durch das steigende Bewusstsein für Hygiene gerade im Zuge der Coronapandemie konnte etwa die Hausbetreuung Attensam in der , die vor allem in den Geschäftsfeldern Haus- und Bürobetreuung sowie in öffentlichen Einrichtungen gefragt ist, zuletzt einen starken Zuwachs verzeichnen. "War dieser Bereich vor dem Corona-Lockdown nur eine Nische, haben sich die Aufträge mehr als verzwanzigfacht und liegen nun im mittleren dreistelligen Bereich", betont Geschäftsführer Oliver Attensam. Angesichts der Tatsache, dass Viren, Krankheitserreger und Bakterien über Oberflächen und Gegenstände leicht übertragen werden könnten, sei vor allem in sensiblen Bereichen sowie bei hoher Besuchs- und Personalfrequenz eine wirksame Desinfektion von Räumen und Oberflächen empfehlenswert. Je nach Einsatzort werden drei verschiedene Verfahren oder ein Mix daraus eingesetzt: Kaltvernebelung, Wisch- oder Sprühdesinfektion. Angewendet werden diese Verfahren unter anderem in Büros, Stiegenhäusern, Restaurants, Geschäftslokalen, Kinos, Schulen, Fitnesscentern, Fahrzeuginnenräumen, Arztpraxen oder Rehabilitationszentren.

Einkaufszentren sind gefordert

Auch Shoppingcenter haben aufgerüstet. So wird pro Stunde das Volumen von bis zu einer Million Kubikmeter von zuvor gefilterter Frischluft in den Salzburger Europark geblasen. "Die Luftqualität wird bei uns permanent von Systemen überwacht. Üblicherweise liegt der notwendige Frischluftanteil bei 30 bis 50 Prozent. Seit Corona haben wir diesen Wert dauerhaft auf 100 Prozent gesetzt", sagt Center-Manager Manuel Mayer. Für das Reinigen der Allgemeinflächen, der Kontaktpunkte an Liften, Rolltreppen und Geländern sowie der Toilettenanlagen werden täglich 140 Personenstunden aufgewendet. Dazu kommen die Reinigungsmaßnahmen, die die Shops und Gastronomiebetriebe auf ihren eigenen Flächen seit Beginn der Pandemie zusätzlich setzen. "Alles in allem wenden wir für diese Maßnahmen gut drei Mal so viel Kosten auf als zu Zeiten vor Corona. Wir wollen damit unseren Kunden die bestmögliche Sicherheit geben", sagt Mayer: "Ein Ende der Zusatzmaßnahmen ist derzeit nicht vorgesehen."

"Hygiene erfordert Achtsamkeit", ergänzt Firmeninhaber und Geschäftsführer Hans Georg Hagleitner vom gleichnamigen Hygienespezialisten in Zell am See: "Einen Hygienespender vor sich zu haben ist das eine, ihn zu betätigen, das andere. Es zählen die tatsächlichen Verhältnisse. Angenommen, ein Geschäft verfügt über zwei Zugänge, beide weisen etwa gleich starke Besucherfrequenzen auf. An der einen Tür wird viel desinfiziert, an der anderen wenig." Das könne unterschiedliche Gründe haben: Der Spender kann an der einen Tür leer, ohne Strom oder einfach nicht gut genug sichtbar sein. Deshalb helfe es, die Fakten zu kennen und sie digital auszuwerten. "Hygiene und Desinfektion mussten oft schon um gesellschaftliche Akzeptanz ringen, nach oben ist dabei immer noch Luft", sagt der Firmenchef, dessen neue Gerätegeneration genau diese digitalen Daten liefert.

Nicht alles ist wirksam

Allerdings: Nicht alles, was derzeit auf dem Markt angeboten wird, ist auch wirksam. So setzen Unternehmen und Gastronomie verstärkt auf Luftreiniger. Zahlreiche Hersteller würden diesen Umstand inzwischen zum Verkauf dafür nicht geeigneter Geräte zum Beispiel mithilfe der aktuell prominent beworbenen Komfortfunktion "Automatik-Modus" nutzen, warnt der deutsche Hersteller Trotec. Diese "Automatikfunktion" erweise sich zur Reduzierung virenlasttragender Aerosole in Räumen teilweise sogar als kontraproduktiv.

Für einen wirksamen Schutz vor virenbelasteten Aerosolen ist es notwendig, das Raumluftvolumen mehrfach pro Stunde zu filtern. Die sogenannte Umwälzrate gibt an, wie häufig dies pro Stunde geschieht. Nach aktuellen wissenschaftlichen Studien, etwa von Christian Kähler von der Universität der Bundeswehr München, sind in normal genutzten Räumen sechs Umwälzungen pro Stunde als Minimum anzusetzen. Aus dem Raumvolumen und der Umwälzrate ergibt sich dann die notwendige Geräteleistung, um Aerosole schnellstmöglich, durchgehend und damit wirksam abzuscheiden. Diese erforderliche Geräteleistung muss dabei zwingend ununterbrochen sichergestellt sein und darf sich nicht automatisch in den Stand-by-Modus zurückschalten. "Zur Pandemie-Prävention sind handelsübliche Geräte und deren Betrieb im Automatik-Modus damit in jeder Hinsicht nicht nur ungeeignet, sondern gefährden auch in hohem Maße die Gesundheit. Anwendern wird ein Schutz suggeriert, der faktisch nicht vorhanden ist", warnt Trotec-Produktmanager Jochem Weingartz.

Virenbehaftete Aerosolpartikel sind mit Größen von 0,1 bis 0,2 µm deutlich kleiner als Feinstaubpartikel oder Pollen mit Durchmessern von 2,5 bis 10 µm. Entsprechende Rückschlüsse von Feinstaub zur Aerosolbelastung seien damit irreführend und die Messung der Virenkonzentration mit einfacher Sensorik technisch unmöglich. Weingartz: "Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass Luftreiniger für Privathaushalte das Infektionsrisiko in Räumen reduzieren. Dafür gelten spezielle, strenge Vorgaben, darunter der Einsatz eines H14-HEPA-Filters und eine durchgängige, mindestens sechsfache Luft-Umwälzrate pro Stunde."

Mit Aerosolen Aerosole bekämpfen

Einen anderen Weg geht das Wiener Neustädter Biotech-Unternehmen CuraSolutions GmbH, das mit Aerosolen andere Aerosole bekämpft. Im Gegensatz zu bekannten Methoden, wie die erwähnten Luftfilter oder Luftwäscher, werden Bakterien und Viren - auch Influenza und SARS-CoV-2 - aktiv "angegriffen" und zerstört beziehungsweise inaktiviert. Die Wirksamkeit der ursprünglich für die Lebensmittelbranche entwickelten, natürlichen Wirkstoffverstärkung wurde wissenschaftlich unter anderem durch die MedUni Wien bestätigt und in internationalen, wissenschaftlichen Artikeln publiziert.

Seit 2013 forscht CuraSolutions an Wirkstoffverstärkungen für Desinfektionslösungen gegen unerwünschte Mikroorganismen im Wasser und in Biofilmen - unter anderem einsetzbar bei der Verpackung von Lebensmitteln - sowie zur Reduktion der Keim- und Virenbelastung in der Raumluft auf Basis natürlich vorkommender Substanzen. "Bekannte Verfahren zur sinnvollen Prävention scheiterten bislang daran, dass mit derart minimalen Wirkstoffkonzentrationen, wie sie nötig sind, um menschliches Zellgewebe nicht zu schädigen, keine Reduktion der Keimbelastung in der Raumluft erzielt werden kann" , hinterfragt Gründer und Geschäftsführer Wolfgang Fürlinger gängige Verfahren: "Für den Menschen gesundheitsgefährdende Schockdesinfektionen von Räumen, vielfach mit hochdosiertem Wasserstoffperoxid unter Einsatz von Silberderivaten, sind in diesem Zusammenhang nicht als Prävention, sondern als Reaktion zu verstehen. Auch stellt sich die Frage, wie lange mit einer Schockdesinfektion eine Rekontamination unter spezifischen Bedingungen verhindert werden kann."

Das Verfahren Air L.O.G. pro sei eine gebrauchsfertige Lösung, die mittels Ultraschalltechnik permanent zum Beispiel in die Lüftungsanlage und damit in die Raumluft ausgebracht werde. So werde sichergestellt, dass die Luftleitungen permanent desinfiziert würden und die Luft nicht schon in der Lüftungsanlage verkeime. Bei nachfolgender Ausbringung in die Raumluft entstehe ein Wirkstoffaerosol, das schädliche Aerosole bekämpfe.

Aufgerufen am 18.10.2021 um 06:43 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/aktuelles-trends/hygiene-heisst-das-zauberwort-96030745

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