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Downsizing: Beim Mikrohaus versteckt sich der Keller in der Eckbank

Downsizing liegt im Trend. Sich wohnlich zu verkleinern heißt aber auch, sich von Hab und Gut zu trennen und das neue Domizil so einzurichten, dass es an Wohnkomfort nicht mangelt.

Simone Kamleitner lebt gern in ihrem Mikrohaus. Minimalismus fällt ihr nicht schwer. SN/klaus doppler
Simone Kamleitner lebt gern in ihrem Mikrohaus. Minimalismus fällt ihr nicht schwer.

30 Quadratmeter - so groß ist das Mikrohaus von Simone Kamleitner, in dem sie seit ein paar Jahren in Schleedorf lebt. Die Raum- und Grafikdesignerin, die inzwischen auch 30 bis 90 Quadratmeter große Mikrohäuser auf den Markt bringt, schätzt das minimierte Wohnen auf kleinem Raum zu einer Qualität wie in einem großen Haus. Dafür hat sie sich von unnötigem Ballast getrennt und begleitet mit ihrer Firma Me & Me Kunden bei diesem Schritt, der seine Zeit in Anspruch nimmt. Immerhin sammeln sich in einer größeren Wohnung oder einem Haus über die Jahre hinweg viele Dinge an. "Loslassen ist für manche ein Problem. Erst muss im Kopf der Gedanke des Reduzierens verankert sein", sagt Kamleitner.

Richtiges Ausmisten

Sie rät, beim Aussortieren im Keller oder Dachboden zu beginnen. Sachen, die im vergangenen Jahr nicht verwendet wurden, kommen weg. Weg heißt: verschenken, spenden, verkaufen oder entsorgen. Ebenso verfährt man mit den Gegenständen in den übrigen Räumen. Im Kleiderschrank tauchen Stücke auf, die man nicht mehr anzieht. Raus damit! Stücke, bei denen man sich unsicher ist, ob man sie nicht doch noch anzieht, sollte man bewusst noch einmal tragen und dann über ihren Verbleib entscheiden. Teile, die man zwar nicht mehr anzieht, von denen man sich aber absolut nicht trennen kann, kommen in eine Schachtel. Die wird für ein Jahr verräumt. Sollten einem die Stücke darin in dieser Zeit nicht abgehen, gibt es für sie keinen Weg zurück in den Kleiderschrank.

Multifunktionsmöbel sind unumgänglich

Da dieser in einem Tiny- oder Mikrohaus nicht groß ist, rät Kamleitner, sich beim Shoppen auf Basisteile in wenigen Farben zu beschränken, die sich darüber hinaus gut miteinander kombinieren lassen. Gleiches gilt für Accessoires und Schuhe. Weiteren Stauraum in kleinen Räumen bieten Hängekästen über Couch und Bett sowie Multifunktionsmöbel. In Simone Kamleitners Küche steht zum Beispiel eine Eckbank mit Laden. "Das ist quasi mein Keller. Ich bewahre dort unter anderem meine Skischuhe, eine Box mit Erinnerungsstücken und Fotobücher auf", erzählt die Designerin. Zu den Klassikern unter den Multifunktionsmöbeln gehören ausziehbare Tische, Schrankbetten sowie Schlafsofas und -sessel. "Mittlerweile gibt es aber fast für jedes Problem eine ausgefallene Lösung: Wandschreibtische, die man bei Bedarf ausklappen kann, Tische mit dazugehörigen Stühlen, die passgenau daruntergeschoben werden können, Bänke, deren Rückenlehnen sich als Tisch nach vorn klappen lassen, Sofas mit Kästen unter der Sitzfläche und Sessel mit kleinen Regalen an der Seite", zählt Steven Schneider, Chefeinrichter bei home24 nur ein paar Beispiele auf. Prinzipiell sollte alles immer praktisch sein und keine große Umräumaktion erfordern.

Tägliche Nutzung bedenken

Auch für ältere Menschen, die etwa in ein Mikrohaus ziehen wollen, gibt es passende Möbel. "Geschmacklich lässt sich bei der großen Auswahl mittlerweile für jedes Alter etwas finden. Zudem lassen sich die meisten Multifunktionsmöbel ohne große körperliche Anstrengung nutzen", weiß Schneider. Sein Rat: Gerade bei ausziehbaren oder ausklappbaren Betten und Sofas sollte man im höheren Alter genauer überprüfen, inwieweit die tägliche Nutzung zu bewältigen ist - gerade unter dem Aspekt, dass man vielleicht doch mehr Zeit auf Polstermöbeln verbringt als die jüngeren Generationen.

Optische Vergrößerung der Räume durch Farben

Damit kleine Räume optisch größer wirken, empfehlen sowohl Kamleiter als auch Schneider, die Wände in hellen, kühlen Farben zu halten. Je höher der Weißanteil, desto stärker wird Licht reflektiert. Es muss aber nicht immer weiß sein. Auch Cremefarben, helles Blau und Grün oder zarte Pastellfarben haben dieselbe Wirkung.

Wohnzimmer und Büro vereint in einem Raum. SN/klaus doppler
Wohnzimmer und Büro vereint in einem Raum.

Licht erzeugt optische Tiefe. Schneider empfiehlt, mehrere kleine Lichtinseln zu schaffen, etwa durch eine Kombination aus Tischleuchten, Lichterketten, Wandlampen und Deckenlichtern. Stehlampen und Hängeleuchten nehmen unter Umständen zu viel Platz weg und erzeugen vergleichsweise viel Schatten. LED-Streifen und Spots an Leisten oder den Unterseiten von Regalen und Sofas helfen, das Mobiliar zu betonen.
Räume lassen sich auch durch Spiegel optisch strecken. Sie sollten laut Schneider mittig aufgehängt und am besten gegenüber von Fenstern und Türen platziert werden, damit sie möglichst viel Licht reflektieren.

Zurückhaltung beim Dekorieren

Beim Dekorieren gilt "weniger ist mehr", damit kleine Räume nicht überladen wirken. Wer will, kann eine Wand für Fotos reservieren. Wie Kamleitner erklärt, kann man Fotos in hübsche Rahmen geben und von der Decke bis zum Boden verteilen. Oder man hängt Holzboxen auf, in denen Erinnerungsstücke wie in einem größeren Setzkasten über die ganze Wand verteilt sind.

Tiny- und Mikrohäuser: Baurecht nicht außer Acht lassen

Tinyhäuser sind Unterkünfte auf Rädern, deren Standort sich verändern lässt - wobei dafür aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts ein Sattelschlepper benötigt wird. Mikro-, Mini- oder Kleinhäuser sind hingegen stationäre Häuser.

Wer den Bau oder das Abstellen dieser kleinen Häuser plant, sollte sich bei der für ihn zuständigen Baubehörde darüber informieren, wo was möglich ist. Ein Tinyhaus darf man etwa nicht einfach irgendwo abstellen. Für stationäre Kleinhäuser bedarf es einer Baugenehmigung.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema : Wie ein ganzes Dorf aus Mikrohäusern entsteht

Aufgerufen am 29.09.2022 um 06:46 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/aktuelles-trends/downsizing-beim-mikrohaus-versteckt-sich-der-keller-in-der-eckbank-107270638

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