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Die österreichische Möbelindustrie sucht nach neuen Märkten

Die heimische Möbelindustrie hat ein schwieriges Jahr 2018 hinter sich. Die Branche steht vor neuen Herausforderungen, vom Onlineshop bis zur Expansion.

Das Jahr 2018 war für die heimische Möbelindustrie kein leichtes. Das betonte der Präsident des Verbands der österreichischen Möbelindustrie, Georg Emprechtinger, anlässlich der internationalen Möbelmessen (IMM) in Köln. Zwar hätten die Daten der Statistik Austria für die ersten drei Quartale 2018 eine positive Entwicklung aufgewiesen, aber die Realität schaue bei den einzelnen Betrieben oft anders aus.

Unsicherheiten bei großen Möbelhäuser

"Auf dem österreichischen Markt hat sich natürlich die Unsicherheit, wie es mit Leiner/Kika weitergeht, bemerkbar gemacht", betont Emprechtinger, der mit seinem Unternehmen Team 7 dort Zulieferer ist. Inzwischen kehre man aber wieder in "normales" Fahrwasser zurück, wenn auch nicht auf dem Umsatzniveau wie früher. "Wir sind als Team 7 natürlich auch mit runtergefallen", erklärt Emprechtinger, der 2018 den Umsatz mit 100 Mill. Euro angibt - also faktisch das Niveau von 2017.

Als schlecht fürs Geschäft hat sich auch der lange Sommer ausgewirkt. "Hitze von April bis Oktober, da gehen die Menschen nicht Möbel kaufen", bestätigt Anna Kapsamer, Geschäftsführerin des oberösterreichischen Herstellers Joka. Generell habe sich im Vorjahr der Sektor "Wohnen" stabil erwiesen, die Küche habe sich aber deutlich besser entwickelt, sagt Emprechtinger. Schwierig sei dagegen das Geschäft mit Polstermöbeln gewesen.

Logistik ist der Schlüsselfaktor

Die Hersteller müssen also reagieren: Um für die Zukunft gerüstet zu sein, hat Team 7 im Vorjahr 7,5 Hektar benachbarten Betriebsgrund in Pram im Innviertel gekauft und darauf eine 7000 Quadratmeter große Logistikhalle gebaut. "Logistik ist der Schlüsselfaktor", sagt Emprechtinger. Die 20 Mill. Euro teure Investition sei "Vertrauen in die Zukunft". Zudem unterstreiche sie, dass man Österreich treu bleiben werde.

Onlineshops dienen als Marketinginstrument der Möbelindustrie

Apropos Logistik: Da kommt auch das Thema Onlinehandel ins Spiel. "In Deutschland liegt der Onlineanteil des Möbelhandels bei sechs Prozent, das dürfte in Österreich etwa genauso viel sein", sagt der Möbel-Präsident. Bis zu einem Kaufpreis von 5000 Euro sei der Verkauf per Web kein Problem, zwischen 5000 und 10.000 Euro sei es schon viel schwieriger. Alles, was teurer ist, laufe nur über den Fachhandel mit der nötigen Beratung. Team 7 baue gerade einen Onlineshop auf. Das soll aber keine Konkurrenz zu den Fachhändlern werden, sondern vor allem der Imagepflege dienen.
Ähnlich denkt auch Hartmut Roehrig, Geschäftsführer der Wittmann Möbelwerkstätten. Auch für ihn ist der Onlinehandel vor allem ein Marketinginstrument, das hauptsächlich deshalb wichtig sei, um das Preisniveau darzustellen. "Das ist halt die Google-Logik. Man ist nur sichtbar, wenn es auch einen Preis gibt", so Roehrig. Grundsätzlich setzt er aber mehr auf Partner, die beraten und Wittmann-Produkte erklären.

Weltweite Expansion österreichischer Möbelhersteller

Er sieht in Österreich jedoch eine Veränderung, denn viele kleine Familienbetriebe, die Wittmann verkauften, hätten ein Generationenproblem. "Es ist auch sonst schwierig, weil etwa die Mietkosten steigen." Deshalb sucht Roehrig neue Chancen im Export. Gerade in Asien sei es von Vorteil, wenn man ein Familienbetrieb sei, denn viele Händler seien das auch. "Die fragen: Was macht ihr? Was ist da drin? Welche Materialien verwendet ihr? Wo produziert ihr?" Da könne Wittmann punkten, weil alles handwerklich gefertigt werde, vor allem von Mitarbeitern, die das schon lange machten und viel Erfahrung hätten. "Dieses Meisterprinzip wird gerade von Asiaten hoch anerkannt."
Ein anderer österreichischer Hersteller ist ADA mit Sitz in Anger bei Weiz in der Steiermark. ADA fertigt die Austria-Premium-Linie im Land, mit insgesamt 500 Mitarbeitern. 790 Beschäftigte hat das Unternehmen in zwei Werken in Ungarn, wo Möbel der Marke Trendline erzeugt werden. Aus dem Werk in Rumänien mit 630 Beschäftigten stammt die Alina-Linie. Den Großteil des Umsatzes erzielt ADA in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Weitere Märkte sind Südtirol, Benelux, die CEE-Länder und Frankreich. ADA produziert nicht nur unter dem eignen Namen sondern auch für Eigenmarken des Handels. Besonders wichtig sind allerdings die Möbel-Produktlinien für Joop, Tom Tailor, Rosenthal Porzellan und seit zwei Jahren für Birkenstock. Für den Sandalen-Hersteller wurde eine eigenen "Schlaf-Serie" entwickelt, von natürlichen Betten bis hin zu den Matratzen. "Da haben sich zwei Familienunternehmen getroffen, um gemeinsam eine neue Kooperation zu schaffen", sagt Geschäftsführer Gerhard Vorraber: "Mit dem besonderen Mix aus nachhaltigen Materialien, moderner Optik und hoher Verarbeitungsqualität trifft die Kollektion den aktuellen Trend. Die Schlafsysteme und Betten verbinden einen hohen Gesundheitswert mit innovativer Funktionalität."
Expansion auf einer ganz anderen Ebene bedeutet für Joka derzeit vor allem, die Marke Pro Natura zu forcieren. "Mit einem neuen Shop-in-Shop-Konzept können die Vertriebspartner die Pro-Natura-Philosophie für ihre Kunden noch besser zum Ausdruck bringen", sagt Anna Kapsamer. Die Marke stehe für absolute Natürlichkeit und Nachhaltigkeit, "beide Begriffe sind emotional hoch aufgeladen". Diese Emotionen sollen im Shop-Konzept spürbar und erlebbar gemacht werden. Zweite Aufgabe sei es, die vielfältige Pro-Natura-Vertriebslandschaft im Markenauftritt näher zusammenzubringen. Kapsamer: "Die Vorteile der Vielfältigkeit und Kundennähe unterstützen somit die Wiedererkennung der Marke."

Aufgerufen am 26.08.2019 um 11:54 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/aktuelles-trends/die-oesterreichische-moebelindustrie-sucht-nach-neuen-maerkten-64497373

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