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Die Arbeitszukunft wird "hybrid"

Arbeiten und Wohnen verschmelzen, dieser Trend wird anhalten. Gefragt sind Wohnungen mit Arbeitsmöglichkeiten und Büros als Möglichkeits- und Kommunikationsraum.

So könnte die Zukunft des Büros aussehen: ein Möglichkeitsraum.  SN/christian krinninger
So könnte die Zukunft des Büros aussehen: ein Möglichkeitsraum.

Vieles hat sich in den vergangenen eineinhalb Jahren geändert, die Coronapandemie hat vor allem für die Arbeits- und Wohnsituation ganz neue Ansätze gebracht. Nach der Öffnung und dem herbeigesehnten Ende der Pandemie stellt sich die Frage, was von diesen Veränderungen auf Dauer bestehen bleiben wird. Werden die Menschen wieder zurück an ihre Arbeitsplätze in den Büros der Innenstadt zurückkehren? Wie sieht das Büro der Zukunft aus?

Homeoffice ist gekommen um zu bleiben

Im Frühling 2020 hieß es plötzlich "zu Hause bleiben". Dieser Wechsel zum Arbeiten von zu Hause aus stellte für viele eine Herausforderung dar. Unternehmen mussten in rasender Geschwindigkeit ihre Prozesse und Kommunikationswege umdenken und umstellen. Arbeitnehmer mussten sich fragen: Wo in meinem Zuhause soll ich arbeiten? Kann ich vom Küchen- oder Wohnzimmertisch aus arbeiten? Ist dies ein lang- oder kurzfristiger Wechsel?

Bild: SN/engelvoelkers
Arbeit und Zuhause sind vereint und sollten nicht getrennt werden.
Christian Sommer, Engel & Völkers Commercial Wien

Man wusste damals noch nicht, dass das Homeoffice sich als anerkannte Arbeitsstätte etablieren würde. In einer umfassenden Studie hat Engel & Völkers Wien mehr als 300 seiner Kunden zu diesem Thema befragt und kommt zu eindeutigen Ergebnissen. 95 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass das Homeoffice nicht mehr ganz aus dem Arbeitsalltag wegzudenken ist.

Abgesehen von den 44 Prozent der Befragten, die bereits einen Arbeitsplatz zu Hause besessen hatten, hat sich ein weiteres Viertel einen festen Arbeitsplatz eingerichtet. Dies bedeutet, dass sie nicht vom Küchen- oder Esstisch arbeiten, sondern tatsächlich einen weiteren Platz geschaffen haben, auf dem sie ihre Materialien liegen lassen können.

Heimarbeit beeinflusst Immobiliensuche

Für fast 50 Prozent der Befragten hat sich dadurch der Platzbedarf zu Hause verändert. Sie würden heute bei der Immobiliensuche nach anderen Aufteilungen suchen. Ein Arbeitszimmer, in dem man in Ruhe arbeiten kann, ist deshalb das neues Gesprächsthema bei Immobilienbesichtigungen, berichtet Philipp Niemann, Geschäftsführer von Engel & Völkers Residential in Wien: "Es ist nicht nur die Anzahl von Schlafzimmern, die heute unsere Kunden interessiert, sondern auch zusätzlicher Platz für den Schreibtisch, sei es ein eigener Raum oder ein größeres Wohn- oder Schlafzimmer in dem eine Arbeitsnische möglich ist."

Vor Corona waren für die meisten Wienerinnen und Wiener Wohnen und Arbeiten getrennt. Dies hat sich gezwungenermaßen, zumindest für Dienstleistungen im Büro, durch die Pandemie verändert. Die Arbeit wurde mit nach Hause genommen. Wohnen und Arbeiten finden nun zusammen statt. Kinderbetreuung ist plötzlich nebenbei möglich und Vorgesetzte sind tolerant und verständnisvoll.

Viele Vorteile sprechen dafür, dass dieser Trend bestehen bleibt, auch die Befragten erwarten das. Die zeitliche Einteilung spielt dabei die größte Rolle. Der Arbeitsweg fällt weg und die Zeit kann optimal genutzt werden. Kinderbetreuung stellt niemanden mehr vor ein koordinatorisches Desaster und Handwerker können ohne Probleme zwischendurch ins Haus gelassen werden.

Auch technisch waren viele bereits optimal ausgestattet. Smartphones gehören fast überall zur Standardausstattung und Notebooks sind schnell besorgt. Internet ist in Wien flächendeckend verfügbar. So war der Wechsel nicht allzu schmerzhaft und die Arbeitnehmer größtenteils zufrieden.

Wie sieht das Büro der Zukunft aus?

Nun müssen die Unternehmen umdenken und stehen hier vor unterschiedlichen Herausforderungen. Zum einen gibt es eine rechtliche Komponente. Wer zahlt im Homeoffice für Internet, Strom und Arbeitsmittel? Verträge müssen angepasst werden, denn der Arbeitsplatz zu Hause ist vertraglich meist nicht geregelt. Auch was die Büroflächen angeht, sorgt die New-work-Situation für eine Neuordnung, sagt Christian Sommer, Geschäftsführer von Engel & Völkers Commercial in Wien: "Unsere Kunden werden kreativ und sehen die Geschäftsfläche nicht mehr als reine Arbeitsfläche. Es wird nach Mehrfachnutzungsoptionen für die ungenutzte Zeit gesucht und die Flächennutzung überdacht. Unser Headquarter in Hamburg hat schon vor Jahren zukunftsorientiert gedacht und hat eine riesige Gemeinschaftsnutzfläche."

Bild: SN/csmm
So könnte die Zukunft des Büros aussehen: ein Möglichkeitsraum.

Die Tech-Branche hat es lange Zeit vorgemacht. Flexible Systeme sind jetzt gefragt. Großflächen mit Flex Desks und mehr Besprechungsräume, dazu ein paar Wohlfühlecken - so sieht das Büro der Zukunft aus. Die Unternehmen haben verstanden, dass man das Zuhause auch mit ins Büro nehmen können muss. Kinder können mitgenommen werden und private Gespräche sind auch während der Arbeitszeit ohne schlechtes Gewissen möglich. Hierfür müssen Rückzugsorte geschaffen werden, die zum Büro der Zukunft dazugehören.

"Veränderungen sind gut und gehören zur menschlichen Entwicklung. Die Arbeit und das Zuhause sind heute vereint und werden sich nicht mehr so leicht trennen lassen", erwartet der Experte: "Die gewonnenen Freiheiten wollen sich die Arbeitnehmer nicht nehmen lassen und die Arbeitgeber haben gemerkt, dass es gut funktionieren kann."

Streben nach Hybridlösung: Wo das Homeoffice als sinnvolle Ergänzung dient

Den Trend bestätigen auch internationale Experten. Nach mehr als einem Jahr Homeoffice und diversen Lockdowns steht für Timo Brehme, Geschäftsführer des Architektur- und Beratungsunternehmens CSMM in München, fest: "Auch wenn sich ein wichtiger Teil der Arbeitsleistung im Homeoffice gut erbringen lässt, funktioniert vieles andere nur zusammen. Viele Menschen vermissen die Interaktion." Gleichzeitig zeigen Studien, dass das ausschließliche Arbeiten im Homeoffice immer öfter negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Deshalb sei er überzeugt, dass sich Rolle und Bedeutung des Büros in Zukunft grundsätzlich ändern werden und es nicht mehr nur als Ort fungiert, an dem Mitarbeiter ihre täglichen Routineprozesse abarbeiten. "Stattdessen wird sich das gemeinsame Büro durch die Pandemie noch schneller zu einem Hub & Home entwickeln", erwartet Brehme. Die Entscheidung werde deshalb künftig nicht zwischen Home und Office fallen müssen. "Die Zukunft der Arbeit und des Arbeitsplatzes wird in der kreativen Ausarbeitung einer Hybridlösung bestehen, wo das Homeoffice als sinnvolle Ergänzung funktionieren kann."

Eine ifo-Studie vom März dieses Jahres unterstreicht mit einer Homeoffice-Quote von rund 30 Prozent zwar, dass Arbeit zu Hause relativ gut funktionieren kann und Arbeitnehmern einen höheren Grad an Flexibilität verschafft. Untersuchungen zeigen jedoch auch, dass der Arbeitsplatz zu Hause auf Dauer müde und antriebslos machen kann. Laut einer Studie zur Belastung von Büroangestellten, die seit mindestens vier Monaten von zu Hause arbeiten, klagen Befragte verstärkt über physische Probleme wie Rücken-, Kopf- und Nackenschmerzen. Viele Arbeitnehmer spüren zudem einen Anstieg der psychischen Belastung. Mehrere Studien weisen deshalb auch einen Gegentrend aus, nach dem für viele der Gewinn von mehr Flexibilität mit gesundheitlichen Problemen und dem Verlust des sozialen Arbeitsumfelds zu hoch bezahlt ist. Für Timo Brehme steht fest: "Die Entwicklung vom Großraumbüro zum flexiblen Multispace als Möglichkeitsraum wird die Bürolandschaft in Zukunft prägen. Ein Möglichkeitsraum, der unser Denken, unsere Kommunikation und unsere Kreativität auf eine neue Art und Weise zu beflügeln imstande ist." Immer im Fokus stehen wird dabei mehr Raum für den persönlichen Austausch.

Aufgerufen am 23.06.2021 um 11:33 auf https://immo.sn.at/immo-ratgeber/aktuelles-trends/die-arbeitszukunft-wird-hybrid-104303983

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